Ehemaliges Sendemast-Grundstück

Biogasanlage an Ortsgrenze?

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Weniger als 600 Meter von der Bebauung Rembrückens entfernt will ein Landwirt auf dem ehemaligen hr-Grundstück eine Biogasanlage bauen.

Heusenstamm - Unruhe in Rembrücken: Dicht an der Gemarkungsgrenze auf Weiskircher Seite plant ein Landwirt aus Rodgau den Bau einer Biogasanlage. „Das ist keine 600 Meter von den ersten Wohnhäuser in Rembrücken entfernt“, sagt Dr. Hartmut von Kienle vom Bürgerforum. Von Claudia Bechthold

Es geht um das Grundstück, das mehr als 40 Jahre lang dem Hessischen Rundfunk gehört hat. Seit Oktober 1967 wurde dort über zwei je 126,5 Meter hohe Masten Mittelwellenradio gesendet. 2009 hatte die Mittelwelle ausgedient, im April 2012 fielen die hohen Stahlgerüste. Inzwischen hat der Hessische Rundfunk (hr) das Grundstück verkauft. Neuer Besitzer ist Stefan Wolf, Landwirt aus Rodgau, der zudem eine Reitanlage betreibt. Wolf bestägtigte gestern auf Anfrage diese Pläne. „Wir haben fünf Jahre lang Biomasse für die Biogasanlage in Mühlheim produziert“, berichtet er. Da aber die Mühlheimer Anlage nie in Betrieb gegangen ist, habe er nach Alternativen gesucht. Und eine solche habe er nun gefunden: „Wir bauen selbst eine solche Anlage.“ Zu den Stoffen, die darin verwertet werden könnten, zählt Wolf unter anderem Mais, Gras, so genannte Zwischenfrüchte, die zur Erholung des Bodens und zur Vermeidung von Monokulturen angebaut werden, sowie Pferdemist.

Das Grundstück des Hessischen Rundfunks hält Wolf für geeignet. Eine Vorprüfung des Standorts sei sehr positiv ausgefallen, berichtet er auf Anfrage. So gebe es dort eine gute Abschirmung durch Wald, und auch der Wind wehe dort selten in Richtung Rembrücken. Allerhöchstens zehn Prozent der Jahresstunden dürften Biogasanlage Gerüche in die Umgebung abgeben, weiß auch Hartmut von Kienle. Das bedeute doch, dass eine Geruchsbelästigung gar nicht zu vermeiden sei, meint der Rembrücker. Aber von Kienle kennt noch weitere Argumente gegen den Bau einer solchen Anlage. So warnten Fachleute inzwischen vor einer „zunehmenden Vermaisung“ durch die wachsende Anzahl von Biogasanlagen. Ein weiteres Problem stellt die Belastung des Grundwassers durch Nitrat dar. Nitrat ist zum Beispiel in Gülle enthalten, das ebenfalls in Biogasanlagen verwendet wird.

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Wenig Begeisterung zeigt auch Bürgermeister Peter Jakoby von den Plänen des Rodgauer Landwirts. Neben einer Geruchsbelästigung durch die Anlage fürchtet er auch den Anlieferungsverkehr, der zumindest von Landwirten aus der Umgebung in der Regel mit Traktoren erfolge. Jakoby sieht aber Heusenstamms Interessen durch eine Initiative der Stadt Rodgau vertreten. Denn der Magistrat der Stadt Rodgau hat den Stadtverordneten der Gemeinde jetzt einen Antrag vorgelegt, mit dem für das Gebiet auf dem auch das ehemalige hr- Grundstück liegt, eine so genannte Veränderungssperre verhängt werden soll. Gleichzeitig schlägt der Magistrat vor, einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen. Dem Vernehmen nach möchte Rodgau das Gelände als naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche nutzen.

Der Antrag von Stefan Wolf liegt inzwischen beim Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt. Dort muss geprüft werden, ob die geplante Anlage allen Vorgaben vor allem des Bundesemissionsschutzgesetzes entspricht. RP-Sprecher Dieter Ohl bestätigte gestern den Eingang des Antrags. „Das sind zwei Umzugskartons voller Unterlagen“, schildert Stefan Wolf den Umfang der Vorarbeiten. Eine Veränderungssperre sei ein gewichtiger Aspekt, der natürlich in die Prüfung einfließen werde, sagt Dieter Ohl. Und vor allem: Eine solche Sperre hat aufschiebende Wirkung. Ist sie verhängt, darf auf dem Areal nichts verändert werden. Das Bürgerforum Rembrücken möchte Stefan Wolf indes gern einladen, um sich die Technik der Biogasanlage erläutern zu lassen.

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