Alte Flieger werden getauscht

Tarek Al-Wazir beantwortet Fragen der Bürger

Heiner Wilke-Zimmermann und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir im Saal für Vereine. Foto: Bechthold

Heusenstamm - Mehr als 50 Bürger waren erschienen zur Wahlkampfveranstaltung der Heusenstammer Grünen. Der Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir geriet allerdings eher zu einer Veranstaltung gegen Fluglärm. Von Claudia Bechthold

Ganz bewusst habe er sich dazu entschieden, bei seinen Wahlkampfauftritten den Fragen der Menschen großen Raum zu geben, erläutert der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir gleich zu Beginn der Veranstaltung im Saal für Vereine. Rund eineinhalb Stunden soll der Auftritt des Hessischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr sowie stellvertretenden Ministerpräsidenten dauern. Am Ende sind es zweieinhalb Stunden. Und es geht vor allem um den Fluglärm.

Das Eingangsreferat des Ministers ist kurz. Er streift die Umweltschutzpolitik, hebt hervor, dass das Kernkraftwerk Biblis A seit wenigen Tagen frei von Kernbrennstoffen ist, und spricht von der Arbeit an der Verkehrswende, dem „dicksten Brett in Hessen“, das es zu bohren gilt: „Wir müssen mobil bleiben, dürfen aber davon nicht krank werden.“ Da gebe es noch unglaublich viel zu tun. Mit einem Schlenker über die „gute wirtschaftliche Lage“ in Hessen kommt Al-Wazir zur Stimmung in diesem Wahlkampf, in der er nur noch „Geschrei, Hass und Hetze“ erlebe, und appelliert, Politiker sollten sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen.

Dann eröffnet Heiner Wilke-Zimmermann, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Heusenstamm, die Fragerunde. Ein älterer Herr aus dem Publikum meldet sich sofort: „Ein Thema haben Sie vergessen. Was unternehmen Sie gegen den Fluglärm?“

Damit war das Thema des Abends gewählt. Über verspätete Anflüge zum Flughafen werde ständig gesprochen, nie aber über verspätete Abflüge, vor allem wenn stark beladene Frachtmaschinen in geringer Höhe nach 23 Uhr über das Haus donnerten, beklagt ein anderer Zuhörer.

„Wir sind da sehr genau und transparent“, antwortet Tarek Al-Wazir mit dem Verweis auf die Internetseite seines Ministeriums, auf der alle verspäteten Flüge stets nachzulesen seien. Dann erinnert er daran, dass er, zu einer Zeit, zu der das entschieden wurde, selbst gegen den Ausbau des Flughafens gekämpft hat. „Aber wir waren erfolglos.“ Nun müsse man – stets mit den Möglichkeiten von Recht und Gesetz – die Einhaltung des Nachtflugverbots zu erreichen. Neben Wetterlagen und zu knappen Kapazitäten bei der Flugsicherung gebe es Verspätungen, die mit der Flugplangestaltung zu tun hätten. Ganz bewusst habe man in solchen Fällen nun Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

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Willkürliche Verlagerungen des Fluglärms seien keine Verringerung, kritisiert Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas, der als Zuhörer erschienen ist. Klare technische Vorgaben für Flugzeuge, die in Frankfurt landen wollen, fordert ein anderer Bürger, dem es um moderne, leisere Flieger geht.

Man habe die Lufthansa heftig kritisiert dafür, dass die modernen A 350-Maschinen abgezogen worden seien, berichtet Al-Wazir. Tatsächlich aber habe die Fluggesellschaft dafür A 340-Maschinen in Frankfurt stationiert, die leiser seien als die A 350.

Geduldig beantwortet der Minister die Fragen der Zuhörer, erläutert gesetzliche Zusammenhänge und den Spielraum, den die Politik derzeit hat. Er berichtet, dass große alte Frachtflieger, die sehr laut sind, allmählich gegen neuere Maschinen ausgetauscht werden sollen.

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Großen Protest erntet Al-Wazir, als er andeutet, vor allem in den Flugzeugen der Billiglinien säßen Menschen aus der Region. Innerdeutsche Kurzflüge zu verbieten, fordert ein Bürger. Dazu müsse es Alternativen geben, sagt der Minister, aber er reise auch von Dorf zu Dorf, um den Bau von ICE-Trassen zu erreichen. Kurz geht es am Ende der Veranstaltung noch um Digitalisierung oder Tempo 30. Dann verabschiedet Heiner Wilke-Zimmermann die Besucher. Tarek Al-Wazir wird sofort in weitere Gespräche verwickelt.

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