Unterricht im Denkmal

Adolf-Reichwein-Schule wird unter Schutz gestellt

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Der Blick auf die damals neue Adolf-Reichwein-Schule: Im noch unbebauten Areal an der Ecke Berliner Straße (links) und Leibnizstraße (rechts) erkennt man das besondere architektonisches Konzept von Ernst May.

Heusenstamm – Ernst May zählt zu den wichtigsten Architekten und Stadtplanern des 20. Jahrhunderts – vor allem in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. In die Geschichte eingegangen ist er vor allem durch die Planung des „Neuen Frankfurt“, für das er unter anderem die Siedlungen Römerstadt, Praunheim und Bornheimer Hang entwickelte. Gebaut hat der 1886 in Frankfurt geborene Architekt aber auch die Heusenstammer Adolf-Reichwein-Schule, die jetzt unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Von Claudia Bechthold

Ernst May selbst war zur Einweihung der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) am 20. Mai 1967 in die Leibnizstraße gekommen. Das war nicht nur für den damaligen Bürgermeister Hans Hemberger eine besondere Ehre, denn May galt zu dieser Zeit längst als einer der großen seines Fachs.

Einweihung der Schule 1967: Professor Ernst May (Mitte) und Bürgermeister Hans Hemberger (links).

Der ARS-Lehrer Thorsten Krahn hat sich mit dem Projekt Schulneubau befasst. Wobei die Schule offenbar zunächst ein „Nebenprodukt“ des Projekts „Wohnstadt Heusenstamm“ war, das zu Beginn der 1960er initiiert worden war. Die Reihenhäuser in Straßen wie Karlsbader, Breslauer und Königsberger sind Zeugnisse der Planungen, an denen auch Ernst May mit „weichen Bleistiftzeichnungen“ – wie es der spätere Bauamtsleiter Lothar Schmitz bezeichnet – beteiligt war. Aus seinen Ideen entstand der erste Bebauungsplan Heusenstamms, der allerdings nie vollständig umgesetzt wurde. Bestandteil dieser Planung allerdings war stets der Bau einer Volks- und Realschule an der Leibnizstraße.

Aus dem Projekt „Wohnstadt“ hatte sich May nach einiger Zeit verabschiedet. Die Schule, deren Grundstein am 5. Juni 1964 gelegt wurde, aber plante der Frankfurter weiter.

Die Schule besteht aus einem dreistöckigen Hauptgebäude mit Pausenhalle und Verwaltung. Naturwissenschaftliche Fach- und Sammlungsräume befinden sich im ersten, ein Mehrzweckraum und ein Nadelarbeitsraum, der heute als Mensa genutzt wird, sowie die Lehrküche im zweiten Obergeschoss. Zwei zweigeschossige Gebäude, die östlich und westlich an einem Pausenhof liegen, beherbergen insgesamt 24 Klassenräume. Zudem gibt es insgesamt sechs freistehende Pavillons mit jeweils einem großen Klassen- und Vorraum.

Mit dem Bau von Pavillonschulen kam Ernst May bereits 1907 während seines Studiums am University College in London in Kontakt, schreibt Thorsten Krahn. Er führte diesen Typ in Deutschland Ende der 1920er Jahre beim Bau der Schule am Bornheimer Hang in Frankfurt ein. Neben der ARS ist auch eine Schule in Hamburg als Pavillonschule geplant und in Teilen realisiert worden.

Bilder: Hip Hop an der Adolf-Reichwein-Schule

In Heusenstamm waren die Pavillons ursprünglich für Grundschüler vorgesehen. Heute nutzen sie jene Lerngruppen, die einen größeren Raumbedarf haben. Den Pavillons zugeordnet sind jeweils gepflasterte Außenbereiche, die den gleichzeitigen Unterricht im Klassenraum, im Vorraum und vor den großen Pavillonfenstern auf dem Außengelände ermöglichen.

Wichtig waren dem Architekten übrigens auch große Grünflächen. So wird aus allen Klassen- und Fachräumen der Blick in den Grünraum und in die Umgebung durch große, weit nach unten gezogene Fensterflächen ermöglicht.

Und damit wird auch der Anlass klar, warum sich der Denkmalschutz jetzt mit der ARS befasst hat: Die Grünflächen auf dem Gelände sollten für den Bau einer vierten Grundschule genutzt werden. Erhalten werden soll aber der gesamte Komplex.

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