Bauhof Heusenstamm

Per Flaschenzug ins Lager

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So sieht es auf dem Bauhof aus, wenn Bürger zwei Stunden lang Wertstoffe und größeren Restmüll abladen konnten.

Heusenstamm - Auf fünf Standorte ist der Bauhof der Stadt verteilt. Und dennoch fehlt den 28 Mitarbeitern Platz. Auf dem neuesten Stand sind die genutzten Gebäude ebenfalls nicht. Von Claudia Bechthold

Normen und Vorschriften einzuhalten werde immer schwieriger, sagt Michael Brand, kommissarischer Leiter des größten Fachdienstes in der Stadtverwaltung. Den Stadtverordneten hat Bürgermeister Peter Jakoby am Samstag während der Jahresbegehung daher einen Lösungsvorschlag präsentiert.

Zwei Stunden lang können Heusenstammer Bürger samstags ihre Wertstoff-Abfälle zum Bauhof bringen. Von 9 bis 11 Uhr ist geöffnet, länger nicht. „Die verschiedenen Container werden freitags alle nochmal geleert“, versichert Michael Brand, der den Bauhof schon seit dem vergangenen Jahr leitet. Als die Stadtverordneten am vergangenen Samstag etwa kurz vor 11 Uhr auf dem Gelände an der Rembrücker Straße neben der Feuerwehr eintreffen, rangieren dort nicht nur etliche Bürger mit ihren Autos zwischen den Containern. Vor allem stapeln sich in den stählernen Behältern Unmengen von Altholz, Bauschutt, Altmetall und unhandlichem Restmüll. Die Altpapier-Presse quillt derart über, dass die Kunden davor schon einen Karton-Berg errichtet haben. Und auch die Menge direkt angelieferter Gelber Säcke ist zu groß, um diese im dafür vorgesehenen Behälter unter zubringen.

„Gratis-Sauna im Sommer“

„So ist das jeden Samstag“, versichert Michael Brand den ehrenamtlichen Kommunalpolitikern. Doch die „Abteilung“ Wertstoffhof im Bauhof ist nicht das einzige Problem, mit dem die Mitarbeiter zu kämpfen haben. „Im Sommer“, sagt Brand, „haben wir in den Büros Sauna gratis“. Die ehemalige Schilderwerkstatt im alten Feuerwehrhaus ist der einzige Ort, an dem nicht nur Material trocken und ebenerdig gelagert, sondern auch einmal etwas im Trockenen bearbeitet werden kann.

Die Malerwerkstatt hat keine aktive Belüftung. Lackierarbeiten können eigentlich nur bei gutem Wetter im Freien erledigt werden. Die Garagen wurden in den 60er und 70er Jahren gebaut. „Da waren auch Nutzfahrzeuge noch kleiner als heutzutage“, erläutert Michael Brand. Und steht der Laster für den Winterdienst zum Befüllen unter dem Silo, kann der Fahrer nicht mehr aussteigen. Auch Reparaturen können nur selten selbst erledigt werden, weil einfach der Platz fehlt.

Der Container für die so genannte weiße Ware ist an diesem Vormittag leer. Dafür stapeln sich davor zum Teil uralte Elektroherde, Waschmaschinen und Kühlschränke. „Früher mussten das die Anlieferer machen, aber es wurde dabei zu viel illegaler Müll mit abgestellt, so dass die Kollegen das lieber selbst machen.“

Werkstatt und Lager der Wasserversorgung mit weiteren vier Mitarbeitern befinden sich ebenfalls an der Rembrücker Straße. Weil es zu wenig Platz gibt, lagert Material zum Teil im ersten Stock. Das muss hochgetragen oder per Flaschenzug nach oben gezogen werden.

Wasserrohre platzen regelmäßig

„Tropfsteinhöhle“ nennen wohl manche der Kollegen den Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des alten Feuerwehrhauses. Mindestens einmal im Jahr, berichtet Brand, platze eines der Wasserrohre, dann komme mal wieder Wasser aus der Decke.

Vor allem Lagerplatz fehlt den Mitarbeitern. Schon jetzt werden die Dinklerhalle am Nieder-Röder-Weg, die Hammerhalle am Schloss, Räume an der Kläranlage und ein Platz vor dem Friedhof als Lager genutzt. Schreinerei und die Werkstatt für den Forst sowie die Elektrowerkstatt sind im Hofgut Patershausen sowie im Gebäude Eisenbahnstraße 11 untergebracht.

Mehrere Alternativen habe man geprüft, versicherte Jakoby. Etwa unter dem Tenor der interkommunalen Zusammenarbeit mit den Nachbarn in Dietzenbach, Obertshausen und Neu-Isenburg. Wirklich praktikabel und zudem Ausgaben verringernd sei keine dieser Lösungen. Ein bebautes Grundstück an der Borsigstraße eigne sich kaum, zumal auch dort abgerissen und neu errichtet werden müsste. Am Standort selbst alles neu zu bauen lohne ebenfalls nicht, da die Grundfläche zu klein sei.

Bleibt der Neubau auf einem freien Grundstück. Solches biete sich an, in städtischem Besitz, an der Martinseestraße im längst erschlossenen Zwerggewann. Den Grund an der Rembrücker könne man zur Finanzierung verkaufen, Investoren fänden sich sicher schnell, auch einen Laden könne man unterbringen. Auf zwei bis 2,5 Millionen Euro schätzt Jakoby die Finanzierungslücke. Das sei nun zu bedenken.

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