„Wollte etwas mit Händen machen“

Das ist die Hessenmeisterin im Fliesenlegen

Heusenstamm - Eigentlich wollte Christel Unnold nach dem Abitur studieren. Aber schon im ersten Semester wurde ihr klar, dass das nichts für sie ist. Jetzt wurde sie Hessische Meisterin im Fliesenleger-Handwerk. Ausgebildet wurde sie im Heusenstammer Betrieb W. Peter Schwab. Von Claudia Bechthold 

Christel Unnold mit einer Wasserwaage. Derzeit fliest sie ein Reihenhausbad mit einer bodengleichen Dusche neu.

Zwischen Schule und Beruf hat die heute 23-jährige Christel Unnold erst einmal ein Auslandsjahr gelegt. Ein Jahr lang ist sie durch Australien und quasi auf dem Weg liegende Regionen gereist, um sich möglichst viel anzusehen. „Work and travel“ heißt die Art Visum, mit dem sie unterwegs war. Das bedeutet, man reist durchs Land und übernimmt Gelegenheitsarbeiten, etwa um sich das Geld für den nächsten Abschnitt der Reise zu verdienen. Nach ihrer Rückkehr, vor der sie sich auch noch Neuseeland und Teile Asiens angesehen hat, begann sie ein Studium: Geotechnik und Bergbau. „Aber das hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht“, berichtet sie, „Ich wollte etwas mit den Händen machen“. Auch die Aussicht, jeden Tag an einem Schreibtisch im Büro zu sitzen, sei ihr nicht besonders attraktiv erschienen.

Praktika als Schreinerin und Schornsteinfegerin

Also machte sie mehrere Praktika, und fand, was ihr Spaß machen könnte: das Fliesenlegen. Das Praktikum bei einem Schreiner habe nicht ihren Vorstellungen entsprochen. Und Schornsteinfeger, ja, das hätte ihr auch Spaß gemacht, aber mit diesem Beruf hätte sie keine Chance gehabt, mal ins Ausland zu gehen. „Aber Fliesenleger braucht man überall“, sagt sie. In Frankfurt hat Christel Unnold dann eine Ausbildung begonnen. Doch der Betrieb wurde geschlossen. Über die Berufsschule kam sie dann zu Waldemar Schwab.

Seit 1946 besteht der Betrieb an der Frankfurter Straße gegenüber des Friedhofs. Bereits in der dritten Generation gestalten die Schwabs Grabmale. Peter Schwab, der Junior, kümmert sich heute um diesen Zweig des Geschäfts. Waldemar Schwabs Vater hatte anfangs noch mit Betonwerkstein gearbeitet. Als dieser aus der Mode kam, habe man sich auf die Fliesen spezialisiert. Heute sind diese das Hauptgeschäft der kleinen Firma mit sieben Mitarbeitern. Wobei Waldemar Schwab auf seine ehemalige Auszubildende Christel Unnold besonders stolz ist.

Denn schon im Sommer vergangenen Jahres hat die Frankfurterin erfolgreich die Gesellenprüfung abgelegt. Und danach durfte sie an der Hessenmeisterschaft teilnehmen.

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Die Aufgabe, die man ihr und ihren Mitbewerbern gestellt hat, war nicht leicht. An eine Wand musste zunächst ein Rundbogen als Muster gelegt werden. In die freie Fläche innerhalb des Bogens sollten dann diagonal verlegte Fliesen in zwei Farben. Die einzelnen Platten sollte sich jeder Teilnehmer selbst zuschneiden. Und natürlich mussten auch die Fugen möglichst exakt und gleich aussehen. Christel Unnold hat dies alles nicht nur innerhalb der vorgegebenen Zeit von acht Stunden geschafft. Die Jury war offenbar von der Qualität ihrer Arbeit so überzeugt, dass man sie zur Hessenmeisterin erklärte.

Inzwischen hat Waldemar Schwab Christel Unnold fest übernommen. Die Arbeit macht ihr immer noch Spaß. „Es sind jeden Tag neue Herausforderungen.“ Und wenn sie Ausgleich braucht, spielt sie Handball in der Oberliga. Oder sie greift zu einem Buch: „Ich lese gern!“

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