Wandel im Druckgewerbe macht kleinen Betrieben das Überleben schwer

Druck-Service Baro: Das „Aus“ kam nach 42 Jahren

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Zur Einweihung der Heidelberger Druckmaschine kam auch der damalige Bürgermeister Josef Eckstein (links), auf dem Bild aus einer IHK-Zeitschrift mit Dirk und Rudolf Baro.

Heusenstamm - Einen eklatanten Wandel hat in den vergangenen rund 40 Jahren das Druckerei-Gewerbe erlebt. Die Folge war das allmähliche Sterben vor allem kleinerer Betriebe – auch in Heusenstamm. Kaum eine dieser Firmen existiert noch. Das gilt auch für den Druck-Service Baro. Von Claudia Bechthold 

Mindestens acht Namen in der Schlossstadt früher bekannter Druckereien kann Rudolf Baro aufzählen, deren Firmen es nicht mehr gibt. Andere bewegen sich zwar noch in diesem Metier, drucken aber selbst nicht mehr. Die Digitalisierung der Druck-Technik und vor allem das Internet haben es den kleineren Betrieben so schwer gemacht, dass es sich einfach nicht mehr lohnt.

Auch Rudolf Baro und seine Söhne Michael und Dirk haben jetzt aufgegeben. Seit dem 30. September 2017 gibt es die Druck-Service Baro GmbH nicht mehr. Wobei Rudolf Baro, dem die Schließung seiner Firma sichtlich schwer gefallen ist, vor allem das Schicksal als Ursache nennt. Denn dieses hat der Familie arg zugesetzt. Schwere Erkrankungen nicht nur des 82 Jahre alten Vaters ließen das Betreiben einer selbstständigen Druckerei letztlich nicht mehr zu. „Dennoch sind wir unseren Geschäfts- und Privatkunden sehr dankbar“, betont er im Gespräch immer wieder.

An der Franz-Rau-Straße hatte die Familie ihr Geschäft über viele Jahre. Gegründet allerdings wurde der Druck-Service an der Ludwigstraße. 1975 hatte sich der gelernte Schriftsetzer mit Meistertitel zu diesem Schritt entschlossen. Bis dahin war der Neu-Isenburger Betriebsleiter einer Druckerei in der Hugenottenstadt. Allerdings wohnte die Familie Baro schon seit 1968 in Heusenstamm. Da lag es nahe, dort auch den eigenen Betrieb zu eröffnen. Das Geschäft lief so gut, dass schon drei Jahre nach dem Start der Umzug in die Franz-Rau-Straße notwendig wurde.

Vor allem seinen guten Kontakten ist es wohl zu verdanken, dass Rudolf Baro schnell geschäftliche Erfolge feiern durfte. So erhielt der Betrieb zum Beispiel immer wieder größere Aufträge einer bundesweit agierenden Bank mit Sitz in Frankfurt. Briefpapier und Formulare für diese Bank wurden in Heusenstamm gedruckt. „Formulare braucht man heutzutage ja nicht mehr“, weist der Firmen-Senior auf einen der Gründe hin, die zum Untergang des Druckerei-Wesens beigetragen haben.

Aber auch in der Schlossstadt konnte der Betrieb immer besser Fuß fassen. Seine Mitwirkung im 1992 gegründeten Gewerbeverein etwa ließ Rudolf Baro bekannter werden. Vereine und Privatleute vertrauten ihm ihre Aufträge an. Sogar für die Volkshochschule druckte er Broschüren.

Bilder: Oldtimertreffen im Schlosshof

1979 kam Sohn Michael in den Betrieb. Später folgte Sohn Dirk, der bei Central-Druck an der Borsigstraße gelernt hatte. 1991 schließlich wagten die Baros eine große Investition. Sie kauften eine Zwei-Farben-Offset-Druckmaschine des Herstellers Heidelberg, die mit einem großen Fest, auch zugunsten der Deutschen Krebshilfe, eingeweiht wurde. Nach 42 Jahren nun wurde die Geschichte des Druck-Service Baro im vergangenen September abgeschlossen. „In Erinnerung bleibt uns eine schöne Zeit mit treuen Kunden“, betont Rudolf Baro.

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