Langweilig wird es nicht

Brigitte Höhmann führt seit 16 Jahren Schreibwaren Döbert

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Brigitte Höhmann im Schreibwarenladen.

Heusenstamm - In loser Folge begleiten wir Menschen aus der Schlossstadt in ihrem beruflichen Alltag. Diesmal galt das Interesse Brigitte Höhmann bei Schreibwaren Döbert. Von Annalena Barnickel

„Dingdong“ ist das Geräusch, das den Schreibwarenladen Döbert immer wieder von Neuem erfüllt und stets kurz nachhallt. Die Tür geht auf, ein Kunde betritt das Geschäft. Und bevor er dieses mit seiner Ware wieder verlassen kann, kündigt die Glocke schon den nächsten an. Das geht fast wie am Fließband. Brigitte Höhmann steht währenddessen strahlend hinter der Theke, begrüßt die Menschen, bedient die Kasse, zahlt Lottogewinne aus, sucht nach den richtigen Tabaksorten und findet zwischen all diesen Aufgaben sogar Zeit, ein kurzes Schwätzchen zu halten. „Die Stammkunden sind es, die diesen Laden ausmachen“, sagt sie gut gelaunt, „ohne sie würde das alles seinen Charme verlieren.“ Bei vielen Leuten wisse sie genau, was sie gern haben möchten. „Da greife ich schon routinemäßig ins Regal.“ Nach so vielen Jahren kennt man sich eben.

„Seit ich 2004 den Laden von meiner damaligen Chefin übernommen habe, habe ich diesen Schritt so gut wie nie bereut“, überlegt Höhmann kurz. Natürlich gebe es Situationen, in denen sie sich die Haare raufe. Etwa nach diversen, allesamt gescheiterten Einbruchsversuchen, die eine Menge Nerven gekostet haben. „Aber im Allgemeinen gehe ich jeden Abend mit einem Lächeln raus, gepaart mit einem guten Gefühl im Bauch“, berichtet Höhmann. „Denn besonders der stete und enge Kontakt zu den Menschen erfüllt mich. Und das Schönste ist, dass die Altersspanne der Kunde von ganz jung bis ganz alt reicht. So ist immer Abwechslung dabei.“

Sogar die Jüngsten suchen ihren Laden auf. Da ist eine Mutter mit ihrem Sohn, der während der Wartezeit schon neugierig das Tintenkillerregal durchstöbert. „Wie kann ich Ihnen helfen?“, erkundigt sich Brigitte Höhmann freundlich. „Wir brauchen einen Erstfüller“, antwortet die Mutter, „und wir brauchen...“ – „...ihn wahrscheinlich schon bis morgen“, vollendet Höhmann ihren Satz. „Das kenne ich nur zu gut von den Schulen. Bist du in der zweiten oder in der dritten Klasse?“ Mit diesen Worten wendet sie sich an den Jungen. „Dritte“, erwidert er schüchtern. „Rechts- oder Linkshänder?“ „Rechts.“

Sofort präsentiert sie vier Probefüller, die der Bub der Reihe nach auf einem vor ihm ausgebreiteten Blatt Papier ausprobieren kann. „Das ist ein spezieller Füller“, erklärt Höhmann der Mutter, „der besitzt einen extra Griff, der für die richtige Handhaltung sorgt.“ Schweigend beobachten beide den Jungen, der ein wenig ungelenk, aber dennoch ordentlich ein paar Buchstaben zwischen die Karozeilen des Papiers quetscht. „Und wie ist das Schreibgefühl?“ Der Kleine zuckt die Schultern, hat er doch erst einen ausprobiert. Also auf zum nächsten! Drei weitere Schreib- und Kreisemalversuche später hat der erste Füller neben den anderen tatsächlich den besten Eindruck hinterlassen. „Den da!“ Entschlossen zeigt er auf das blaue Pelikan-Gerät. Die Glocke klingelt, als sie das Geschäft verlassen – zwei glückliche Kunden mehr.

„Was bei uns auch immer gut läuft, ist das Lottospiel“, erzählt Brigitte Höhmann aus Erfahrung. „Vor ein paar Wochen hatten wir 90 Millionen im Jackpot. Da mussten wir Teamarbeit machen.“ Tatsächlich – 50 Prozent der Kunden an diesem Tag gaben ihr Geld in der Hoffnung auf millionenfache Vermehrung aus. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, im Lotto sechs Richtige zu haben, sogar niedriger als die, auf dem Weg zum Schreibwarenladen von einem Blitz getroffen zu werden. Höhmann widerspricht: „Aber Lottospielen macht Spaß“, ist sie sich sicher. Nicht nur den Kunden: Auch ihr ist es jedes Mal eine Freude, wenn sie Geld auszahlen kann.

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„Haben Sie ein Zippo-Feuerzeug?“, erkundigt sich eine gehetzte Frau, die atemlos in den Laden hineingestürmt kommt. Höhmann überlegt kurz, greift zielsicher ins Regal. „Ich kann nur ein Universal-Feuerzeug anbieten. Das müsste auch für Zippo-Produkte funktionieren und ist bedeutend billiger.“ Erleichtert verlässt die Frau das Geschäft, das Geschenk für den Sohn ist gerettet. Langweilig wird es im Laden an der Frankfurter Straße nicht. Da ist eine Mutter mit nörgelndem Kind, das seine Zeitschrift nicht bekommt. Eine verzweifelte Kundin, die endlich ein funktionierendes und länger haltendes Tipp-Ex sucht. Oder auch ein verwirrter Nachfrager, ob denn heute die Busse wieder fahren. Beliebt ist auch der neue, wie immer kostenlose Abfallkalender.

Seit November arbeitet die 17-Jährige Schülerin Lesley im Schreibwarenladen. Sie beschreibt ihre Erfahrungen bisher als positiv. „Der viele Kontakt mit den Menschen macht einfach glücklich“, meint sie lachend. „Aber ein etwas vorlautes Mundwerk mit den passenden Kontern darf nicht fehlen“, ergänzt Brigitte Höhmann. „Denn manchen Kunden muss man durchaus mit schlagfertigen Antworten begegnen.“

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