Bienenwiese mit Unterschlupf

Wildblumenbeet und Insektenhotel an Heusenstamms Bauhof angelegt / Weitere Flächen werden geprüft

Heimische Wildpflanzen haben Waldjugend, Bürgermeister Halil Öztas und Biologin Doris Lerch vor dem Bauhofgebäude ausgesät. Im Vordergrund steht das „Bienenhotel“.
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Heimische Wildpflanzen haben Waldjugend, Bürgermeister Halil Öztas und Biologin Doris Lerch vor dem Bauhofgebäude ausgesät. Im Vordergrund steht das „Bienenhotel“.

Die Idee hatte Bauhofleiter Michael Brand: Auf der Grünfläche vor dem Dienstgebäude des städtischen Bauhofs an der Straße Am Zwerggewann soll es bald bunt und vielfältig blühen. Eine nährstoffarme Heuwiese mit heimischen Wildpflanzen wurde jetzt dort angelegt, die auch Tieren ein neues Lebensumfeld bieten soll.

Heusenstamm – Bislang war dort kaum etwas Grünes zu sehen, mit Ausnahme eines Steppenbeets aus meist heimischen Wildstauden. Gemeinsam haben Michael Brand, Dietmar Tinat von der Deutschen Waldjugend Heusenstamm und die Rödermärker Biologin Doris Lerch nun für eine Veränderung gesorgt. „Wir wollten die Fläche, die sich direkt vor unserem Dienstgebäude befindet, aufwerten“, erläutert Michael Brand. Dabei sei man auf die Aktion der Deutschen Waldjugend unter Regie von Dietmar Tinat aufmerksam geworden, die sich seit längerer Zeit für das Entstehen möglichst vieler Blühwiesen engagiert (wir berichteten). Brand nahm Kontakt zu Tinat auf. „In Rekordzeit“ habe man das Vorhaben dann gemeinsam umgesetzt.

Vergangene Woche konnten Bürgermeister Halil Öztas und Doris Lerch sowie Lara und Tom Flug von der Waldjugend die Saat nach fachmännischer Anleitung ausbringen. Die speziellen Samen zur Pflanzaktion hatte Doris Lerch mitgebracht, die wiederum mit Spendengeldern der Heusenstammer Waldjugend finanziert wurden. Das Geld stammt von den Freien Wählern, die auf ihren Straßenwahlkampf verzichtet hatten. Dieses konnte nun zielgerichtet eingesetzt werden.

Nistplatz für Wildbienen an der Wiese

Außerdem gibt es am Rand der Wiese nun einen Wildbienennistplatz aus vielfältigen Kleinstrukturen, wie Offenboden, Steinhaufen und Totholz, der vom Bauhof-Team in Eigenregie angefertigt wurde. Diese Strukturen werden zur Eiablage, Verpuppung, aber auch zum Überwintern benötigt. Der Nistplatz ist fast fertiggestellt, es fehlen nur noch Schilf- oder Bambushalme in den Bauziegeln, denn nur so fühlen sich die Wildbienen nach Aussagen der Experten richtig wohl. Schließlich werden noch zwei Infotafeln zu Wildbienen und Insektenschutz aufgestellt.

„Wir freuen uns sehr, mit der Pflanzung der Wiese und der neuen Nistmöglichkeit für Wildbienen einen aktiven Beitrag zur Biodiversität geleistet zu haben – und Spaß gemacht hat es auch“, betont Bürgermeister Halil Öztas. Er dankt der Waldjugend und Doris Lerch für deren Engagement und kündigt an, man werde auf jeden Fall weitere städtische Flächen für die Eignung als Blühwiese für Wildbienen prüfen.

Waldjugend bietet Kontakt für Interessierte

Wer sich für den Schutz der Insekten interessiert und sich mit einer vergleichbaren Maßnahme aktiv für Artenvielfalt einsetzen will, kann mit Heusenstamms Waldjugend im Internet waldjugend-heusenstamm.de Kontakt aufnehmen.

Insektensterben und Biodiversitätsverlust sind Begriffe, die täglich zu hören sind. Die Gefahr, dass ein Großteil der heimischen Insektenwelt verloren geht, ist akut. Neueste Studien belegen einen Verlust von bereits einem Drittel der Insekten in den vergangenen zehn Jahren. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, werden 60 Prozent der Produkte aus den Supermarktregalen verschwinden, heißt es. Denn nicht nur Lebensmittel, sondern auch Pflegeprodukte wie Shampoos und Duschgels wären davon betroffen, da auch sie Pflanzenextrakte enthalten. Die Lebensqualität würde erheblich beeinträchtigt – bis hin zu einer möglichen Mangelernährung.

Heuwiesen gehören zu den artenreichsten Ökosystemen. So haben etwa ein Drittel aller heimischen Blühpflanzen ihr Hauptvorkommen in Wiesen und Weiden, rund 3 500 Tierarten sind darin zu Hause. Mit der Aussaat einer nährstoffarmen Heuwiese betreibt man Arten- und Klimaschutz. Sie benötigen keinen Dünger und auch keine Bewässerung, es sei denn, es ist sehr trocken. (clb)

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