„Unruhiges Fahrwasser“

Der TSV Heusenstamm hat viele Mitglieder verloren

Der Gesamtvorstand der TSV Heusenstamm wurde im Amt bestätigt. Das Bild zeigt (von links) Gerhard Löw, Gundi Wilz, Carsten Müller, Susanne Karner und Eugen Kern sowie den Ehrenvorsitzenden Karl Rebell.
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Der Gesamtvorstand der TSV Heusenstamm wurde im Amt bestätigt. Das Bild zeigt (von links) Gerhard Löw, Gundi Wilz, Carsten Müller, Susanne Karner und Eugen Kern sowie den Ehrenvorsitzenden Karl Rebell.

In unruhiges Fahrwasser sei die Turn- und Sportvereinigung Heusenstamm (TSV) durch die Pandemie geraten. So berichtet der Vorstand um den Vorsitzenden Carsten Müller während der Jahreshauptversammlung von massiven Auswirkungen.

Heusenstamm - Der deutliche Mitgliederschwund und die erforderliche Modernisierung des Vereinsangebots sind die beiden großen Problemfelder, die zwingend zu bewältigen seien. Besonders die Neugestaltung des Grundstücks Jahnstraße 3, bei der eine Teilung des Vereinsgeländes und ein Neubau der Turnhalle in Betracht gezogen werden, erfordere den Einsatz vieler Kräfte. Die alte Halle sei nicht mehr zeitgemäß und biete keine Chance zur Weiterentwicklung. Der Vorstand richtet deshalb einen dringenden Appell an alle Vereinsmitglieder, bei der Umsetzung und Lösungsfindung mit anzupacken, denn sonst sei die Zukunft des Vereins „stark gefährdet.“

Neben der Wahl des Vorstands und der Revisoren standen Berichte, die anstehende 150-Jahr-Feier und eine Satzungsänderung auf der Tagesordnung. In seiner Begrüßungsansprache lobte Müller Vorstände und Mitglieder für ihr Engagement während der Pandemie und die Kreativität, die sich während des Lockdowns entwickelt habe, um den Betrieb irgendwie aufrecht zu halten. „Wir sind ein Stück digitaler geworden“, sagte er. „Dort wo es ging, haben wir uns online getroffen.“ Kritik übt Müller dagegen an Landes- und Bundesregierung: „Während die Profisportler bereits sehr früh den Betrieb wieder aufnehmen konnten, durften wir Freizeitsportler noch nicht einmal unsere Halle betreten.“ Doch auch nach der schrittweisen Öffnung habe das Hygienekonzept gewirkt: „Wir hatten keine Infektionsketten.“ Wie es weiter geht, ob 2G oder 3G zum Tragen kommt, könne man nicht sagen, dass hänge von den Entscheidungen in Land und Bund ab.

Allerdings hat der Verein während der Pandemie Mitglieder verloren. „Jedes Jahr treten Mitglieder aus dem Verein aus“, erläuterte der Vorsitzende. „Üblicherweise wird dies durch Neueintritte aufgefangen.“ Doch Neueintritte gab es während der Pandemie nicht, deshalb sei die Mitgliederzahl von 2 642 (Ende 2019) auf 2 452 (Ende 2020) gesunken.

Dennoch blickt die Leitung des Gesamtvereins mit zwölf Abteilungen vorsichtig positiv in die Zukunft. „Wir müssen die Scherben zusammenkehren, die uns die Pandemie hinterlassen hat, aber der Verein wächst wieder, denn wir haben wieder Neueintritte“, betonte Müller.

Wirtschaftlich war das vergangene Jahr eine große Herausforderung. Susanne Karner, Finanzvorstand, berichtet, dass die Einnahmen im Gesamtverein gegenüber 2019 um rund 150 000 Euro gesunken sind. Auch der Hauptverein beklagt Einnahmeausfälle, vor allem, weil man die Halle nicht vermieten konnte.

Die Wahlen des Vorstands und der Stellvertreter erfolgte einstimmig. Die Anwesenden wählten Carsten Müller erneut zum Vorsitzenden. Ihm stehen Gundi Wilz, Gerhard Löw, Eugen Kern und Susanne Karner weiterhin zur Seite. Außerdem wurde eine Satzungsänderung beschlossen: Es werden Teile der Satzung so verändert, dass Sitzungen und Entscheidungen auch digital veranstaltet werden können.

Die Planung für die 150-Jahr-Feier ist in vollem Gange. Ein Festtagsausschuss habe seine Arbeit aufgenommen. Eckpunkte stehen bereits fest. So findet am 29. April 2023 eine akademische Feier statt. Flankiert wird diese von einem großen Bierfest, einem ökumenischen Gottesdienst, einem großen Familientag und einer Fahrradveranstaltung rund um Heusenstamm. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird eine große Veranstaltung auf dem Martinsee-Gelände geplant. Dort werden sich alle Abteilungen präsentieren und es wird eine „Sportschau“ geben.

Gegen Ende der Versammlung kommt noch einmal das Thema „Halle“ auf. So stehe im Raum, dass die TSV auf den Campus umziehe. „Das jetzige Sportangebot des Vereins sei gut, aber es fehlen Saalkapazitäten, um zukunftsfähig zu sein“, antwortete Müller. So brauche allein das Blasorchester dringend größere Räume. Die Halle an der Jahnstraße sei zwar eine Halle, aber eine alte. Man könne überlegen, ob man diese saniert oder neu baut. Das Gelände der TSV sei 8 000 Quadratmeter groß, davon nehme die Halle 1 800 Quadratmeter ein. Sonst sei das Grundstück frei. Ein Vorbild, wie ein Neubau aussehen könnte, habe man in Rodgau gesehen. Dort entstehe eine entsprechende Halle mit vielen Räumen im Obergeschoss. Die Kosten für so einen Bau liegen allerdings bei mehr als drei Millionen Euro. Finanzielle Unterstützung könne man erhalten, nur müsse man die Planung langsam angehen, denn das würde alles viel Zeit in Anspruch nehmen. Das betrifft auch eine Übergangsphase, denn die jetzige Halle werde ja von der Adalbert-Stifter-Schule für den Sportunterricht genutzt. Gundi Wilz appellierte nochmal an alle, bei dem Projekt „Halle“ mit anzupacken. Und mit dem Satz „Mein Verein – mein Zuhause“ schließt sie die Sitzung. (Burghard Wittekopf)

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