Dreifach donnerndes „Heusestamm Helau“

Schlossstädter närrische Dreifaltigkeit FKK teilt ihren Schmerz zur ausgefallenen Kampagne

Mit einem Platzkonzert des TSV Blasorchesters auf dem Kirchplatz beginnt normalerweise der Sturm der Narren auf das Schlossrathaus und endet der Fastnachtszug durch die Altstadt. In diesem Jahr muss alles ausfallen.
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Mit einem Platzkonzert des TSV Blasorchesters auf dem Kirchplatz beginnt normalerweise der Sturm der Narren auf das Schlossrathaus und endet der Fastnachtszug durch die Altstadt. In diesem Jahr muss alles ausfallen.

„Ritzamba, Ritzamba, morsche fängt die Fassnacht aa.“ Mit den Klängen des Mainzer Narhallamarschs beginnt das Video-Gespräch mit Vertretern der närrischen Dreifaltigkeit FKK. Petra Klein von der Feuerwehr, Björn Uhl von der katholischen Pfarrgruppe sowie das Disharmonie-Präsidentenpaar Mechtild Kilian-Schädlich und Dieter Heberer mit dem KKD-Vorsitzenden Matthias Kilian tauschen sich aus über die nicht stattfindende Kampagne.

Heusenstamm – Vor zwei Jahren haben sich die fastnachtstreibenden Institutionen in der Schlossstadt – Feuerwehr, Kirche und Karneval Klub Disharmonie –  zusammengetan, um sich untereinander abzustimmen und das Rathaus gemeinsam zu stürmen. Nun teilen sie auch ihren Schmerz über Ausgefallenes.

„Es ist total ungewohnt“, sagt Petra Klein. Schon am vergangenen Wochenende wären die Kappenabende der Feuerwehr über die Bühne gegangen. „Aber es hat auch sein Gutes“, fügt die Organisatorin dieser Sitzungen an: „Keine Probleme mit dem Kartenvorverkauf, keine Ablaufplanung und unser Norbert hat sich nicht ein einziges Mal verbabbelt.“ Gemeint ist Norbert Herdt, mit dem Petra Klein und Frank Rebmann die Kappenabende moderieren. Und: „Wir konnten unser Essen endlich mal beim Asiaten bestellen“, freut sie sich. Diesmal keine Pizza, die sonst stets vor den Sitzungen für alle Aktiven bestellt wird.

„Komisch“ findet auch Dieter Heberer diese Tage: „Meine Frau ist schon ganz genervt, weil ich den ganzen Tag singend und reimend durch die Wohnung laufe.“

Freilich sei es schade, dass alles ausfällt, bedauert auch Matthias Kilian, „aber es zieht uns auch nicht den Boden unter den Füßen weg“. Man werde die Kampagne 2020 so wach halten, dass die Aktiven im nächsten Jahr mit Vollgas weitermachen. „Und wenn mal etwas ausfällt, wird einem doch bewusster, was einem fehlt“, meint Björn Uhl. Umso größer sei dann die Vorfreude auf die nächste Kampagne.

Allerdings bedaure sie, dass man bestimmte Leute nun nicht treffe, gibt Mechtild Kilian-Schädlich zu bedenken: „Während der Fastnachtszeit läuft einem ja die eine oder andere Pappnase über den Weg, die man den Rest des Jahres nicht oder nur ganz selten trifft.“

Bei Online-Sitzungen fehlt einfach das Publikum

Sicher habe man nachgedacht, ob man den Närrinnen und Narhallesen in Heusenstamm eine Alternative anbieten könne, berichtet Dieter Heberer. Aber so richtig gezündet habe keine Idee. Und der Aufwand etwa für eine Online-Sitzung sei extrem hoch. Zudem hätten bestimmte Gruppen wie die Heusendales oder die Prinzen nicht mitmachen können, weil deren Auftritte nicht ohne Nähe zueinander funktionieren, gibt Matthias Kilian zu Bedenken.

„Ich kann mir das mit einer Online-Sitzung nur ganz schwer vorstellen, weil das Publikum fehlt“, bestätigt Björn Uhl, der den Rosenmontags-Fastnachtscocktail der Pfarrgruppe und die Weiberfastnacht moderiert sowie im TSV Blasorchester spielt. Zudem fehle ihm dazu derzeit noch etwas: „Fastnacht ist ein Gefühl, das im Moment einfach nicht da ist.“ Björn Uhl gilt als sehr schlagfertig und reagiert am liebsten auf Zwischenrufe aus dem Publikum.

Etwas bedauern aber alle FKK-Verteter: „Gerade im Wahljahr hätte man beim Rathaussturm die Politiker wunderbar durch den Kakao ziehen können“, fasst es Björn Uhl zusammen.

Wenn am Dienstag Heusenstamms Narren durch die Altstadt gezogen wären, will zumindest Petra Klein gemeinsam mit Lebensgefährte Werner Konrad, ebenfalls zu Hause auf närrischen Bühnen, ihren eigenen Fastnachtszug veranstalten: „Wir ziehen mit Musik von der Küche ins Wohnzimmer, wieder zurück und einmal durch den Garten.“ „Werft ordentlich Kamelle“, rät Matthias Kilian noch, „dann freut ihr euch, wenn ihr sie an Ostern wieder findet“. Und Dieter Heberer ergänzt; „Darauf ein dreifach donnerndes Heusestamm Helau.“ (Von Claudia Bechthold)

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