Wildschweine als Aufreger

Straftaten sind um acht Prozent gesunken

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Die Häufigkeitszahl (HZ) ist die Anzahl der registrierten Fälle, errechnet auf 100.000 Einwohner.

Heusenstamm - Ein Rückgang von rund acht Prozent der Straftaten lässt sich für die Schlossstadt aus der Kriminalstatistik entnehmen. Die Aufklärungsquote steht beinahe unverändert bei 57,5 Prozent. Von Patrick Eickhoff 

Gleich zweimal hat die Schlossstadt 2017 auch bei der Polizei für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt. Im März vergangenen Jahres irren Wildschweine durch Heusenstammer Straßen, verletzen eine Radfahrerin und zerstören mehrere Zäune (wir berichteten). Harry Keckeis, Leiter der Polizeistation Heusenstamm, erinnert sich: „Da haben die Telefone nur so geglüht mit Meldungen, wo sich die Tiere momentan befinden.“ Der zweite große Fall war der Mord eines 55-Jährigen an seiner Ehefrau im April, für diesen er im Januar dieses Jahres zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. In der Statistik wird das als „Straftat gegen das Leben“ geführt. Keckeis: „Das ist natürlich Gott sei Dank die absolute Ausnahme.“

Über den Rückgang um 8,3 Prozent auf 775 erfasste Straftaten freut sich der Leiter der Polizeistation: „Ich bin mit der Arbeit der Kollegen hier sehr zufrieden.“ Denn die Polizisten arbeiten, wenn sie nicht gerade unterwegs sind, immer noch auf einer Baustelle, weil die Dienststelle derzeit umgebaut wird. „Das hat hoffentlich diesen Sommer dann ein Ende“, hofft Keckeis. Durch die Lautstärke sei die Kommunikation nicht immer optimal.

Harry Keckeis, Leiter der Polizeistation Heusenstamm.

Auffällig in der Statistik sind die Diebstahlzahlen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr acht Kraftfahrzeuge und zwölf Mopeds geklaut. Das entspricht bei den Zweirädern einer Zunahme um 500 Prozent (2016: 2 Fälle). „Wir hatten es in diesem Jahr mit einer jugendlichen Bande zu tun, die im Rodgau, Obertshausen, Dietzenbach und Heusenstamm zu Werke war“, erklärt Keckeis die Problematik. Dass die Fälle kaum aufgeklärt werden konnten, hat laut dem Leiter der Polizeistation am Frankfurter Weg einen ganz einfachen Grund. „In solchen Fällen ist die Spurensuche nicht so leicht, und es ist schwierig, etwas nachzuweisen – die Jugendlichen wissen auch, welche Delikte man ihnen anhängen kann.“ Für 2018 ist er optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass das in diesem Jahr wieder zurückgeht.“

Die Anzahl der Einbrüche ist von 33 auf 12 gesunken. Die Aufklärungsquote liegt bei 41,7 Prozent. Keckeis erklärt, dass eine Statistik interessant sei, die nicht im Bericht auftauche. Insgesamt gab es 21 Fälle, die als gescheiterte Einbrüche zählen. „Das heißt, die Täter wurden entweder erwischt oder in die Flucht geschlagen.“ Die Präventionsarbeit der Polizei zahle sich aus. „Es gibt immer mehr Bürger, die sich informieren, wie sie ihr Haus sichern, und auch unser Präventionsmobil war gefragt.“

Den wohl größten Anstieg verzeichnen die Rauschgiftdelikte. Von 78 Fällen (2016: 29 Fälle) wurden 73 aufgeklärt. „Das Konsumverhalten der jüngeren Generation ändert sich – für manche gehört der Cannabis-Konsum irgendwie dazu.“ Die steigende Präsenz der Polizei würde dementsprechend zu mehr registrierten Delikten führen. „Wir fahren mehr Streife und sind an öffentlichen Plätzen, wie beispielsweise am Schloss unterwegs“, erläutert Keckeis. „Da ist dann fast jede Personenkontrolle ein Treffer, denn die Kollegen riechen und erkennen die Merkmale des Konsums.“

Polizeibeamte müssen belastbar sein

Statistik: polizei.hessen.de/File/pks-2017-ppsoh-gruene-broschuere.pdf

Die Kriminalstatistik weist auch drei Fälle der Brandstiftung auf. „Zwei davon konnten wir aufklären, wobei das eine nicht zwingend das ist, was die Leute unter Brandstiftung sehen würden.“ Zwei Feuer waren es im Wald und in einem Naturschutzgebiet, im dritten Fall hatte eine Person eine Kerze brennen lassen. „Das fällt unter fahrlässige Brandstiftung.“ Trotz positiver Zahlen ist Keckeis nicht vollends zufrieden, denn auch seine Kollegen sehen sich mit Gewalt konfrontiert. „In den letzten Monaten wurden zweimal Kollegen angespuckt – das geht natürlich gar nicht.“ Deshalb kommen in solchen Fällen Spuckhauben zum Einsatz. „Wenn man angerotzt wird, ist das nicht nur ekelhaft und respektlos, sondern es können auch Krankheiten übertragen werden.“

Was den Leiter der Polizeistation zusätzlich stört, verrät er anschließend. „Die Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum wie Schmierereien und Graffiti am Bannturm.“ Es sei besonders wichtig, dass Zeugen, dies unmittelbar bei der Polizei melden. „Es ist unfassbar schwierig, die Täter zu fassen.“ Die Anzahl der Fahrraddiebstähle ist zwar von 95 auf 83 gesunken, sei aber „immer noch zu hoch“. Doch Keckeis gibt einen Tipp. „Am besten sind zwei verschiedene Schlösser zu benutzen, um spezialisierte Diebe ein bisschen abzuschrecken“, sagt er. „Und für die Polizei ist es wichtig, wenn das Fahrrad codiert ist, beziehungsweise die Rahmennummer vorliegt.“

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