„Altgediente“ verlassen Rathaus

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Heinz Scherer und Ingrid Hofmann (vorne, von links) mit Bürgermeister Peter Jakoby, Kulturamtsleiter Markus Tremmel, dem künftigen Hauptamtsleiter Hendrik van Eck und Erstem Stadtrat Uwe Michael Hajdu.

Heusenstamm - Viel Herzblut steckt in ihren Projekten. Ingrid Hofmann hat die Aufgaben, die ihr in der Stadtverwaltung übertragen wurden, nicht „nur“ einfach angenommen und erledigt. Sie hat sich engagiert, hat sich damit identifiziert, ihr eigenes „Ding“ daraus gemacht. Von Claudia Bechthold

Ob Kultursommer, Sportlerehrung, Bahnhofsfest oder Kindertheater, es waren „ihre“ Veranstaltungen, für die sie sich verantwortlich fühlte. Nach 18 Jahren in der Kulturverwaltung der Stadt Heusenstamm wechselt Ingrid Hofmann nun in den Ruhestand.

Sie freut sich auf den neuen Abschnitt, sagt sie immer wieder. Darauf zum Beispiel, nicht mehr um 5 Uhr in der Frühe aufstehen zu müssen. Und auch der Stress werde ihr sicher nicht fehlen, meint sie. So ganz will man ihr das aber nicht glauben. Denn sobald das Gespräch etwa auf den Kultursommer kommt, gerät Ingrid Hofmann fast ins Schwärmen. Manche schlaflose Nacht haben sie die Veranstaltungen gekostet. Sie hat sie alle überstanden und wirklich schief gelaufen ist nur ganz selten mal etwas.

800-Jahr-Feier im vergangenen Jahr

Fragt man sie nach den Höhepunkten in den 18 Jahren Kulturverwaltung, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: die 800-Jahr-Feier im vergangenen Jahr. „Es war das schönste, größte und arbeitsreichste Fest, das wir bewältigen konnten“, betonte sie. Und es hat ihr ganz offensichtlich Spaß gemacht. Sie hat, den Eindruck vermittelt sie, mit der Stelle in Heusenstamms Verwaltung, ihre Profession gefunden.

Dabei verlief ihre Berufsleben „normal“. Nach der höheren Handelsschule in Worms arbeitet sie zunächst als Verwaltungsangestellte bei der Bundeswehr. Zudem heiratet sie mit 21 Jahren ihren Mann Helmut. Als dieser 1973 zur KWU nach Offenbach wechselt, bittet sie um Versetzung. So kommt sie zur Bundesmonopolverwaltung für Branntwein. Zweieinhalb Jahre später aber hört sie auf. Sie will sich ganz ihren beiden Töchtern widmen.

Anzeige der Stadt Heusenstamm gelesen

1994 ist die jüngere Tochter 16 Jahre alt. Ingrid Hofmann denkt daran, wieder eine Stelle zu suchen. Sie liest eine Anzeige der Stadt Heusenstamm, bewirbt sich und wird genommen. Am 15. November 1994 fängt sie im Sport- und Kulturamt an. „Es war eine wunderbare Zeit“, sagt sie im Rückblick. Vor allem, dass man immer wieder Künstler gefunden habe, die bei den Menschen angekommen sind. Obwohl sie sich immer wieder darüber aufgeregt hat, dass es Leute gibt, die auch wegen einer einzigen mal etwas lauteren Veranstaltung gleich die Polizei holen.

Jetzt will sie, gemeinsam mit ihrem Mann, häufiger die beiden Enkelinnen in Heidelberg besuchen. Aber auch andere Reisen, vor allem nach Menton an der Côte d’Azur, möchte sie machen. Seit den 70er Jahren reist die Familie dorthin. Silvia Leonhardt und Heike Gutjahr übernehmen mit halben Stellen gemeinsam die Arbeit von Ingrid Hofmann. Und diese hat sich schon Karten für den nächsten Kultursommer reservieren lassen.

Heinz Scherer: Ein Mann mit Prinzipien

Heinz Scherer ist ein Mann mit Prinzipien. Und ein Mann mit Sammelleidenschaft. Vor allem aber ist er ein Mann mit einem enormen Wissen über seine Heimatstadt. Und dies, obwohl er, wie er selbst sagt, es lange Zeit versäumt hat, die Erzählungen der Älteren zuzuordnen, festzuklopfen und etwas daraus zu machen. Bekannt ist der Magistratsoberrat in der Schlossstadt wegen seiner Fliegen. An die 30 besitzt er. Die werden gehegt und gepflegt. Und regelmäßig gewechselt.

Die Fliege am Hemdkragen ist quasi sein Markenzeichen geworden. Und noch einer Sammelleidenschaft geht er nach: schöne, fast schon altmodische Füllfederhalter. Und wann immer er etwas mit der Hand schreiben kann, dann tut er es auch. Wenn auch ihm der Computer nicht völlig fremd ist. „Auch zu Hause hab ich einen Computer, um meinen Forscherdrang bei Wikipedia stillen zu können.“

Ausbildung zum gehobenen Dienst

Beim Kreis Offenbach hat Heinz Scherer seine Ausbildung zum gehobenen Dienst gemacht. 1973 dann konnte ihn die Gemeinde Dudenhofen für ihr Hauptamt gewinnen. „Das war die zweitschönste Zeit“ sagt er heute, ideal, um den Umgang mit Menschen zu lernen. Bis 1989 war in heute zu Rodgau zählenden Gemeinden tätig, nach Dudenhofen folgten Weiskirchen und Jügesheim, in beiden Gemeinde im Ordnungsamt. Keinen Hehl macht Heinz Scherer daraus, dass er einst zur „roten Garde“ gehört hat.

Als er für die SPD-Fraktion 1986 eine Rede zur Amtseinführung des CDU-Bürgermeisters Josef Eckstein hielt. hat er sich vermutlich nicht träumen lassen, dass dieser ihn knapp drei Jahre später als neuen Ordnungsamtsleiter nach Heusenstamm holen würde. Von 1995 an war Heinz Scherer zusätzlich stellvertretender Hauptamtsleiter, seit 2000 dessen Leiter.

„Das war damals eine recht einsame Gegend“

Im Haus Hohebergstraße 26 kam er zur Welt. „Das war damals eine recht einsame Gegend“, sinniert er mit dem ihm eigenen Humor. „Aber für uns war es ein richtiger Abenteuerspielplatz“, fügt er hinzu. Und da fällt ihm noch so eine Leidenschaft ein, die er gerne pflegt: die deutsche Sprache. Die falsche Anwendung von Ausdrucksweisen etwa ist ihm verhasst, ebenso wie jene englischen Vokabeln, die sich in die Sprache mogeln. Deshalb besitzt er bis heute kein Handy, stattdessen hat er seinen „Taschenfernsprecher“ einstecken.

Was er sich für den Ruhestand vorgenommen hat? Nichts Besonderes, sagt er. Leben mit höherer Qualität und mehr Nachhaltigkeit. Das schöne Wetter, das man mit dem Blick aus dem Fenster entdeckt, auch nutzen können, zum Beispiel. Sich im Garten intensiver mit dem zu befassen, was da entsteht. Und „im Haus einiges anrichten mit meinen begnadeten zehn linken Daumen“. Einfach die Dinge, die man schon vorher getan hat, bewusster tun, mit mehr Muße. Und Ausflüge mit seiner Frau Sabine will er machen. Nachfolger von Heinz Scherer wird Hendrik von Eck.

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