„Schattenspiel“ auf dem Jupiter

Sternfreunde im Adolf-Reichwein-Gymnasium

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Astronomenglück in der Schulsternwarte des Adolf-Reichwein-Gymnasiums: Auf der Oberfläche des Jupiters sind zwei kleine schwarze Punkte zu erkennen. Das sind die Schatten der Monde Io und Europa.

Heusenstamm - Europa, Ganymed, Io und Kallisto stehen nicht mal auf der Reiseliste von exklusiven Weltenbummlern. Es sind vier der 67 bekannten Monde des Planeten Jupiter. Gleich zwei davon konnten die Besucher auf der Sternwarte in Heusenstamm beobachten. Von Jürgen Roß 

Monatlich locken die „Sternenfreunde Kreis Offenbach“ (SKO) in Heusenstamm zum Besuchertag. Mit einem Vortrag, aber eben auch mit der Chance, mit Hilfe der Schul-sternwarte des Adolf-Reichwein-Gymnasiums einen tiefen Blick ins Universum zu erhaschen. Beim jüngsten Treffen steht der Planet Jupiter im Fokus. Ein Massenmagnet, nicht alleine wegen seiner Größe. Der Kunstsaal im Gymnasium ist also gut besucht, als Martin Fuchs erklärt, warum eine doppelte Mondfinsternis am Jupiter selbst für Astronomen ein besonderes Erlebnis ist. Doch bevor dieses Phänomen beobachtet werden kann, muss es noch dunkel werden.

Fuchs referiert über den Jupiter und seine Trabanten. So abstrakt Entfernungen, Größen und chemische Vorgänge auch sein mögen - es gelingt ihm, die komplexen Sachverhalte auf einen verständlichen Nenner zu bringen. Er macht Größenverhältnisse klar: Die Distanz von Sonne zu Erde mit rund 150 Millionen Kilometer gilt als eine „Astronomische Einheit“ (AE) - und das Licht bewegt sich mit 300.000 Metern pro Sekunde. „Wer jetzt seinen Taschenrechner zückt, der kann ausrechnen, dass das Licht von der Sonne bis zur Erde rund 8,3 Minuten benötigt“, erklärt Fuchs.

Weniger gut vorstellbar sind die 9,46 Billionen Kilometer, die ein Lichtjahr darstellen. „Diese Zahl kann sich vielleicht noch unser Finanzminister vorstellen, aber ein Normalverdiener kann mit Billionen schon kaum mehr etwas anfangen“, scherzt Fuchs.

Der Sternenfreund präsentiert eine Bildmontage, um das Größenverhältnis des Jupiters im Vergleich zur Erde anschaulicher zu machen. Unser blauer Planet wirkt winzig. Seine wahre Größe liegt aber sowieso darin, dass der Mensch hier leben kann. Auf dem Jupiter ginge das nicht. „Der besteht zu 90 Prozent aus Wasserstoff und zu zehn Prozent aus Helium“, erläutert Fuchs. Doch es sei nicht die Zusammensetzung alleine, die diesen Planeten so besonders macht. Er besitze zudem das größte Magnetfeld aller Planete des Sonnensystems.

Als Galileo Galilei am 7. Januar 1610 den Jupiter beobachtete, entdeckte er zunächst drei helle Punkte, die er als Monde identifizierte. Fuchs zeigt die Kopie einer handschriftlichen Notiz des italienischen Gelehrten. Die Erkenntnis, dass das Sonnensystem nicht so aufgebaut ist, wie es sich die Kirche seiner Zeit vorgestellt hatte, brachte Galilei bekanntermaßen große Schwierigkeiten ein. Die Entdeckung der Jupitermonde sei für die Wissenschaft ein großer Fortschritt gewesen. Und die Einleitung einer kulturhistorischen Wende. Die Besucher bekommen nicht nur trockene Zahlen präsentiert, sondern erfahren auch historische Zusammenhänge der Astronomie.

Schließlich zeigt Fuchs Bilder der vier sogenannten galileischen Monde. Europa, ein bläulich und braun gestreifter Mond, Ganymed mit seinem grau-weißen Eispanzer, der gelbliche Io und Kallisto. „Der sieht aus wie ein misslungener Streuselkuchen“, scherzt Fuchs. Keiner dieser vier Monde sieht auch nur annähernd so aus wie der Erdtrabant.

Die acht Planeten: Reise durchs Sonnensystem

Und alle unterscheiden sich auch untereinander sehr deutlich. „Das Magnetfeld des Jupiters ist eben 20-mal so stark wie das Erdmagnetfeld, was extreme Auswirkungen auf die Monde hat.“ Io beispielsweise hat einen Eisenkern, einen Mantel aus glühender Lava und eine recht dünne Oberfläche aus kaltem Lavagestein. „Durch die Gravitation verschwindet die Oberfläche sehr schnell, weswegen dort ständig extreme vulkanische Aktivität zu beobachten ist“, erklärt Fuchs und zeigt beeindruckende Bilder. Der hohe Schwefelanteil gebe dem Mond schließlich seine gelbe Farbe.

Völlig anders Europa. Der ist ein reiner Eismond, in dessen Innern sich in 100 Kilometern Tiefe ein Ozean aus flüssigem Wasser befindet. „Die aktuelle Forschung ist sehr daran interessiert, sich bis dahin durchzuschmelzen“, erläutert Fuchs.

Am Ende seines Vortrags gibt er Tipps, wie das Fernrohr in der Sternwarte zu bedienen ist. Dort haben die Besucher schließlich das große Glück, einen Blick auf den Jupiter zu werfen. Durch das Okular sind tatsächlich zwei schwarze Punkte auf der Oberfläche des Jupiters zu sehen: Es sind die Schatten der beiden Monde Io und Europa, die von Heusenstamm aus zu beobachten sind.

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