Adolf-Reichwein-Gymnasium feiert deutsch-französische Freundschaft kurios und kulinarisch

„Allemand nicht mehr unsexy“

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Mit Karaoke zum Evergreen „Aux Champs Élysée“ und zu flotten Hits auf französisch warben Schüler des Jahrgangs Q3 für das Nachbarland.

Heusenstamm - Ressentiments? - Keine Spur, weder rechts noch links des Rheins. 50 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags scheint Alltag geworden sein, was Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit ihren Unterschriften am 22. Januar 1962 beschworen haben. Von Michael Prochnow

Zumindest in La Verpiellière und in der Schlossstadt, wo gestern am Adolf-Reichwein-Gymnasium die deutsch-französische Freundschaft auf den Tag genau gefeiert wurde. Allerdings nicht allein mit Crêpes und Baguette: Austauschschüler verbreiteten mit unterhaltsamen Beiträgen viel Laune, das Nachbarland selber zu erobern.

„Ein paar anzügliche Witze über die Deutschen erzählen die schon“, lächelt Annabelle Koberg, „aber das ist nur Spaß“. Das Mädchen hatte im vergangenen Herbst zwei Monate am katholischen Externat Ste. Marie und in einer Gastfamilie verbracht. Die kannte sie schon vom 14-tägigen Aufenthalt in La Verpiellière bei Lyon. Die gegenseitigen Besuche werden bereits seit 40 Jahren gepflegt, informiert Dominika Post, die das Projekt mittlerweile betreut. An der katholischen Privatschule genieße Deutschland und die deutsche Sprache einen hohen Stellenwert, sei das Nachbarland im Osten doch das einzige in Europa, in dem die Wirtschaft weiterhin gute Arbeitsplätze biete.

Fünf Heusenstammer durften in La Verpielière pauken

„Allemand ist nicht mehr unsexy“, beobachtet die Französisch-Lehrerin. „Du musst Dir gar nicht so viele Sorgen um die Sprache machen“, beschwichtigt Annabelle, „am Anfang geht Vieles mit Händen und Füßen“. Sie plädiert für den längeren Aufenthalt, „weil man sich erst nach ein paar Wochen an den Alltag gewöhnt habe. „Die sind den ganzen Tag in der Schule“, ergänzt Steffi Choi, „und die Lehrer sind sehr streng: Wer einmal Quatsch macht, fliegt raus!“ Eine Unterrichtsstunde dauert 55 Minuten, in der Kantine gibt’s mittags - typisch französisch - ein mehrgängiges Menü. „Aber Hase schmeckt auch vielen Franzosen nicht“, erinnert sich Annabelle.

Steffi ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und hatte sich beworben, weil sie bis dahin noch nie mit der Schule im Ausland war. Tatsächlich gehörte sie dann zum erlauchten Kreis der fünf Heusenstammer, die zwei Monate in La Verpielière pauken durften. Annalena Barnickel fielen die mannigfachen Unternehmungen ihrer Gastfamilie auf. Sie machten die 15-Jährige mit ihrer Familie und vielen Freunden bekannt, besuchten Museen und Theatervorstellungen und stellten ihrem Gast Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Heimat vor. Wie ihre Schulkameradinnen pflegt auch Annalena weiterhin Kontakte zu ihren Mitschülern im Ste. Marie per Internet.

Ein kurioses „Rendez-vous rapid“, hierzulande „Speed dating“ genannt, spielte die Französisch-Gruppe der Klasse 9e. Das schnelle Kennenlernen klappte für den Helden jedoch nicht - ein Mädchen hat schon die Namen für die vielen erwünschten Kinder parat, die zweite steht auf Milch und Schokolade, die nächste präsentierte sich etwas dümmlich. Schließlich verliebt sich der Single in seine langjährige Bekannte. Viel Vergnügen brachte auch das Karaoke-Singen mit sich. Die Klasse Q3 stimmte mit einem Fußball-Hit ein und ließ Lehrer und Schüler gegeneinander antreten: der Applaus kürte die Sieger. Parallel gab es ausführliche Informationen über den Austausch.

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