Tag der offenen Tür

Betreuungsplätze weiterhin rar

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Infos rund ums Thema Betreuung: Gemeinsam mit dem Team der Erzieher haben sich in der Kita am Wiesnbornweg auch die Tagesmütter vorgestellt.

Heusenstamm – An diesem Tag tragen die Erzieherinnen Schildchen mit ihren Namen an Pullover oder Jackett, hocken an den kleinen Tischen, an denen sonst ihre Schützlinge basteln, malen oder essen. Von Michael Prochnow

In der kleinen Bücherei gleich hinter dem Eingang plaudern ein paar Frauen – Tagesmütter, die sich am „Tag der offenen Tür“ in den Heusenstammer Kitas gemeinsam mit dem Team der Tagesstätte im Wiesenbornweg präsentieren. Der Kindergarten arbeitet mit einem offenen Konzept, erläutert Leiterin Gerit Witzel. Die Mädchen und Jungen können sich im Haus frei bewegen, ganz nach ihrem eigenen Interesse zwischen den Angeboten in den Räumen wählen, mit Fingerfarben malen, an einem Spiel im Stuhlkreis teilnehmen, turnen oder aber in dem weitläufigen Garten mit Aussicht übers Grün der Bieberaue toben. Diese pädagogische Form setze sich in immer mehr Kindergärten durch, erklärt die Erzieherin, „die Kleinen haben heute andere Bedürfnisse als früher“.

Als die Leiterin vor zwölf Jahren begann, servierten ihre Kolleginnen rund 40 Mittagessen täglich, heute essen 90 der 100 angemeldeten jungen Heusenstammer in der Kita – und alle 24 in der Betreuung der Unter-Dreijährigen. Die Krabbelstube am Schloss ist von 7.30 bis 16 Uhr geöffnet, der Kindergarten von 7 bis 17 Uhr. Das sei sehr flexibel, meint die Leiterin, nicht alle Angebote können damit werben. 24 Fachkräfte und zwei Auszubildende arbeiten unter dem hohen, schrägen Dach. Gerit Witzel zeigt Verständnis für die Mütter und Väter: „Bei den Wohnungsmieten müssen ja beide Elternteile arbeiten.“

Allein, die eigenen Charakteristika der städtischen, kirchlichen, vereinseigenen und privaten Angebote zur Betreuung spielen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Viele Familien bevorzugen zwar einen wohnortnahen Kindergarten, sind aber froh, wenn sie überhaupt einen Platz finden. Am 27. Februar entscheiden die Verantwortlichen in sämtlichen Häusern, welche von den fürs Haus angemeldeten Sprösslingen angenommen werden. Für die städtischen Kitas gilt: „Das älteste Kind bekommt den ersten freien Platz“, erläutert Leiterin Witzel.

Das käme einer jungen Mutter in der evangelischen Kita Jona sehr entgegen. „Wir suchen schon seit drei Jahren“, klagt die Frau von nebenan, sie habe ihren dreijährigen Sohn vorübergehend in die Obhut einer Tagesmutter gegeben. Die meisten Eltern haben ihre Sprösslinge bei mehreren oder gar allen Häusern angemeldet, um einen Platz zu ergattern.

Mehr als 50 Namen stehen auf der Warteliste der Anlage an der Leibnizstraße. „Auch unter der Woche kommen immer wieder Eltern vorbei oder rufen an“, sagt Erzieherin Anna Bohlender. Das Mittagessen werde vorgekocht geliefert, beantwortet eine weitere Mitarbeiterin zwischen dem Kletterturm im Flur und den hölzernen Garderobeneinheiten an den Wänden die Frage einer dreiköpfigen Familie.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

„Wir sind sehr viel draußen, einmal in der Woche im Wald, einmal kommt unser Begleithund, einmal eine Kunstpädagogin, einmal gestaltet die Pfarrerin einen Vormittag mit einem christlichen Thema“, skizziert Anna Bohlender. Das Kinderhaus Jona bietet 80 Kindergarten- und ebenfalls 24 U3-Plätze. Zum Team zählen 20 Erzieherinnen sowie eine Jugendliche, die ein Freiwilliges Soziales Jahr, eine andere, die ein Praktikum absolviert. Dazu beschäftigt die Kirchengemeinde vier hauswirtschaftliche Kräfte. Zu wenig Betreuungsplätze, wie sich an diesem Samstag einmal wieder zeigt. „Die Stadt wird als familienfreundlich beworben, viele junge Leute sind in die Neubaugebiete gezogen, aber die Betreuungsplätze dazu fehlen eben“, sagt sie.

Die 14 in der Schlossstadt gemeldeten Tagesmütter werden über ein eigenes Büro im Rathaus vermittelt, über den Kreis Offenbach bezahlt. Jolanta Simon ist eine von ihnen, sie arbeitet allerdings „mobil“, das heißt, in der Wohnung ihrer Auftraggeber, wo sie Ansprechperson für einen Zwölf- und einen 14-Jährigen ist. Auch Katrin Heidenreich arbeitet nur mit Schülern. „Wir haben durch unsere Ausbildung beim Jugendamt eine Pflegeerlaubnis erlangt“, informiert sie und wirbt: „Wir sind auch zeitlich sehr flexibel, bleiben auch mal länger, wenn Mama oder Papa länger arbeiten muss oder im Stau steht.“

Viele Tagesmütter werden von Bekannten weiterempfohlen oder auf dem Spielplatz angesprochen, natürlich übernehmen sie bevorzugt Kinder, deren Geschwister sie schon unter ihren Fittichen hatten. Doch auch für dieses Betreuungsangebot stehen im Familienbüro der Stadt bei Petra Beißel mehr als 50 Kinder auf der Warteliste.

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