Dem Borkenkäfer auf der Spur

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Ein Stück Rinde mit Larvengängen des Borkenkäfers zeigt Förster Peter Bangert den Kindern.

Heusenstamm ‐ Sind Brombeeren eigentlich Pflanzen? Und wie schwer ist eine einzelne Ameise, wenn eine Million Waldameisen zusammen sieben Kilogramm wiegen? Ob der gute Waldgeist vom Sommerfeld das weiß? Von Claudia Bechthold

Die meisten Kinder der sechsten Klassen des Gymnasiums sowie der Haupt- und Realschule waren mit Eifer dabei, die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Dass damit ein Spaziergang verbunden war, löste zwar keine Begeisterung aus, aber es wurde hingenommen. Einmal mehr hatte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Heusenstamm zu den Jugendwaldspielen aufgerufen, an denen sich in jedem Jahr alle sechsten Klassen in der Stadt beteiligen.

Das Wetter störte. Blieb es am Vormittag noch trocken, was vor allem die Schüler der Adolf-Reichwein-Schule gefreut haben dürfte, fing es gegen Mittag an zu regnen. Als der Regen dann heftiger wurde, entschlossen sich die Organisatoren schließlich, die Spiele abzubrechen. „Viele der Kinder waren nicht passend zum Wetter angezogen und hatten auch keinen Regenschutz dabei“, erläutert Hanna Friede, Heusenstammer Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, diese Entscheidung. Während die Reichwein-Schüler zu dieser Zeit schon wieder zu Hause waren, musste ein Teil der Reichwein-Gymnasiasten früher heimgeschickt werden.

Lehrerin Ingrid Rau erläutert vor dem Start den Parcours.

Ein großer Teil der Kinder hat den Parcours mit neun Stationen zu dieser Zeit schon absolviert. Viele Fragen müssen die Teilnehmer, die in Gruppen an den Start gehen, beantworten. „Und bitte nicht laut lärmend durch den Wald rennen“, ermahnt Inge Rau, Lehrerin am Adolf-Reichwein-Gymnasium, die Gruppe „Tannenmeisen“, bevor diese sich der ersten Aufgabe widmet, „das gibt Punktabzug.“ Wie schwer ist der Ast, der da vorne liegt? Die Schüler sollen schätzen. „Es sind nicht weniger als 400 Gramm und nicht mehr als 700 Gramm“, gibt ihnen Inge Rau noch eine Hilfe. Ob eine Gruppe die 464 Gramm, die der Ast auf die Waage bringt, erraten hat, wurde gestern nicht mehr geklärt. Die Auswertung wird einige Tage in Anspruch nehmen. In etwa zwei Wochen würden dann die Sieger gekürt, kündigt Hanna Friede an.

Welche Tiere leben in den verschiedenen Schichten des Waldes?

Vier Wäscheleinen mit bunten Klammern hat Biologielehrerin Susanne Novosel zwischen zwei Bäume gespannt. Schilder mit den Namen der Waldschichten sollen die Schüler daran aufhängen. Moos-, Kraut-, Strauch- und Baumschicht sind schnell in der richtigen Reihenfolge daran befestigt. Aber nun sollen auch noch je zwei Tiere und zwei Pflanzen jeder Schicht zugeordnet werden. Das ist schon schwieriger. Dabei entsteht die Debatte über die Brombeere. Klar ist der Strauch, an dem die Beeren wachsen, eine Pflanze, klärt Susanne Novosel auf. „Aber wie klein sind denn bei Euch die Rehe?“ Diese haben die Sechstklässler nämlich der Krautschicht zugeordnet.

Förster Peter Bangert aus Rodgau hält zwei Stücke Baumrinde in der Hand. Die Innenseite des einen Stücks ist glatt und eben. Das andere Stück hat viele Rillen und ein kleines Loch. „Das Loch hat ein Borkenkäfer gebohrt und dann unter der Rinde Eier abgelegt“, erläutert er der Gruppe „Spitzmäuse“. Die Larven fressen sich dann unter der Rinde durch. Fasziniert hören ihm die Schüler zu, bevor sie weiterlaufen, um Bäume anhand ihrer Blätter zu bestimmen. Und zwischendurch sammeln sie Blätter, kleine Äste und ähnliches Material, aus dem sie am Ende ein Bild kleben sollen, das den „guten Waldgeist vom Sommerfeld“ zeigt.

Eines ist am Ende Ingrid Rau noch wichtig: „Wir widmen diese Spiele Christa Ewald“, sagt sie. Die Lehrerin habe viele Jahre bei den Waldspielen mitgemacht. In der vergangenen Woche ist sie verstorben.

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