Brutplätze für Vögel abgeholzt

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Neuntöter brütet gern in dichten und dornigen Hecken.

Heusenstamm - Regelmäßig ist Dietmar Tinat mit Kindern und Jugendlichen der Deutschen Waldjugend an den so genannten Geiswiesen oder Schlosswiesen zwischen Bannturm und Autobahn unterwegs. Von Claudia Bechthold

Dort könne man wunderbar Vögel beobachten, auch seltenere wie etwa den Neuntöter. Der Sperlingsvogel, der in Afrika überwintert, ist vor allem dafür bekannt, dass es seine Beute aufspießt, bevor er sie verspeist. Doch nun erwarte diese Vögel bei ihrer Rückkehr aus dem Süden eine unschöne Überraschung, denn ein Teil ihrer Brutplätze sei einfach verschwunden.

Der Neuntöter brüte gern in dichten, dornigen Hecken, weiß Tinat. Entlang der Geiswiesen habe das Tier bislang viele solcher Plätze gefunden. Nun habe man feststellen müssen, dass in dem Landschaftsschutzgebiet „Geiswiese“ ein recht massiver Eingriff in das Brutgebiet stattgefunden hat. Der alte und sehr dicht gewachsene Erlenbestand, der sich auf etwa 300 Meter als Feldholzinsel in die „Geiswiese“ erstreckt, sei ausgelichtet worden. Aus wirtschaftlicher Sicht, betont Tinat, sei diese Kulturverjüngung vielleicht noch zu vertreten. Aber aus Sicht des Naturschutzes nicht. Den Kindern aus der Waldjugend-Gruppe habe er diese Vorgehensweise nicht erklären können. Seine Verärgerung begründet Tinat aber auch damit, dass vor einem solchen Eingriff in ein Landschaftsschutzgebietnicht der Kontakt zu den ortsansässigen Naturschutz-Organisationen gesucht werde.

Dietmar Tinat, der Heusenstamms Waldjugend schon seit vielen Jahren betreut, ärgert sich aber nicht nur daüber, dass die Baum-Insel in der Geiswiese ausgelichtet wurde. Auch die Art und Weise, wie gefällt wurde, findet nicht seine Zustimmung. Der Abtransport der Baumstämme und des Kronenschnitts sei auch noch mehrspurig über die gesamte Wiesenfläche verteilt worden, statt sich auf eine einzige Fahrspur festzulegen. Etliche Amphibien, die auf dem Laichzug gewesen seien, hätten dies wohl nicht überlebt.

Schon vor fünf Jahren habe die Stadt begonnen, alle zwei bis drei Jahre die Feldgehölze in den Schlosswiesen zurückzuschneiden und abschnittweise „auf Stock zu setzen“, also so zurückzuschneiden, dass Hecken dichter neu austreiben, erläutert Hans-Peter Löw, Leiter des Fachdienstes Grünflächen und Umwelt. Dies sei auch mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.

In diesem Jahr habe der Landwirt, dem die Wiesen gehören, diese Maßnahme in Eigenregie umgesetzt. Der Rückschnitt und die Fällung einzelner Bäume innerhalb der Baumreihe sei allerdings fachlich korrekt vorgenommen worden. In den Lücken könne das für die Vogelwelt so wichtige Strauchwerk wieder wachsen, sagt Löw. Die Fällungen seien noch vor Beginn der Setz- und Brutzeit, also vor dem 28. Februar, abgeschlossen gewesen. Die Wiesen hätten für den Artenschutz große Bedeutung.

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