Terror und das deutsch-französische Verhältnis

„Ziemlich beste Freunde“

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Gebannt verfolgen die Oberstufen-Schüler am ARG den Vortrag von Christophe Braouet, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt.

Heusenstamm - Starker Tobak erfüllt am französischen Tag die Aula des Adolf-Reichwein-Gymnasiums (ARG). Lassen sich die aktuellen Konflikte mit den Islamisten tatsächlich nur militärisch lösen? Den Sprachschülern erläutert Christophe Braouet vor allem das besondere deutsch-französische Verhältnis.

Der Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt und Bankdirektor bei der Helaba stellt den Schülern der Q-Phase, der Oberstufe, „Frankreich – das terrorisierte Reiseland“ vor. Die Kultur wie die aktuelle Situation des Nachbarlands fallen am ARG auf fruchtbaren Boden, die Schule bietet Französisch als erste Fremdsprache, Austausch mit Gleichaltrigen in La Verpillère und zahlreiche Aktionen. „Ohne die Verständigung zwischen den beiden Ländern läuft in Europa nichts“, betont der Gast. „Alle warten auf einen deutsch-französischen Vorschlag, und sei es nur, um ihn zu zerreißen, aber ohne ihn passiert gar nichts“, skizziert Braouet die Verhältnisse in Brüssel und Straßburg. „Das terrorisierte Reiseland“ werde ein Thema bleiben, „das uns lange Zeit begleiten wird“. Und ohne ein enges Zusammenwirken werde man keine Lösung finden. Deutschland könne die aktuelle Krise nicht allein stemmen, andere Länder müssen ebenfalls Flüchtlinge aufnehmen - auch Frankreich. Die 30.000 IS-Kämpfer in Syrien könnten nur mit einem Krieg auf dem Boden besiegt werden, und da müssen auch deutsche Truppen ran.

Durch Terroranschläge gab es mehr als 1000 Tote allein im Januar. Doch warum bewegen die Opfer in Paris weltweit so viel mehr Menschen als die Opfer in der Türkei oder auf der Sinai-Halbinsel? „Die Sonderstellung von Paris macht die Betroffenheit aus“, erläutert der Referent. Die Stadt an der Seine sei „Symbol der Freiheit und der Menschenrechte“ und immer Zufluchtsort für politische Asylanten gewesen.. Frankreich sei zudem das erste Zielland für Touristen, 85 Millionen kämen pro Jahr, voran Briten, Deutsche und Chinesen. Dazu verhelfe die zentrale Lage, eine gute Infrastruktur und die vielen Sehenswürdigkeiten. Meistbesuchter Ort sei der Euro-Disney-Park mit 15 Millionen Besuchern, zehn Millionen sind"s im Louvre und ähnlich viele in Schloss Versailles. „Alle 50 Jahre gab’s einen Krieg“ mit dem Erzfeind Deutschland - heute seien beide „ziemlich beste Freunde“, gemessen an Austausch-Programmen mit acht Millionen Schülern, Städtepartnerschaften und gemeinsamen Gesellschaften. „Das gibt’s mit keinem anderen Land und führt dazu, dass wir besonders betroffen sind.“

Bilder: Abiball des Adolf-Reichwein-Gymnasiums

Die Attacken von Paris seien nicht von Ausländern verübt worden, sondern von Franzosen. Braouet wies darauf hin, dass Integration durch Sprache für Zuwanderer aus Nordafrika keine Barriere war. Fünf Satellitenstädte entstanden um Paris, der Lebensstandard brach mit der Ölkrise 1973 ein, „die Leute wurden wirtschaftlich nicht mehr gebraucht“, bei der Fortbildung habe Frankreich versagt, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Drogen, Ghettos gediehen. Der Angriff auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo habe alle Franzosen „intellektuell getroffen, mit der Presse wurde die Freiheit angegriffen, mit der Konzerthalle Bataclan und dem Fußballstadion sollte westliches Leben getroffen werden. „Das ist Terrorismus pur.“

Behörden müssten nun viel mehr Daten europaweit austauschen, Armeen in Syrien einmarschieren, meinte der Deutsch-Franzose. Ob denn Krieg die einzige Lösung sei, wollten viele der jungen Zuhörer wissen. „Ihr könnt den IS auch zum Frühstück einladen“, antwortet Braouet ironisch. Positiver stimmen französische Köstlichkeiten, heitere Theaterszenen, Lieder und ein französisches Quiz.

M.

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