Annäherung beim Pogaça-Backen

Interkulturelle Woche während der Ferienspiele bei den Schlossgespenstern

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Aysenur zeigt Laura und Magdalena, wie man helle und dunkle Sesamkörner auf den backfertigen Pogaça verteilt. Die türkischen Teigtaschen mit Schafskäse oder Kartoffeln wurden anschließend gemeinsam verspeist. 

Stolz präsentiert Johanna ihre Bonuskarte. Drei Stempel hat sie schon, den vierten holt sie sich später noch beim Schnippeln für den Nudelsalat. Lara hat sogar schon vier Stempel auf der Karte. 

Heusenstamm – Die beiden Neunjährigen nehmen derzeit mit 31 weiteren Kindern an den Ferienspielen der Schlossgespenster teil. So heißt die Schulkindbetreuung der Adalbert-Stifter-Schule. Die Ferientage sind diesmal eingebettet in die Interkulturellen Wochen.

Akribisch verteilen Magdalena und Laura schwarze und helle Sesamkörner auf den noch rohen Teigtaschen auf einem Blech. Gerade hatten sie die Pogaça, auf Deutsch Pogatschen, mit Eigelb bestrichen. Nun fehlt noch die Dekoration, dann geht es in den Ofen mit dem späteren Mittagessen. Gefüllt sind die Taschen übrigens mit Schafskäse oder Kartoffeln.

Dass es dazu einen Nudelsalat geben wird, ist den unterschiedlichen Geschmäckern der Kinder zu verdanken. Denn nicht jeder mag zum Beispiel Schafskäse, erläutert Betreuerin Ilona Weil. Und um auch beim Nudelsalat alles richtig zu machen, gibt es die Nudeln mit Sauce, die einzelnen Zutaten wie Paprika, Gurke und Ähnliches können sich die Kinder selbst nach Wunsch untermischen.

Doch noch dauert es eine Weile bis zum Mittagessen. In der Zwischenzeit haben die Damen von der Fraueninitiative Lotus, die an diesem Tag bei den Schlossgespenstern zu Gast sind, begonnen, Spiele aus ihrer Heimat zu spielen.

Da sind zum Beispiel fünf Steine, die verstreut auf dem Boden liegen. Es gilt nun, einen davon hochzuwerfen und vor dem Auffangen, weitere Steine vom Boden aufzunehmen. Fällt einer herunter, hat man verloren. Oder auf dem Boden werden hintereinander große Ringe aufgemalt, sodass eine etwas längere Strecke entsteht. Von beiden Seiten laufen Kinder innerhalb der Kreise aufeinander zu. Wenn sie sich treffen, wird einmal Schere, Stein, Papier gespielt. Der Unterlegene muss zurück an den Start, der Sieger läuft weiter, bis ihm der nächste Starter entgegenkommt. Dann heißt es wieder Schere, Stein, Papier. Die Kinder sind überrascht, dass man dieses Spiel auch in der Türkei kennt.

Ähnlich geht es den Betreuerinnen, als drei türkischstämmige Frauen einen langen Wollfaden zu einem Ring zusammenbinden und diesen mit den Händen aufnehmen. Das Fadenspiel kennen sie noch aus ihrer Kindheit. Dass man es auch in der Türkei spielt, war ihnen nicht bewusst.

Es war die Initiative der Frauenbeauftragten der Stadt, Petra Beißel, die Ferienspiele an der Stifter-Schule rund um das Thema „Nationalitäten und Kulturen – Du und Ich“ zu gestalten. Sie war es auch, die den Besuch der Fraueninitiative Lotus organisiert hat. Aysenur lebt seit zweieinhalb Jahren in Heusenstamm. Derzeit arbeitet sie als Teilhabeassistentin, um besser Deutsch zu lernen. In ihrer türkischen Heimat war sie sieben Jahre lang als Lehrerin beschäftigt. Entsprechend Spaß hat sie am Umgang und Spiel mit den Kindern.

Vier Länder haben die Betreuer für ihre verschiedenen Aktionen ausgewählt: die Türkei, die Vereinigten Staaten von Amerika, ein bisschen Russland und Polynesien, genauer Neuseeland. Henna-Tattoos, Ebro-Malerei, einen Kriegstanz der Maori und vieles andere zählten zu den Aktivitäten der vergangenen Tage. „Und immer erzählen wir auch ein bisschen Geschichte des jeweiligen Landes“, betont Ilona Weil.

„Alle Mann an Bord“ heißt ein Spiel, das Betreuer Christopher Vogel den Kindern gezeigt hat. „Das kommt aus Amerika“, weiß der neun Jahre alte Leon. Und der Christopher habe es ausgewählt, weil er schon mal in Amerika gewesen sei, klärt er weiter auf. Nach Amerika möchte er auch mal reisen, sagt Leon, denn Verwandte von ihm leben dort. Aber auch sonst findet er es gut, etwas über Spiele aus anderen Ländern zu lernen: „Man muss ja auch wissen, was andere Kinder machen, damit man sie versteht.“

Leon hat schon einen fünften Stempel auf seiner Bonuskarte, obwohl er eigentlich nur vier gebraucht hatte. Für einen Stempel könne man am Freitag ins Kino gehen, verkündet er. Und wer vier Stempel hat, erhält auch noch Popcorn und ein Getränk. Warum er dann fünf Stempel hat, wenn er doch höchstens vier benötigt? „Ich möchte einfach so viele wie möglich sammeln.“

Das „Kino“ ist übrigens einer der Räume in der Schulkindbetreuung. Dort sehen die Ferienspiel-Teilnehmer heute „Rocca verändert die Welt“ von Katja Benrath, eine moderne Pippi-Langstrumpf-Geschichte. Und dazu gibt es natürlich auch reichlich Popcorn – für alle selbstverständlich.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

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