Angeklagter will selbst in die Therapie

34 Jahre alter Heusenstammer geht wegen Drogenbesitzes 30 Monate in Haft

Mit 30 Monaten Gefängnis wegen Amphetamin-Besitzes endet der Prozess gegen einen Heusenstammer vor dem Schöffengericht in Offenbach.
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Mit 30 Monaten Gefängnis wegen Amphetamin-Besitzes endet der Prozess gegen einen Heusenstammer vor dem Schöffengericht in Offenbach.

Mit 30 Monaten Gefängnis wegen Amphetamin-Besitzes endet der Prozess gegen einen Heusenstammer vor dem Schöffengericht in Offenbach. Der Mann mit langer Drogenkarriere muss sich zudem einer Therapie unterziehen.

Heusenstamm – Der 34-Jährige sitzt in U-Haft, seit er den im Nachbarhaus wohnenden Stiefvater nach wiederholten Streitigkeiten angegriffen hatte: „In meinem damaligen Zustand verhielt ich mich oft laut.“ Regelmäßig kam die Polizei.

Drogengeld des Angeklagten stammt aus Erlös von Goldschmuck

Die Beamten erwischten den Angeklagten insgesamt viermal mit Amphetamin, einmal mit 111 Gramm, ein andermal besaß er 172 Gramm. Diese lagen in Tütchen portioniert in einer Plastikbox im Kühlschrank. Staatsanwalt Alexander Betz: „Die Hälfte war für Eigenkonsum, der Rest für den Handel bestimmt.“ Darauf ließen die Tütchen schließen.

Verteidigerin Ariane Iversen betont, Besitz träfe zu, Handel nicht. Ihr Mandant habe höchstens Kumpeln einen ausgegeben. Der Angeklagte ergänzt, er habe einen Rabatt genutzt. Für 1000 Euro habe er ein halbes Kilo kaufen können, „auf der Straße kostet ein Gramm zehn Euro“. Richter Manfred Beck interessiert, wie er die Ausgabe von Hartz IV habe stemmen können. Das Geld stamme aus dem Erlös des Goldschmucks, den die Großmutter ihm geschenkt hätte, sagt der 34-Jährige.

Mit 13 habe er das erste Mal Kokain genommen, Amphetamin, Meskalin und Cannabis konsumiert. Trotzdem schloss der Mann einen Lehre ab. Nach einer Therapie habe er einmal vier Jahre die Finger von Drogen gelassen. Das Amphetamin habe er in Tütchen gepackt, „um den Überblick zu behalten“.

Ein Polizist berichtet, wie er den Angeklagten nach einem Anruf des Stiefvaters antraf, „stimmungsschwankend zwischen ruhig und aggressiv, typisch für Amphetamin-Konsum“. Der Mann habe die Beamten auf Nachfrage selbst zum Kühlschrank geführt.

Angeklagter muss 18 Monate in Therapie

Der psychiatrische Gutachter Dr. Peter Haag benennt nicht nur die Amphetamin-, sondern auch die Alkoholsucht des Heusenstammers. Haag diagnostiziert eine „drogeninduzierte Psychose“, aber inzwischen sei der Angeklagte symptomfrei. Die Erfolgsaussichten einer langfristigen Therapie wertet der Gutachter als günstig.

Staatsanwalt Alexander Betz spricht „von einem der selten Fälle, in denen Lebenshilfe und Resozialisierung im Vordergrund stehen“. Betz fordert für den Vorbestraften zweieinhalb Jahre Gefängnis samt Unterbringung in einer geschlossenen Therapieanstalt. Drogenhandel habe sich nicht nachweisen lassen. Ariane Iversen ist einverstanden, „ich erlebe selten Mandanten, die von sich aus in eine Geschlossene wollen“.

Richter Beck und die Schöffen folgen den Anträgen, samt der Unterbringung von 18 Monaten in einer Therapie, „ihre Konsumentengeschichte wirkt glaubwürdig“. (Stefan Mangold)

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