Historisch „begnadet versorgt“

Neue Broschüre informiert Hauseigentümer

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Auch im tristen Grau eines verschneiten Tages hat die Schlossstraße mit ihren vielen alten Fachwerkhäusern ihren Reiz. Das Gebäude links mit den blaugrünen Klappläden wurde vor einigen Jahren mit dem „Großen Fassadenpreis Rhein-Main“ der Malerinnung ausgezeichnet für die originalgetreue Renovierung.

Heusenstamm - Der „Alte Ort“, wie die Heusenstammer den historischen Stadtkern nennen, ist vor allem geprägt durch Fachwerkhäuser. Viele sind mehrere hundert Jahre alt. So wird etwa das Gasthaus Löwe gegenüber der Kirche schon 1682 erstmals wegen eines Verkaufs erwähnt.

Doch diese architektonischen Schätze zu erhalten, ist nicht so einfach. Die Stadt hat jetzt ein Infoblatt für Hauseigentümer herausgebracht. Der historische Ortskern Heusenstamms ist schützenswert. Und wenn auch nicht alle Häuser schon vor langer Zeit errichtet wurden, gilt es doch, das relativ geschlossene Ortsbild zu erhalten. Und: Die wenigsten Häuser stehen tatsächlich unter Denkmalschutz. Schon vor Jahren haben die Stadtverordneten daher eine sogenannte Gestaltungssatzung für den Ortskern beschlossen. Und 2015 kam dann eine Erhaltungssatzung dazu, deren Geltungsgebiet wesentlich größer ist als jenes der ersten Satzung.

„Begnadet versorgt“ sei die Schlossstadt was das Ortsbild und die Baukunst betreffe, hatte Ulf Begher im Herbst 2014 gesagt. Der Stadtplaner und Architekt hat das Aufstellen der Erhaltungssatzung und die Bürgerbeteiligung daran fachlich begleitet (wir berichteten).

Heusenstamms Baugeschichte lässt sich chronologisch skizzieren: Die heutige Altstadt zwischen Frankfurter Straße und Schloss ist zwar längst mehr als 800 Jahre alt, doch die heute erhaltenen Häuser wurden erst nach dem Dreißigjahrigen Krieg (1616-1648) errichtet, also von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an.

Erst nach 1830 beginnt Heusenstamm zu wachsen, zunächst entlang der heutigen Frankfurter Straße. Die Gründerzeit zwischen 1870 und 1910 wirkt sich auch auf die Schlossstadt aus. Südlich der Frankfurter dehnt sich der Ort bis zur Paulstraße aus.

Vor dem Ersten Weltkrieg und in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erschließen sich die Heusenstammer weitere Gebiete. Die Paulstraße und die Rathenaustraße entstehen. Außerdem werden westlich der Bahn rund um Erzbergerstraße, Schönbornstraße und Hohebergstraße die ersten Häuser errichtet. Weitere Ausdehnungen nach Westen, aber auch nach Osten und in den Süden folgen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Erhaltungssatzung sei ein rechtliches Instrument, das der Kommune ein größeres Mitspracherecht einräume als der übergeordnete Denkmalschutz, hatte Peter Jakoby damals den Erlass dieser Vorgaben begründet. Beide Satzungen sind in Heusenstamm verbindlich gültig und schaffen Planungssicherheit für Eigentümer und ihre (Bau-)Vorhaben, heißt es in einer Mitteilung zum Erscheinen der Infobroschüre. Dass die Renovierung eines alten Hauses nach den Vorgaben der Satzungen möglich ist, hat schon vor Jahren der Besitzer eines Hauses an der Schlossstraße bewiesen, der dafür sogar den „Großen Fassadenpreis Rhein-Main“ der Malerinnung erhalten hat. Bei der Gestaltung hatte man sich genau an das historische Vorbild gehalten und auch beim Material auf die Verträglichkeit mit der Bausubstanz geachtet.

Bilder: Nikolausmarkt in Heusenstamm

Um Hauseigentümern den Umbau oder die Renovierung alter Häuser nicht zu erschweren, bietet die Bauberatung schon Hilfe an, bevor eine solche Maßnahme geplant wird. Auch dazu gibt die Infobroschüre Auskunft, die vor allem anschaulich macht, für welche Gebiete die Satzungen gelten. Wer also über Bautätigkeiten nachdenkt, kann sich zu einem Vorgespräch bei der Bauberatung im Rathaus, Im Herrngarten 1, anmelden (Tel. 06104/607-1311). Zumal Geplantes ohnehin von der Stadt genehmigt werden muss. Die Broschüre „Unsere Baukultur“ gibt es kostenfrei im Rathaus und auf www. heusenstamm.de. (clb)

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