Vorspiel im Freien

Dirigentin der TSV-Bläserklassen und des Kinderblasorchesters besucht ihre Musiker zu Hause

Im Sommer vergangenen Jahres konnte des Blasorchester im Garten der TSV-Halle ein Konzert geben.
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Im Sommer vergangenen Jahres konnte des Blasorchester im Garten der TSV-Halle ein Konzert geben.

Sarah Werner schnürt sich ihre Laufschuhe. Es ist Mittwochnachmittag, und würde nicht eine Pandemie das Geschehen in Stadt und Land bestimmen, hätte die Dirigentin des Kinderblasorchesters KiBO und der Bläserklassen des TSV-Blasorchesters dafür keine Zeit. Normalerweise leitet die 33-Jährige zwei Nachwuchsorchester für junge Musiker sowie die Bläserklasse für Erwachsene.

Heusenstamm - Doch seit einem Jahr ist an gemeinsames Musizieren nicht zu denken. Und so klafft für Sarah Werner seither eine Lücke im wöchentlichen Kalender. Mittwochs steht sie sonst vier Stunden im Probenraum in der TSV-Halle. Einen Teil dieser Zeit nutzt sie jetzt für Sport. Und auf ihrer Strecke durch die Stadt hält sie dann am einen oder anderen Hoftor. An diesem Tag stehen zwei Familien auf ihrer Liste. Auch Familie Baum ist sonst mittwochs im Probenraum des TSV-Blasorchesters anzutreffen. Erst spielt Tochter Nora in der Bläserklasse, später Mama Jessica in der Erwachsenen-Bläserklasse. Einzelunterricht hat Nora Baum momentan nur digital. Das klappe eigentlich ganz gut, meint sie. Nur zusammen mit dem Lehrer spielen funktioniere nicht, manchmal hakt die Verbindung und sie müsse ihr Stück noch einmal von vorne spielen.

All das wird nun nicht passieren. Denn Sarah Werner steht mit ausreichend Abstand auf der Terrasse der Baums. Seit Jahresbeginn schickt die Dirigentin immer wieder Stücke zum Üben, kleine Spiele oder Videos mit Anleitungen. Nora beginnt mit ihrem Vorspiel und zeigt, was sie gelernt hat. Musik schallt durch die Gärten der Nachbarschaft und Sarah Werner gibt Tipps und Ratschläge.

Dass das alles nicht mit einer normalen Probe zu vergleichen ist, weiß sie. Doch es ist vor allem auch der persönliche Kontakt, der fehlt. Das berichtet auch Mama Jessica Baum, die in der Erwachsenen-Bläserklasse Saxofon spielt und nach ihrer Tochter zum Instrument greift. „Das Persönliche fehlt. Das Miteinander, das Schwätzchen vor oder nach der Probe oder auch der ein oder andere Spruch, der einfach mal so in den Raum geworfen wird. Das ersetzt keine Videokonferenz.“

Hinter dem zweiten Hoftor auf ihrer Laufrunde wartet Familie Zuber auf Sarah Werner. Mama Christine und die Kinder Nils und Nele haben ihre Instrumente schon ausgepackt. Sie spielen nacheinander ihre vorbereiteten Stücke und Christine Zuber gibt zu: „So wirklich oft habe ich mein Saxofon nicht mehr in der Hand.“ Und so könne sie auch schlecht die Kinder zum Üben ermahnen.

Werner erzählt von ihren Erfahrungen aus vorausgegangenen Hausbesuchen: „Es freuen sich wirklich alle, wenn ich vorbeikomme, auch wenn der Besuch nur von kurzer Dauer und auf Abstand ist.“ Den meisten gehe es so wie den Familien Baum und Zuber. „Es freuen sich alle sehr darauf, wieder zusammenzukommen und gemeinsam Musik zu machen.“  ron

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