Besuch im Horst-Schmidt-Haus

Probleme, Fachkräfte zu finden

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Horst-Schmidt-Haus-Leiterin Roza Bering (Zweite von links) diskutiert mit SPD-Landesvorsitzendem Thorsten Schäfer-Gümbel über Probleme in der Pflege.

Heusenstamm - Fachkräftemangel, niedrige Bezahlung, zu geringe Akzeptanz in der Bevölkerung. Das waren unter anderem die Themen, mit denen der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel beim Besuch im Horst-Schmidt-Haus konfrontiert wurde. Von Burghard Wittekopf 

Thorsten Schäfer-Gümbel, Fraktions- und Landesvorsitzender der Hessen-SPD, hat auf seiner Wahlkampftour dem „Horst-Schmidt-Haus“ einen Besuch abgestattet und sich über die aktuelle Situation in der Pflege informiert. Im Awo-Seniorenzentrum nahm das Mitglied des Landtages an einem Rundgang mit anschließender Diskussions- und Informationsrunde teil. Die Führung ging durch den Wohnbereich, in dem derzeit 131 Menschen mit körperlicher Einschränkung und Demenzerkrankung vollstationär betreut werden. Durchs Haus führte die Betriebsleiterin der Wohnanlage, Roza Bering. Sie wies zunächst auf die hohen Standards, die die Anlage setzen will, hin: „Wir schauen nicht auf den Profit, sondern darauf, dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen.“ So erläuterte sie, dass in im Haus viele Vollzeitkräfte und ehrenamtliche Helfer tätig sind. Tatkräftig unterstützt werde das Horst-Schmidt-Haus dabei von den Mitgliedern des Fördervereins Lebensbilder, die sich um Menschen mit Demenz kümmern. Überhaupt sei die Wohnanlage auf die Ansprüche der Bewohner ausgerichtet. Gerade der Bewegungsdrang dementer Patienten, der abends intensiver sei, habe Einfluss auf den Personalbedarf und den Einsatz, betonte Bering.

Gekocht wird in der hauseigenen Großküche: „Wer möchte, kann sein Frühstück ans Bett bekommen“, informierte Bering. Ob die Bewohner denn auch zusammen kochen, wollte Schäfer-Gümbel wissen. Das werde von den Menschen gerne mal gemacht, erwiderte die Leiterin, wobei sich das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten auf Beilagen wie Salat oder Obstsalat beschränke. Aber auch dort sei das Haus bestens ausgestattet. Zum Beispiel habe man Messer, mit denen sich die Bewohner nicht verletzen können. Beeindruckt zeigte sich Schäfer-Gümbel von der Größe der Zimmer. Diese seien mit 18 bis 25 Quadratmetern großzügig ausgelegt. „Da kenne ich andere Einrichtungen, besonders neue Wohnanlagen.“

Im Anschluss an den Rundgang begann eine Diskussionsrunde, in der sich Schäfer-Gümbel den Fragen und Wünschen der Awo-Mitarbeiter stellte. „Wir haben große Probleme, Fachkräfte zu gewinnen“, sagte Beate Bertsch-Tobisch, Fachbereichsleiterin Senioren der Awo Hessen-Süd. „Es nutzt uns nichts, wenn die Politik beschließt, dass 20.000 neue Fachkräfte eingestellt werden, denn die gibt es derzeit nicht auf dem Arbeitsmarkt.“ Obwohl die Awo tarifgebundene Löhne zahle, sei die Akzeptanz für den Pflegeberuf in der Bevölkerung ihrer Meinung nach zu gering. Sie wünsche sich deshalb mehr Unterstützung aus der Politik. „Ein Hindernis ist auch die Bezahlung“, warf Bering ein. „Eine Vollzeitkraft kann mit dem Gehalt schwer eine Familie alleine ernähren.“ Nach ihrer Meinung müssen die Pflegesätze angehoben werden.

„Ich kenne die Themen sehr gut“, meinte Schäfer-Gümbel. Das sei ein Kernproblem, dass die Akzeptanz in die Pflege zu investieren und den Pflegesatz anzuheben in der Politik derzeit gering ist. „Alles kostet Geld und das will derzeit keiner hören. Höhere Vergütung bedeutet eine Anpassung der Pflegesätze. Beitragssatzerhöhungen sind nicht populär.“

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Die weitere Diskussion drehte sich um die Pflege in anderen Ländern und Zuwanderung. Mit Blick auf Belgien bemerkte Bering, dass das dort doch gut funktioniere. Sie empfahl, dass man ins Nachbarland mal schauen sollte. „Das sei richtig, aber in Belgien ist die gesellschaftliche Akzeptanz der Pflege viel ausgeprägter als in Deutschland“, antwortete Schäfer-Gümbel. „Ich sehe in der Zuwanderung eine große Chance für die Alterspflege“, sagte Bertsch-Tobisch. Das Problem sei die Ausbildung, die sei nicht einfach. Für Awo-Pflegedienstleiterin Christiana Tannert liegt das Problem bei der Sprache: „Wir müssen die Mitarbeiter neben unserer täglichen Arbeit betreuen und da ist die Sprache immer mal ein Problem.“ Schäfer-Gümbel betonte: „Wir brauchen ein neues Ausbildungskonzept.“ Eventuell könne man die Ausbildung verlängern und natürlich entsprechend länger vergüten. An die Verbände gerichtet empfahl er, Vorschläge zu entwickeln.

Sowohl Bering als auch Bertsch-Tobisch waren mit dem Gespräch mit Schäfer-Gümbel zufrieden: „Er hat uns zugehört und unsere Probleme verstanden“, sagte Bering. „Ich fühle mich ernst genommen.“ Bertsch-Tobisch: „Wir konnten unsere Probleme gut vermitteln.“

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