Forstamtsvertreter informiert Freie Wähler über Schäden durch Trockenheit

Der Wald wird sich verändern

Interessiert folgen die Freien Wähler und ihre Gäste den Ausführungen zum Waldzustand.
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Interessiert folgen die Freien Wähler und ihre Gäste den Ausführungen zum Waldzustand.

Heusenstamm – Das Erscheinungsbild des Waldes werde sich in den nächsten Jahren schlagartig verändern. Davon ist Michael Löber, beim Forstamt Langen Leiter der Abteilung Produktion, überzeugt. Auf Einladung der Freien Wähler Heusenstamm (FWH) hat er Interessierte durch den Wald rund um das Hofgut Patershausen geführt und über die Schäden informiert.

Von den dicken, 120 Jahre alten Buchen etwa werde man sich wohl verabschieden müssen, meinte Löber. Überleben werden nach seiner Einschätzung die jungen, etwa 20 Jahre alten Buchen, die sich schon an die jetzigen Verhältnisse anpassen konnten. Die alten Buchen hätten viele Jahre gute Voraussetzungen gehabt, an deren Verlust sie sich nun nicht mehr gewöhnen könnten.

Gemeint ist die nun im dritten Jahr in Folge anhaltende Trockenheit. So fehlen nach den Angaben der privaten Wetterstation „Heusenstamm-Wetter.de“ allein in diesem Jahr bislang 336 Liter Regen je Quadratmeter. Im September sind nach diesen Angaben bisher 0,4 Liter Niederschlag von durchschnittlich 57 Liter je Quadratmeter gefallen. Wärme und Hitzeperioden tragen laut Löber außerdem zu den schwierigen Verhältnissen für die Bäume bei.

Besonders an Buchen und Kiefern sehe man die Schäden, die die klimatischen Veränderungen verursachen, erläuterte der Forstmann den Freien Wählern während des Spaziergangs. Kiefern werden, weil sie angreifbar sind, von einem Pilz befallen. In der Folge verliert der Baum zunächst seine Nadeln und stirbt schließlich. Die Buchen reagieren mit frühzeitigem Laubabwurf auf Trockenheit und Hitze. Es folge eine Art Sonnenbrand, die Rinde platze auf, dann sterbe auch die Buche. „Vor gut eineinhalb Jahren hat dies massiv begonnen“, sagt Michael Löber.

Bei 30 bis 40 Prozent des Heusenstammer Waldes seien Schädigungen bereits sichtbar, berichtet er weiter. Gefährdet aber sei der ganze Wald.

In der Folge verliere der Wald auch seine Wirtschaftlichkraft. Die Holzqualität sinke deutlich, es sei kaum noch zu vermarkten. So gehe bereits der Ertrag, den das Holz bringe, gegen Null. „Ein Markt für Kiefernholz existiert schon jetzt fast nicht mehr“, erläutert der Experte.

Mit den Mitteln, die man zur Verfügung habe, könne man gegen diese Entwicklung nichts tun, beantwortet Michael Löber eine Frage von Sandra Horn, Fraktionsvorsitzende der FWH im Stadtparlament. Es bleibe nur, den Wald zu verjüngen, aber dazu fehle derzeit das Material auf dem Markt. Aber man wisse ja auch nicht genau, welche Pflanzen mit den sich verändernden Klimaverhältnissen zurechtkommen. „Das können wir auch nicht testen, denn dazu benötigt man etliche Jahre“, ergänzt er. Man versuche, mit einer natürlichen Verjüngung des Waldes zu arbeiten. Douglasien zum Beispiel kämen ganz gut mit Wärme und Trockenheit klar. Die habe man schon in kleinere Lücken gepflanzt. Auch Roteichen, die Esskastanie oder Robinien kämen infrage.

Eine gute Nachricht hat Löber am Ende noch für seine Begleiter. Mit der Aufarbeitung der Schäden nach dem verheerenden Sturm im August vergangenen Jahres sei man im Heusenstammer Wald bis auf kleinere Stellen weitgehend fertig.

Von Claudia Bechthold

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