Barocker Schlosspark ist in drei Ebenen gegliedert

Parterre zum Gesehenwerden

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Dr. Roland Krebs (Zweiter von rechts) erläutert dem Publikum anhand alter Pläne, wie der Schlosspark einmal ausgesehen hat.

Heusenstamm - Unter Hochzeitsfotografen gilt er als einer der schönsten in der Region: der Schlosspark in Heusenstamm. Hinter der gepflegten Anlage vor dem Schönborn’schen Schloss steckt eine lange und spannende Geschichte. Von Jürgen Roß 

Es ist eine große Gruppe von mehr als 20 Teilnehmern, die sich am Löwentor eingefunden hat, um mehr über den Schlosspark in Heusenstamm zu erfahren. Doch bevor Dr. Roland Krebs vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) in die Historie einsteigt, hat er noch eine Anmerkung, die ihm am Herzen liegt: „Bei unserem letzten Gespräch hat mir mein früherer Stellvertreter Volker Schneider das Versprechen abgenommen, dass ich die Parkführungen fortführen werde“. Dieser Bitte ist der Vorsitzende des HGV gerne nachgekommen und freut sich über das rege Interesse der Besucher. Krebs erläutert zunächst die Entstehungsgeschichte. Historisch lässt sich die Entwicklung des Parks in drei Epochen fassen, die durch die jeweiligen Eigentümer gekennzeichnet sind: Von der Gründung Heusenstamms bis 1651 waren es die Herren von Heusenstamm, gefolgt von den Grafen von Schönborn, die bis 1801 den Ort prägten und schließlich die bürgerliche Gemeinde. Der Baubeginn des Schlosses 1663 ist zugleich die prägendste Zeit für den Schlosspark.

Graf Philipp Erwein von Schönborn hatte sich mit dem Neubau finanziell übernommen, die Pläne konnten nicht vollständig umgesetzt werden. Er selbst hat die Fertigstellung des Schlosses 1668 nicht mehr erlebt. Erst sein Enkel Anselm-Franz mit seiner frisch angetrauten Frau Maria-Theresia bezogen 1717 das Gebäude.

„Die meisten Barockgärten folgen einer strengen Gliederung“, beschreibt Krebs die Planung für den Park: Die Parterre-Anlagen sind ein weitläufiges Areal des Sehens und Gesehenwerdens, die Boskett-Zone mit Heckenwänden und Spaliergängen sowie den Grand Parc als Übergang in die freie Natur.

Diesem Ideal folgten auch die Planer in Heusenstamm: Unmittelbar vor dem Schloss findet sich eine Parterre-Anlage, die in ihrer ursprünglichen Form noch zwei seitliche Gewächshäuser hatte. Entlang der Mittelachse, die bis zur heutigen „Alten Linde“ führt, folgten insgesamt fünf Teiche und verschiedene Zier- und Nutzgärten.

Anhand alter Pläne und Beschreibungen sowie Bildern von vergleichbaren Anlagen verdeutlicht Krebs die Vorstellungen der Schönborns. Immer wieder kommt von den Besuchern der Einwurf, dass eine weitergehende Rekonstruktion der einstigen Anlage doch schön wäre. Immer wieder bedauert wird auch der Verlust der Trauerweide am nördlichen Parterre durch einen Sturm. Die Frage, warum der malerische Baum durch eine Buche ersetzt wurde, kann an diesem Nachmittag nicht geklärt werden.

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Der Rundgang durch den Schlossgarten eröffnet den Besuchern neue Perspektiven und Erkenntnisse und fördert die Phantasie der Teilnehmer und des Referenten. An der alten Mühle, die zur Kindertagesstätte umgebaut wird, kommt Krebs ins Schwärmen: „Mein Traum ist, dieses wunderbare Ensemble als Heimatmuseum zu nutzen.“ Ausführlich beschreibt er aus seinen Erinnerungen die Mühle von innen, wie sie vor einer misslungenen Generalsanierung in den 1960er Jahren aussah.

Auch wenn die Rekonstruktion des einstigen Gartens nur zu Teilen realisiert werden konnte, erinnert Krebs auch daran, dass sehr viel Engagement in Schlossgarten und Allee gesteckt wurden: „Die beiden Schlossweiher waren komplett versandet und wurden erst in den 1960er Jahren wieder freigelegt.“ Auch die Erhaltung von alten Mauern, der liebevollen Bepflanzung des Schlossgartens oder der sichtbare Abschluss des Parks an der Kreuzung „Alte Linde“ konnte nicht zuletzt durch finanzielle Unterstützung des Regionalparks Rhein Main realisiert werden.

Brücken, Wege, Wasserläufe. Auf viele Details weist Krebs die Besucher hin und selbst alteingesessene Heusenstammer erfahren noch Neues. Hochzeitsfotografen waren an diesem Nachmittag nicht anzutreffen. Dafür herrschte allerdings ein reger Autoverkehr von Besuchern der Schlossschenke durch den Schlossgarten.

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