Heimat- und Geschichtsverein diskutiert über einen guten Namen für den Torbau

„Door“ oder Triumphbogen?

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Ein echter Triumphbogen ist das rund 250 Jahre alte Tor, wenn es sich auch durch das Dach von ähnlichen Gebäuden – etwa in Paris – unterscheidet.

Heusenstamm - Im Volksmund hat das Gebäude am Eingang zum „Alten Ort“ viele Namen. Einen offiziellen indes gibt es für das Torhaus an der Schlossstraße nicht. Darum will sich nun der Heimat- und Geschichtsverein bemühen.

Deutlich unterscheiden sich die „alten“ Heusenstammer von den „neuen“, wenn es um die Bezeichnung eines der Wahrzeichen der Stadt geht, schreibt Rudolf Fauerbach, stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Während die Alteingesessenen vom „Door“ reden, ist es für die anderen der „Torbau“. Wann das Gebäude errichtet wurde, weiß man bis heute nicht genau. Als Kaiser Franz II. 1764 in die Schlossstadt kam, um vom Schönbornschen Schloss aus die Wahl seines Sohnes Joseph zum König des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation abzuwarten, dürfte es noch nicht gestanden haben.

Doch eben dieses Ereignis war der Anlass für den Grafen Eugen Erwein von Schönborn, dieses bemerkenswerte Gebäude errichten zu lassen. Der Name „Torbau“ sei vermutlich der interessantere, meint Rudolf Fauerbach, denn er deutet auf den „Bau“ hin. Dieser müsse den damaligen Einwohnern eine große Last gewesen sein. Die Vermutung: „Mit Hand- und Spanndiensten hatten sie ohne Lohn die Steine vom Hoheberg und vom Spitzeberg zu brechen, über die Hohebergstraße ins Dorf zu karren und schließlich beim Vermauern zu helfen. Der Bau der Kirche daneben hatte ja noch dem Gotteslob und dem eigenen Glaubensglück gedient, aber nur zum Lob des Grafen und des Kaisers zu arbeiten, war schon eine Zu-mutung.“

Unterlagen über das Tor wurden bislang in keinem Archiv gefunden. „Es ist nur überliefert, dass im Schloss Zwangsarbeiter untergebracht waren, dort gewütet und dabei Teile des Archivs zerstört haben sollen“, erläutert Dr. Roland Krebs, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Auch wisse man nicht allzu viel über die Nutzung des Gebäudes. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Räume im Innern zeitweise als Wohnungen genutzt worden. Auch der Heimatverein war dort etliche Jahre untergebracht. Und ganz früher muss es auch mal als Gefängnis gedient haben. „Es gibt einen Raum, der den Charakter einer Zelle hat“, sagt Krebs. Zudem gebe es in der Umgangssprache noch immer die Drohung: „Du kommst aufs Tor!“

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Allen Heusenstammern diene das Wahrzeichen der Identifikation und Freude, meint Fauerbach. Das sollte sich aber eigentlich mit einem schöneren Namen ausdrücken, meint er. Die Bezeichnung „Torbau“ erscheine zu neutral und hebe das Gebäude nicht von anderen Torhäusern ab. Im Heimat- und Geschichtsverein stünden daher die Namen „Triumphbogen“ und „Kaisertor“ zur Diskussion. „Kaisertor“ erinnere an den hohen Besuch, der das Dorf vor mehr als 250 Jahren ehrte. Gestalt des Torbaus wie auch die Inschrift entspreche eher einem Triumphbogen – wenn auch mit einem außergewöhnlichen Dach.

Doch der Heimat- und Geschichtsverein will auch „Volkes Stimme“ hören. Deshalb bittet die Redaktion um die Meinung ihrer Leser, welche Bezeichnung für das Gebäude ihnen am besten gefällt. Oder vielleicht hat jemand eine ganz andere Idee. Wir sind gespannt auf Zuschriften per Mail an: red.heusenstamm@op-online.de. (clb)

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