Hilfe beim Gewimmel am Himmel

Die Sternfreunde des Kreises Offenbach bieten Orientierung im Weltall

Die Kameras des Telekops werden auf minus 15,2 Grad runtergekühlt, um das Bildrauschen gering zu halten.
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Die Kameras des Telekops werden auf minus 15,2 Grad runtergekühlt, um das Bildrauschen gering zu halten.

Was ist schöner als eine laue Sommernacht unter einem funkelnden Sternenhimmel? Genügt einem frisch verliebten Pärchen der Blick in die Unendlichkeit, grübelt der Wissensdurstige, was sich ihm da eigentlich auftut. Bei der „Orientierung am Sternenhimmel“ half am Samstagabend Hajo Koppert. Der Vorsitzende der Sternfreunde Kreis Offenbach zeigte die Figuren anhand von aufwendig erstellten Fotos unter dem Teleskop im Gebäude des Adolf-Reichwein-Gymnasiums.

Heusenstamm - Mit Romantik hat das nicht mehr viel zu tun. Es dauert, bis die Technik des Teleskops läuft, die Kameras werden auf minus 15,2 Grad runtergekühlt, um das störende Bildrauschen gering zu halten. Das größte Problem bei Beobachtungen aber ist die „Lichtverschmutzung“, betonte der Referent, „es wird einfach nicht mehr dunkel“, weil die Städte aus dem All selbst in der Nacht taghell erscheinen und in jedem Dorf Beleuchtung eingeschaltet ist.

Die Astronomen behelfen sich gerne mit Schmalbandfilter, die nur einen ganz engen Abschnitt der Lichtwellen durchlassen. Wirklich dunkel werde es aber nur in Namibia oder Chile, informiert der Experte, manchmal auf griechischen Inseln, in den Alpen oder auf El Hierro, der kleinsten Insel der Kanaren. Dort sitzen Sternfreunde Mitte August „bei einer Flasche Rotwein und genießen das Spektakel“, schildert Koppert. Doch dann sieht man wieder „den Wald vor lauter Bäumen nicht“, es sei schwer, sich im Gewimmel am Himmel zurechtzufinden. Der Vorsitzende präsentierte Bewegtbilder von der kroatischen Insel Cres, wo er ein „Ferienhaus im Dunklen“ gefunden hatte. Über drei Stunden belichtete er eine Aufnahme von der Milchstraße, verstärkte den Effekt der wolkenartigen Sternenansammlung mit einem Computerprogramm.

„Jupiter und Saturn sind gut zu erkennen“, hielt er den Laser auf zwei hellere Punkte. Immer wieder flitzen dünne Streifen durchs Bild –Flieger und Satelliten. „Zehntausende pflastern den Himmel zu, um das Internet in den hintersten Winkel der Erde zu bringen“, klagt der Sternenfreund. Aus der ErdPerspektive drehen sich die Sterne gegen den Uhrzeigersinn um die Rotationsachse des Planeten. Und wo sind nun der Norden und das Bild des Großen Wagens oder der Große Bär?

Vom strahlenden Polarstern den Wagen oder Bär fünfmal verlängern, da ist der Norden. Die fast zwei Dutzend Zuhörer lernen, dass die Rotationsachse der Erde zum Himmels-Nordpol deutet und die Sonne nicht exakt über dem Äquator, sondern auf der Ekliptik-Achse steht. „Der Mond und die Planeten bewegen sich mehr oder weniger auf dieser Bahn.“ Viele Völker stellen sich Linien zwischen den Himmelskörpern vor, die Sternenbilder ergeben. „In verschiedenen Kulturen existieren fast dieselben Zusammenfassungen.“ 88 Bilder sind definiert. Über Heusenstamm sei Pegasus zu sehen und Andromeda, in der griechischen Mythologie die Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und der Kassiopeia, an Felsen gekettet.

„Die Waage ist am langweiligsten“, meint der Fachmann, „kaum am Himmel zu finden“. Im Frühling sind andere Sternenbilder auszumachen als im Winter. Der Große Wagen steht erst ganz weit oben, auf dem Kopf, im Sommer im Osten, die Deichsel nach oben, jetzt am tiefsten. Da dient auch das „Wintersechseck“ aus hellen Sternen der Orientierung. (Von Michael Prochnow)

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