An der Adolf-Reichwein-Schule

Speziell ausgebildete Hunde im Unterricht: Oskar hört geduldig zu

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Schulhund Oskar lacht die Kinder nicht aus beim Vorlesen, nimmt ihnen aber die Hemmungen, den Text laut zu sprechen.

Heusenstamm - Über ein neues Mitglied der fünften Klassen an der Adolf-Reichwein-Schule sind nicht nur die Schüler glücklich. Auch die Lehrerin ist von Oskar überzeugt. Denn der zum Schulhund ausgebildete Vierbeiner hat das Klima in der Klasse verbessert. Von Jürgen Roß 

Kurz vor Weihnachten haben die Fünftklässler an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) Zuwachs bekommen. Der neue Mitschüler hört auf den Namen „Oskar“, hat vier Beine und in Windeseile so etwas wie Kultstatus an der Schule erreicht. Nadine Graf unterrichtet in der fünften Klasse das Fach Deutsch. Sie steht vor der Tafel und die Kinder lesen aus dem Buch „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“. Aber die Schülerinnen und Schüler versichern, dass sie ihre Deutschlehrerin auf keinen Fall schrumpfen möchten, denn „Frau Graf ist einfach super“. Diese Beliebtheit hat die junge Lehrkraft auch ihrem Begleiter zu verdanken. Oskar ist ein vier Jahre alter Labrador und als „Schulhund“ ausgebildet. Er hat in dem Klassenraum seinen eigenen Platz, darf während des Unterrichts herumlaufen und ist der ungeschlagene Liebling in der Klasse.

„Seit Oskar hier ist, ist es viel leiser in der Klasse“, erzählt Melisa. Die Schülerin mit türkisch-serbischen Wurzeln freut sich seitdem richtig auf den Deutschunterricht. In einer Ecke des Klassenzimmers sitzen Leo, Kevin und Alex. Ihr Zuhörer ist Oskar. Das neue Klassenmitglied hat zunächst eine Schulhundausbildung durchlaufen müssen, um im Umgang mit Kindern auch richtig zu reagieren. Nadine Graf ist von den ersten Ergebnissen des „Deutschunterrichts mit Hund“ angetan: „Das Klassenklima hat sich völlig verändert“. Die Kinder sind auf ihren neuen Mitschüler vorbereitet worden. „Für den Umgang mit dem Hund gibt es ganz klare Regeln“, erklärt Graf. „Der Hund darf nicht angelockt oder gestreichelt werden, wenn er im Klassenzimmer herumläuft, die Kinder dürfen nicht mehr laut herumtoben, müssen leise sein, weil der Labrador Lärm nicht mag und er darf nicht gefüttert werden.“

Leo, Kevin und Alex kennen die Regeln ganz genau und halten sich auch daran, denn sie haben Sorge, dass Oskar nicht mehr in den Unterricht kommt, wenn sie sich nicht daran halten. Aber nicht nur die Regeln im Umgang mit dem Hund sind ein positiver Effekt des tierischen Co-Lehrers. „Die Kinder haben weniger Hemmungen beim Vorlesen und der Hund ist ein geduldiger Zuhörer, der sie weder auslacht noch kritisiert“, berichtet Graf. Dennoch gibt Vierbeiner Oskar sofort Rückmeldung wenn er sich wohl oder unwohl fühlt. „Für die Kinder heißt dies, dass sie sehr auf ihr Verhalten und ihr Selbstbild achten, weil der Hund sofort reagiert“, erklärt Graf.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil eins)

Der elfjährige Marius aus Kuba sitzt an seinem Pult. Er muss einen Aufsatz schreiben. Da schlendert der Labrador am Tisch des Schülers vorbei. „Mit Oskar macht das Lernen viel mehr Spaß“, berichtet der Schüler. Neben Marius sitzt die zehnjährige Ivonne. Ob der Hund im Unterricht nicht ablenkt? Die Schülerin widerspricht vehement. Und auch Lehrerin Graf beobachtet eher das Gegenteil. „Die Schüler sind besser motiviert, sie können sich besser konzentrieren und die Beobachtungs- und Aufnahmefähigkeit wird eindeutig gestärkt“.

Auch Schulleiter Wolfgang Lippert ist von Oskar begeistert: „Es ist unglaublich, welche Auswirkungen die Anwesenheit des Hundes auf das soziale und emotionale Lernverhalten der Schüler hat“. Empathie, Fürsorge und Rücksichtnahme lernen die Kinder spielerisch und müssen außerdem auch noch Verantwortung übernehmen. Auch in der Förderschule ist bereits ein Kollege von Oskar im Einsatz: „Wir sind dankbar, dass wir mittlerweile zwei Lehrkräfte haben, die speziell ausgebildete Hunde in ihre Arbeit integrieren können“, lobt Lippert das Engagement.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil zwei)

Für Leo, Kevin, Alex, Marius, Melisa, Ivonne und alle anderen ihrer Klassenkameraden ist ganz klar: Oskar ist mit Abstand der beliebteste und coolste Typ an der Reichwein-Schule. Und die Schülerinnen und Schüler würden alles dafür tun, damit ihr vierbeiniger Freund und Lese-Kumpel Oskar am Ende des Schuljahres ebenfalls in die nächste Klassenstufe versetzt wird.

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