KERB IN REMBRÜCKEN Mitglieder des TV Rembrücken stemmen dreitägige Sause

„Ein Aushängeschild des Vereins“

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Angebot für Klein und Groß: Der Musikverein Weiskirchen unterhält die Gäste mit schwungvollen Klängen. 

Ein kurzes Richten und Rütteln, bevor es in luftige Höhe geht. Edel ist er gekleidet, der Kerbborsch von Rembrücken. 

Heusenstamm – Im grauen Anzug wartet der stille Beobachter darauf, dass die Mitglieder des Turnverein Rembrücken (TV) den Kerbbaum in sein Loch vor der Alten Schule hieven. Vorher wird die umfunktionierte Koppelstange auf starken Schultern zum Ort des Geschehens getragen.

Schaulustige haben sich bereits auf dem alten Marktplatz zwischen Schule und Mariä Opferung eingefunden. Die Mitglieder des TV wuseln zwischen den Ständen umher, bis man in der Ferne den Marsch mit dem Kerbbaum hört. Der Musikverein Weiskirchen schreitet voran, dann folgen die „alten Herren“ der Fußballabteilung und den Schluss bildet der Nachwuchs derselben. Mit purer Muskelkraft stemmen die Fußballer schließlich den weißen Stamm ins Loch. Unter Borkenkrone und buntem Kranz hat der Kerbborsch einen guten Blick auf das Gotteshaus, dessen Kirchweih alljährlich gefeiert wird.

„Die Kerb ist mittlerweile ein Aushängeschild des Vereins geworden.“

Seit rund 35 Jahren liegt das Fest in der Hand des Vereins. „Die Stadt stellt ein paar Fahrgeschäfte auf, aber wir sind für die Bewirtung und die Musik zuständig“, erläutert Vorsitzender Peter Mohr. Für die drei Tage Kerbtreiben seien fünf Tage Dauereinsatz nötig. Dazu leisten die Mitglieder der unterschiedlichen Abteilungen etwa 100 Schichten. „Die Kerb ist mittlerweile ein Aushängeschild des Vereins geworden.“ Anlehnend an alte Traditionen eröffnet auch Bürgemeister Halil Öztas die Kerb in Reimform.

Über die Jahre ist das Fest gewachsen. Die in Vergessenheit geratenen Traditionen hat der TV in den 70er-Jahren wieder aufleben lassen. Arnold und Roswita Subtil kümmern sich seither um das Schmücken von Baum und Kranz, auch den Kerbborsch, der heute Abend zu Grabe getragen wird, baut das Ehepaar mit viel Hingabe. „Was Traditionen betrifft, ist die Gesellschaft müde geworden“, sagt Subtil. „Es kostet zwar viel Zeit, aber macht einfach Spaß“, begründet er sein Engagement.

Das Ehepaar Wirz mit Enkelin Rosa Carlotta genießt das Kerbtreiben in Rembrücken. 

Zwar bedeutet die Organisation des Festes viel Aufwand, doch ist die besondere, familiäre Atmosphäre auf dem Kerbplatz der Lohn dafür. Der Süßigkeitenstand lässt vor allem die Kinderaugen leuchten, wenn das Lebkuchenherz fast größer als der Träger ist. Die kleine Rosa Carlotta entscheidet sich jedoch für Schaumzucker. Gemeinsam mit ihren Großeltern Armin und Sieglinde Wirz sammelt die Dreijährige ihre ersten Kerberfahrungen. „Sie ist heute zum ersten Mal Karussell gefahren“, berichtet die Großmutter. Auf die Frage, ob es Spaß gemacht hat, antwortet das Mädchen mit einem kräftigen Nicken, bevor es beherzt in die schokolierte Waffel beißt. Noch ahnt die Dreijährige vielleicht nicht, dass die Kirchweih von größerer Bedeutung für sie ist. „Ich habe meinen Mann vor 42 Jahren auf der Kerb kennengelernt“, verrät Wirz.

„Es wird wieder unterhaltsam“

Heute Abend sorgen die Musiker von „Doppel(s)pass“ für einen letzten stimmungsvollen Abend. Den Höhepunkt bildet jedoch das Dreiergespann des Bürgerforums: Dr. Hartmut von Kienle, Patrick Witte und André Iseler nehmen in ihrer Grabrede die Geschehnisse des vergangenen Jahres auseinander und die Politik aufs Korn. „Die Rede entsteht traditionell beim Frühschoppen“, sagt von Kienle. Über den Inhalt verrät er jedoch noch nichts. „Es wird wieder unterhaltsam“, sagt er schmunzelnd.

Die Zuckerstände und Fahrgeschäfte öffnen heute um 16 Uhr, die Stände des Vereins um 17 Uhr. Die Verbrennung des Kerbborschs ist um 21.30 Uhr auf dem Kerbplatz.

VON LISA SCHMEDEMANN

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