Konflikt-Schlichter

Mehr Zivilcourage im Bus

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Stolz auf die nun als Bus- und Bahnbegleiter zertifizierten Schüler sind Vertreter der ARS ebenso wie die Politiker.

Heusenstamm - Mit Zivilcourage und Engagement verhindern sieben Schüler künftig, dass andere in Gefahr geraten, betonte Polizeidirektor Claus Spinnler vom Polizeipräsidium Südosthessen: „Ihr seid da, wenn es vonnöten ist.“ Von Franziska Schneider 

Zum mittlerweile neunten Mal wurden an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) so genannte Bus- und Bahnbegleiter ausgebildet. Sieben junge Menschen haben sich damit bereit erklärt, ehrenamtlich eine wichtige Helferrolle zu übernehmen. Schulleiter Matthias Lippert erklärte stolz, dass die Jungen und Mädchen zu einer „positiven Auswahl der Schülerschaft“ gehören. Auch Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger lobte den Mut der Jugendlichen und hob hervor, dass allein an der ARS schon mehr als 100 Bus- und Bahnbegleiter ausgebildet wurden. Dass das Programm „keine Eintagsfliege“ ist, bestätigte auch Bürgermeister Peter Jakoby. „Es ist toll, dass ihr euch bereiterklärt, das zu machen“, sagte er.

Die diesjährigen Zertifizierten sind Jasmin Melher, Hamza Madmar, Cengizhan Saricicek, Shahram Amini, Samanta Demirovic, Mohamed Azdoufal und Ouassim Mohammad. Sie sehen sich allerdings weniger als „Ordnungshüter“, sondern eher als Helfer. „Man darf nicht den Chef spielen, sondern muss zuerst die Situation prüfen“, antwortete einer der Schüler auf die Frage, was im Fall eines Konflikts zu tun sei. Handgreiflich solle man nie werden. „Ich will anderen Menschen helfen und mich im Bus wohl fühlen“, erläuterte Samanta. Bei verschiedenen Treffen und Intensivtrainings haben ihnen Projektleiter und Trainer Uwe Böer von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG) und Schulsozialarbeiterin Bianca Faller beigebracht, stets die Geduld zu bewahren. Rollenspiele haben den Jugendlichen geholfen, mit angespannten oder kritischen Situationen umzugehen.

So mussten die Schüler auch schon Einsatz an der Bushaltestelle vor der Schule zeigen. „Wir arbeiten immer nur im Team und passen zum Beispiel auf, dass niemand auf die Straße läuft, wenn der Bus kommt“, berichtete Hamza aus Erfahrung. „Gerade nach 13 Uhr kommt es bei bis zu 1500 Schüler vor den beiden Reichwein-Schulen leicht zu Konflikten und Fehlverhalten“, bestätigte auch der Schulleiter der Haupt- und Realschule. Zu dieser Zeit seien die Bus- und Bahnbegleiter besonders gefragt. Obwohl Peter Jakoby einwarf, dass man vor allem an die dort in Autos wartenden Eltern appellieren sollte.

Die Buslinien OF 30, OF 96 und OF 651 sollen auch mit Unterstützung der Polizei in Zukunft sicherer gemacht werden. Im Kreis Offenbach machen insgesamt 670 Jugendliche bei dem Begleiter-Programm mit. Die Achtklässler wollen vermehrt Jüngeren helfen und dabei in der Gruppe Stärke beweisen. Das „gesprochene Wort“ ist dabei ihr wichtigstes Mittel. „Ihr geht damit den richtigen Weg und bildet euch auch selbst weiter“, bekräftigte Schulleiter Lippert seine Schüler. Sich nicht provozieren zu lassen und den Dialog zu suchen, sei nicht immer leicht, wusste der Bürgermeister. Gerade deshalb ermutigte er die „Junghelfer“ dazu, nicht den Spaß an der Arbeit zu verlieren. „Wir wollen andere aufmuntern und nicht niedermachen“, antworteten die Schüler.

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