Angehörige des Jahrgangs 1936/37 können bald 80. Geburtstage feiern

70 Kinder in einer Klasse

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Erna Göbel, Anni Fischer, Maria Hofferberth, Herta Mauch, Helga Nitschke, Günter Heberer, Richard Kräuter, Karl-Heinz Rauck, Senni Soldner, Hans Zang, Inge Stowasser, Magdalena Herdt und Margret Leidemer sind gemeinsam eingeschult worden.

Heusenstamm - Klassentreffen, Jahrgangstreffen – in vielen Lokalen sind solche regelmäßigen Zusammenkünfte zu beobachten – auch in Heusenstamm. Die Angehörigen des Jahrgangs 1936/37 haben derzeit ein ganz besonderes Jahr vor sich. Denn sie alle werden bald das 80. Lebensjahr vollenden. Von Claudia Bechthold 

Zum Frühstück im Alten Bahnhof treffen sie sich alle vier Wochen, die Angehörigen des Jahrgangs 1936/37. Wer kommt, ist da, wer verhindert ist, muss sich nicht entschuldigen. „Heute sind sehr wenig Leute da“, meint Inge Stowasser mit einem Bedauern. 70 Kinder waren sie, als sie mitten im Zweiten Weltkrieg 1943 eingeschult wurden. Eine wirklich schöne Schulzeit hatten sie nicht, sind sich die ehemaligen Klassenkameraden einig. „Regelmäßig Bombenalarm und nichts zu essen“, fasst es Günter Heberer zusammen. Einmal, das war 1944, waren sei nach der Schule im Kinderhort, der im „alten Schloss“, dem heutigen Hinteren Schlösschen, eingerichtet war. Dort gab es ein Essen für die Kinder, dann wurden die Hausaufgaben gemacht. Da gab es einen Bombenalarm. Ein Teppich aus 400 Bomben haben die Alliierten damals auch über Heusenstamm abgeworfen. „Wir haben den Alarm im Gewölbekeller im Schlösschen abgewartet“, sagt Günter Heberer. Als sie wieder aus dem Keller konnten, erfuhren sie, dass am Schloss ein Heusenstammer ums Leben gekommen war.

„Das war mein Großvater“, fügt Inge Stowasser an. Johann Adam Stein war Maurer und hat den ersten Bunker im Ort an der Frankfurter Straße gebaut. Überhaupt hat die Familie von Inge Stowasser viel mit dem Jahrgang 1936/37 zu tun. Denn ihr Vater Peter Stein war Lehrer. Als er nach dem Krieg die Klasse erlebt und gesehen hat, wie viel Lehrstoff den Kindern fehlte, hat er sich ihrer angenommen und ist ihr Klassenlehrer geworden. Schwierigkeiten hatte die Tochter deshalb nicht. „Er hat alle gleich behandelt.“ 32 Mädchen und 32 Buben waren sei bei der Einschulung. Später kamen die Evakuierten und die Flüchtlingskinder dazu. Aber auch mit 70 Kindern habe ihr Vater nie ein Problem gehabt, versichert Inge Stowasser: „Er kam in die Klasse und es war Ruhe.“

„Wir sind alle Heusenstammer, fast alle zu Hause auf die Welt gekommen“, versichert Magdalena Herdt. So war das früher üblich. Und den Weg zur Schule mussten alle zu Fuß bewältigen, „bei Wind und Wetter“, wie Günter Heberer betont. Sogar aus Patershausen. Als sie 1952 fertig waren mit der Schule sind sie alle „untergekommen“. Die Mädchen sind meist zu den Feintäschnern gegangen, die es zu dieser Zeit noch in größerer Zahl in der Schlossstadt gab. Und die Buben haben alle eine Lehrstelle gefunden, viele in den großen Industriebetrieben in Offenbach.

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Und: „Fast alle aus dem Jahrgang sind in Heusenstamm oder der näheren Umgebung geblieben. Nur zwei ihrer Mitschüler hat es ins Ausland verschlagen, beide nach USA. Die Inge lebe ín New Jersey, die Lucie in Tennessee. Ob die beiden zum Jubiläum nach Heusenstamm kommen, ist noch offen. Ein Klassentreffen haben sie erstmals 20 Jahre nach dem Abgehen von der Schule veranstaltet. Daran hat auch der ehemalige Klassenlehrer noch teilgenommen. Danach unternahmen sie immer mal gemeinsame Ausflüge. An den bisher letzten erinnern sie sich besonders gut: „Das war zum 75., da sind wir ins Taubertal gefahren und habe eine schöne Kutschfahrt gemacht“, erläutert Günter Heberer.

Seit dem vergangenen Jahr treffen sie sich zum monatlichen Frühstück im Alten Bahnhof. Das werde gut angenommen, sagt Inge Stowasser, die gemeinsam anderen die Organisation der Treffen übernommen hat. Und sie haben immer etwas zum Erzählen. „Früher haben wir uns über die Kinder unterhalten, dann über die Rente und jetzt reden wir über die Krankheiten“, sagt Magdalena Herdt und lacht. Nein, Krankheiten seien kein Dauerthema, widerspricht Inge Stowasser. Viel lieber lachen die ehemaligen Schulkameraden.

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