Bürgermeister bei „Neugeborenen-Empfang“

Mehr Kinder als erwartet

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Mehr als 30 Mütter und Väter waren mit ihrem Nachwuchs der Einladung des Bürgermeisters gefolgt.

Heusenstamm - Mehr als 30 Mütter und Väter mit ihren Babys und Kleinkindern bevölkern den Saal, der sonst jenen vorbehalten ist, die Entscheidungen für die Schlossstadt fällen. Von Michael Prochnow

Bürgermeister Halil Öztas, Fachbereichsleiterin Kerstin Stanek und Petra Beißel vom Familienbüro informieren Eltern von Babys, die seit dem vergangenen Sommer geboren wurden, über die Angebote der Stadt. Politiker sind oft lauter, viel lauter! Dafür, dass 30 Säuglinge und Babys auf den Schößen ihrer Mütter und Väter sitzen und einige ältere Geschwister im Inneren des Tisch-Vierecks spielen, ist es im Sitzungssaal des Schlossrathauses erstaunlich ruhig. Schon einmal hatte der Rathauschef Eltern der Jüngsten eingeladen. Jetzt wurden alle Familien angeschrieben, deren Nachwuchs nach dem ersten Treffen das Licht der Welt erblickt hat.

19 300 Einwohner hat Heusenstamm nach den jüngsten Zahlen und fast ein Viertel mehr Kinder, als 2011 prognostiziert. Das freue die Stadtoberen, wendet sich Öztas vor allem an die Neuzugezogenen, spiegele es doch die Attraktivität Heusenstamms wider. Zugleich müssten nun mehr Betreuungseinrichtungen geschaffen werden. „Das wird ein politischer Schwerpunkt bleiben“, betont er.

„Wir sind in der glücklichen Situation, mit Bildungsangeboten gut aufgestellt zu sein“, wirbt er für die Auswahl an Grund- und weiterführenden Schulen. An der Otto-Hahn-Schule müssten wegen der vielen ABC-Schützen bald Container aufgestellt werden, auch die Adalbert-Stifter-Schule verzeichne mehr Anmeldungen. Dort seien Erweiterungen aber aus Platzgründen kaum möglich. Dennoch seien Vertreter des Schulträgers dran, Lösungsvorschläge zu erarbeiten. „Und die Fördervereine versuchen, Elternwünsche zu erfüllen, alles geht aber nicht.“ Öztas erinnert, dass es keinen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Schulkindbetreuung gebe.

Heusenstamm verfüge über städtische Kindergärten ebenso wie über konfessionelle und freie. Noch in diesem Frühjahr werde ein Waldkindergarten eröffnet, getragen von der Arbeiterwohlfahrt Obertshausen, die mit ihrem Konzept seit vielen Jahren in mehreren Städten erfolgreich sei. Zwei weitere Kitas werden am Schloss entstehen. Der private Verein Schlosszwerge werde bis zum Sommer einen Pavillon erhalten, in dem zwei neue Kindergartengruppen Platz finden. Und in die alte Schlossmühle auf der anderen Seite des Schönbornschen Baus sollen in etwa einem Jahr zwei U3- und eine Kita-Gruppe einziehen. „Da müssen sehr aufwändige Genehmigungverfahren abgewartet werden“, erläutert Fachbereichsleiterin Kerstin Stanek.

Werde ein Heusenstammer Kind in einer Einrichtung einer anderen Kommune aufgenommen, müsse die Stadt aufgrund der Gesetzeslage einen Abschlag bezahlen, beantwortet der Bürgermeister die Frage eines Vaters. Allerdings gelte das nicht für hohe Gebühren privater Einrichtungen. Ein anderer Vater wundert sich, dass einige Plätze in Rembrücken von Kindern aus Rodgau belegt werden. „Wir haben Erzieher gewonnen, weil wir einen Platz für deren eigene Sprösslinge angeboten haben“, verdeutlicht Öztas. Andererseits besuchten viele kleine Schlossstädter Häuser in Obertshausen, Dietzenbach und Frankfurt.

Wie Promis mit Baby um die Welt reisen

Eine Lehrerin erkundigt sich nach früheren Öffnungszeiten der Kitas. „Wir werden bei Bedarf reagieren“, versichert Kerstin Stanek, „sofern ein Anliegen personell umsetzbar ist. Derzeit sei das nur am Wiesenbornweg und an der Obertshäuser Straße möglich, wo einige Kinder ab 7 Uhr betreut werden. Petra Beißel vom Familienbüro bringt die Tagesmütter ins Spiel, die flexibler reagieren können. Dabei motiviert sie Mütter und Väter, die selbst kleine Kinder haben, in der Tagesbetreuung zu arbeiten.

Das Familienbüro vermittle Kurse wie etwa Yoga für Schwangere, Plätze in den Spiel- und Krabbelgruppen „Bobbelsche Treff“ für den Nachwuchs ab fünf Monate, bei den Musik-Mäusen, fürs Baby-Schwimmen und in zahlreichen kreativen Angeboten verschiedener Anbieter.

Was Heusenstamm nicht bietet, ist ein klassischer Drogeriemarkt, den Eltern vermissen. „Die kommen erst ab 20 000 Einwohner“, teilt der Bürgermeister mit. Die fehlenden 700 Bürger werden sich bestimmt bald finden, scherzt er, verkündet aber, dass er mit einer Drogeriekette im Gespräch sei.

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