Areal des Seniorenzentrums der Awo

Protest aus der Heuss-Straße

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Das Grundstück mit dem Seniorenzentrum Horst-Schmidt-Haus aus der Vogelperspektive, im Sommer 2017 von Axel Häsler fotografiert. Links sind die Häuser an der Theodor-Heuss-Straße zu erkennen, deren Bewohner gegen die Bebauungsplanung protestieren.

Heusenstamm - Das Seniorenzentrum Horst-Schmidt-Haus an der Herderstraße soll erweitert werden. Dazu muss der Bebauungsplan für das Areal geändert werden (wir berichteten). Von Claudia Bechthold 

In der Sitzung des Stadtparlaments am Mittwochabend gab es dazu heftige Debatten – allerdings nicht mit Stadtverordneten, sondern mit Anwohnern der Theodor-Heuss-Straße.
30 Minuten dauert die sogenannte Bürgerfragestunde vor Eintritt in die Tagesordnung einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Am Mittwochabend wurde diese Zeit zum ersten Mal komplett genutzt. Anwohner der Theodor-Heuss-Straße waren in den großen Sitzungssaal des Schlossrathauses gekommen, um Fragen zu dem vorgelegten Bebauungsplan zu stellen.

Seit 2007 wird das Seniorenzentrum an der Herderstraße erneuert und erweitert. Begonnen hatte der „Umbau“ des Geländes mit einem Anbau an das Hauptgebäude mit Pflegestationen und der Sanierung des Bestands. Danach begann die Planung für weitere Häuser – darunter ein Neubau mit Eigentumswohnungen für Senioren.

Das ehemalige Schwesternwohnheim auf dem Grundstück wird zudem saniert und zu elf weiteren Wohnungen umgebaut, sechs davon barrierefrei. Bereits im Bau ist im westlichen Teil des Areals ein Komplex mit einer Tagespflege für zwölf Personen, 16 neuen Einzelzimmern und 30 Pflegewohnungen, in die Pflegebedürftige mit dem Partner einziehen können.

Schließlich soll die schon lange nicht mehr genutzte Sozialstation in eine Kindertagesstätte für vier Gruppen umgebaut werden. Im Obergeschoss könnten Wohnungen oder Praxen entstehen.

Stein des Anstoßes für die Nachbarn vor allem im Süden des Areals entlang der Theodor-Heuss-Straße sind jene seniorengerechten Eigentumswohnungen mit Anschluss zum Pflegeheim. Zunächst geplant waren etwa 30 solcher Appartements, übrig geblieben sind nach den Änderungen wegen der Proteste der Nachbarn nur noch elf. Und auch der Abstand zu den angrenzenden Grundstücken wurde vergrößert, statt fünf sind es nun 15 Meter.

Wenn auf dem Grundstück, wie geplant, eine Kindertagesstätte mit vier Gruppen eingerichtet werde, fragte Anwohnerin Monika Reble als erste in der Bürgerfragestunde, sei dann auch eingerechnet, dass Eltern ihren Nachwuchs bringen und holen? „Wir orientieren uns an der Stellplatzsatzung, da muss dies nicht berücksichtigt werden“, antwortete Bürgermeister Halil Öztas. Die Zufahrt von der Theodor-Heuss-Straße zur Hohebergstraße sei schon jetzt sehr gefährlich, entgegnete Monika Reble, das werde mit vielen Autos nicht besser. Der Verwaltungschef versprach, die Situation dann ordnungs- und verkehrsrechtlich regelmäßig überprüfen zu lassen.

Um das auf dem Areal stehende Hochhaus, das inzwischen verkauft sei und keine Anbindung mehr habe an das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo), ging es Wolfgang Reble. Die 53 Wohnungen würden auf dem freien Markt vermietet, daher müssten mittlerweile 85 Stellplätze nachgewiesen werden. 25 Parkplätze gebe es an der ehemaligen Sozialstation, die anderen Autos stellten die Mieter am Straßenrand ab, „was die Situation dort sehr unübersichtlich werden lässt“. Zudem, so Wolfgang Reble weiter, werde jenes Hochhaus, das 26 Meter hoch sei, im neuen Bebauungsplan mit nur noch 14 Meter Höhe ausgewiesen.

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Dieses Gebäude genieße Bestandsschutz, erläuterte Öztas. Die Höhe von 14 Metern dürfe nicht überschritten werden, falls das Haus abgerissen und dort neu gebaut werde. Der Stellplatznachweis für dieses Gebäude sei nicht verändert, da gelte ebenfalls Bestandsschutz.

Elmar Hügel, ebenfalls aus der Theodor-Heuss-Straße, fragte nach Lärmschutzmaßnahmen für sein Grundstück: „Nur wenigen Meter von unserem Haus soll der Kindergarten entstehen. Da ist ungeheurer Lärm zu erwarten. Ich hätte nie erwartet, dass ich an meinem Lebensabend noch einmal so einer Situation ausgesetzt würde. Es muss doch möglich sein, diese Räume an Vereine zu vermieten, die sich um soziale Dinge kümmern.“ Eine Kita sei dort zulässig und dafür sei Allgemeinbedarf vorhanden, meinte Öztas dazu.

Am Ende stimmten 29 von 33 anwesenden Stadtverordneten der Offenlegung des Bebauungsplans für dieses Areal zu, ein AfD-Stadtverordneter sagte „Nein“. Allerdings haben Sandra Horn von den Freien Wählern (FWH), die AfD-Vertreter Carsten Härle und Dagmar Korb sowie die ehrenamtliche Stadträtin Bärbel Horn (FWH) den Saal vor Beginn der Beratung und Abstimmung verlassen. Sie alle verfügen über Grundbesitz an der Theodor-Heuss-Straße und gelten damit als befangen. Härle wollte dies zunächst nicht akzeptieren, verzichtete aber nach einer Sitzung des Ältestenrates auf seinen Protest.

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