„OP im Dialog“ mit Halil Öztas und Steffen Ball

Duell um den Chefsessel im Schloss

Fragerunde vor der Bürgermeisterwahl: Redakteurin Claudia Bechthold und Chefredakteur Axel Grysczyk (rechts) begrüßen Bürgermeister Halil Öztas (Zweiter von rechts) und Herausforderer Steffen Ball im Foyer der Offenbach-Post.
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Fragerunde vor der Bürgermeisterwahl: Redakteurin Claudia Bechthold und Chefredakteur Axel Grysczyk (rechts) begrüßen Bürgermeister Halil Öztas (Zweiter von rechts) und Herausforderer Steffen Ball im Foyer der Offenbach-Post.

Die Bürgermeisterkandidaten Halil Öztas und Steffen Ball werben im Dialog mit der Offenbach-Post um Wählerstimmen. Jeweils 45 Minuten spricht das Duo über Themen, die Heusenstamm bewegen.

Heusenstamm – Nur noch dreimal schlafen, dann sind die Heusenstammer aufgefordert, entweder Amtsinhaber Halil Öztas (SPD) oder Herausforderer Steffen Ball (CDU) zum Chef im Schlossrathaus für die kommenden sechs Jahre zu wählen. Bei „OP im Dialog“ stellen sich am Dienstagabend beide Kandidaten nacheinander jeweils 45 Minuten den Fragen von Chefredakteur Axel Grysczyk und Heusenstamm-Redakteurin Claudia Bechthold.

Amtsinhaber Öztas wirbt für die „gute Arbeit“, die er in den vergangenen fünfeinhalb Jahren mit seinem Team geleistet habe: „Viele Dinge, die wichtig waren, haben wir angestoßen, viele Dinge zu Ende gebracht.“ Er sei ein nahbarer Mensch, habe die Erfahrung und würde gerne seine Arbeit gerne vollenden. Er wolle auch weiter als Rathauschef 120 Prozent Leistung bringen, betont der 44-Jährige.

Herausforderer Ball möchte „mit jeder Faser seines Körpers Bürgermeister von Heusenstamm werden“. Er stehe unter anderem für eine gemäßigte Stadtentwicklung und möchte die verschiedenen Organisationen und Institutionen in der Stadt vernetzen: „Miteinander, statt übereinander reden.“ Auch wolle er dazu beitragen, dass „die Perle des Kreises“ zu einer der attraktivsten Städte wird, „in der man leben, wohnen und arbeiten möchte“.

Beide Kandidaten haben zu verschiedenen Themen Stellung bezogen. Ein Auszug:

Kita und Betreuung

Es gebe eine große Warteliste von weit mehr als 150 Kindern, die auf einen Kita- oder Betreuungsplatz warten, hat Ball als Problem ausgemacht. „Wir haben zwar Plätze geschaffen, aber zu wenig Betreuungspersonal.“ Daher brauche es ein echtes Anreizsystem, etwa zweckgebundenen Wohnraum für die Erzieherinnen. „Ich möchte die Eltern an diesem Prozess beteiligen.“ Damit würde man sowohl den Eltern als auch dem Betreuungssystem eine andere Bedeutung geben. Ball bringt zudem eine Erzieherinnenschule auf dem Campus ins Gespräch, da könne er zwar nichts versprechen, habe aber bereits Kontakte geknüpft. Das hätte auch den Vorteil: „Wer mal nach Heusenstamm kommt, möchte nicht mehr weg.“

Gegen den Fachkräftemangel beim Erziehungspersonal habe er in den vergangenen fünf Jahren viel auf den Weg gebracht, betont Öztas. „Wir haben Erfolge erzielt, aber es ist nicht ausreichend qualifiziertes Personal da.“ Er verweist unter anderem auf gute Erfahrungen mit von einer Agentur angeworbenen spanischen Erziehern, auf Verträge der Stadt mit Ausbildungsschulen, praxisvergütete Ausbildung und individuelle Konzepte in Kitas. „Die Grundlagen, die wir gelegt haben, werden sich in den nächsten Jahren auszahlen“, versichert der Amtsinhaber. Auf Nachfrage, dass weitaus nicht alle der während seiner Amtszeit geschaffenen Betreuungsplätze wegen Erziehermangels belegt seien, erwidert Öztas, es seien 283 Plätze auf den Weg gebracht worden, „24 davon werden dieses Jahr noch in Betrieb gehen“, sagt er mit Verweis auf die U3-Kita Philipp-Reis-Straße. „Ansonsten ist alles geschaffen worden.“

Schuldenstand / Stadtplanung

Es wurde in den vergangenen fünf Jahren viel in die Infrastruktur investiert, bilanziert Öztas mit Blick auf den mit 28,8 Millionen Euro belasteten Stadtsäckel. Und auch in der Zukunft müssten wichtige Investitionen in die Infrastruktur, etwa ins Straßen- und Kanalnetz, getätigt werden, „das wird nicht aufgeschoben“. Zudem habe die Stadt wirtschaftlich einen soliden Status: „Die Grundlagen für die Zukunft sind gelegt und es wird nicht zu einer Verdoppelung der Schulden kommen, wie es die FDP befürchtet“, sagt Öztas. Er wisse nicht, woher die Zahlen der Liberalen kommen.

Herausforderer Ball spricht von „guten und schlechten Schulden“. Schulden seien nicht generell schlecht, sie müssten aber das Vermögen der Stadt mehren und mit Augenmaß betrieben werden. Man müsse die Stadt verträglich entwickeln und einen verträglichen Haushalt aufstellen. Überall da, wo es möglich sei, etwa durch die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED, müsse Geld eingespart werden. Vielleicht brauche es auch ein engmaschigeres Controlling in Dienstleistung und Verwaltung, sagt Ball.

„Wir müssen uns sehr gut überlegen, in welcher Geschwindigkeit wir Menschen nach Heusenstamm holen“, da eine sozial verträgliche Entwicklung der Stadt auch etwas mit dem Haushalt zu tun habe. Daher plädiert er: „Wohnungen schaffen, ja, aber verträglich.“

Digitalisierung

Ball sieht bei der Digitalisierung der Verwaltung viele Hausaufgaben, die in der Vergangenheit nicht erledigt worden seien, „weil man vielleicht immer auf andere gewartet hat“. Natürlich sei eine Kommune von anderen abhängig, „aber gerade im Bereich der Beteiligung von Menschen an Prozessen gibt es ganz viele Möglichkeiten, die bisher verschlafen wurden“. Alles, was bei der Stadt zu erledigen sei, müsse sowohl analog als auch digital möglich sein, fordert der Christdemokrat. Ball verweist auf eine Heusenstamm-App oder einen Mängelmelder, die man einfach in Betrieb nehmen könne. Auch möchte er eine Stabstelle Digitalisierung einrichten, denn eine Digital-Strategie für die Schlossstadt sei eine der dringendsten Aufgaben.

Rathauschef Öztas verweist auf eine Arbeitsgruppe, die seit vergangenem Jahr dabei sei, in der Verwaltung sämtliche erforderlichen Voraussetzungen nach dem Online-Zugangsgesetz zu schaffen. „Da sind schon Vorarbeiten getan“, sagt Öztas. „Wir wollen in der Zukunft ein Angebot, mit dem Menschen neben den ganz normalen analogen Dienstleistungen von zu Hause aus auf Services der Stadt zurückgreifen können.“ Man arbeite an einer Rathaus-App. Er gehe davon aus, dass die Stadt Ende des kommenden Jahres die Digital-Angebote an den Start bringen kann. Zudem werde aktuell mit der Maingau Energie GmbH an öffentlichem WLAN in der Stadt gearbeitet. Man könne in der Verwaltung nur „Schritt für Schritt gehen, wenn man was Vernünftiges auf die Beine stellen will“, meint der Amtsinhaber.

Leserfragen

Öztas antwortet auf eine Leserfrage, warum in den Tempo-30-Zonen der Stadt nicht regelmäßig kontrolliert werde, 24 Stunden könne der Verkehr nicht überwacht werden. „Das Ordnungsamt kann nicht überall sein, macht aber einen tollen Job“, lobt Öztas.

Von Ball möchte ein Leser wissen, was mit seinen Anteilen an der Deutschen Gesellschaft für Innenentwicklung sei, die zu einem Interessenskonflikt für ihn als Bürgermeister führen würde. Der 53-Jährige versichert, er habe Anteile an der Firma, die er mitgegründet hat, im März verkauft. Somit habe er keine Verpflichtungen mehr gegenüber der Gesellschaft. „Und umgekehrt auch nicht.“

Weitere Leserfragen sowie die gesamten Interviews gibt’s auf dem Youtube-Kanal der Offenbach-Post. Noch ist offen, wer am Sonntag die Nase vorn haben wird, am heutigen Donnerstag zumindest haben beide Kandidaten erst mal einen Grund zu feiern: Beide haben Geburtstag. (Ronny Paul)

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