Ein Buch von Stefan König

Zwei Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek in den Ruhestand verabschiedet

In den Ruhestand wechselten Anita Ruppert (Zweite von links mit Ehemann Dietmar) und Andrea Demar-Krimm (rechts). Der Abschied fiel Bücherei-Leiterin Katja Richter (Zweite von rechts), nicht leicht.
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In den Ruhestand wechselten Anita Ruppert (Zweite von links mit Ehemann Dietmar) und Andrea Demar-Krimm (rechts). Der Abschied fiel Bücherei-Leiterin Katja Richter (Zweite von rechts), nicht leicht.

Man verstehe sich ohne Worte, wisse, wie die andere tickt, sagt Katja Richter, Leiterin der Stadtbücherei, über die Zusammenarbeit mit ihren bislang drei Mitarbeiterinnen. Jetzt sind Andrea Demar-Krimm und Anita Ruppert in den Ruhestand gegangen. Das Team um Katja Richter besteht nun aus Cornelia Laucht und – seit 1. Juli – Laura Sauer.

Heusenstamm – Rund 28 Jahre haben die vier Damen eng zusammengearbeitet und die Bücherei nach und nach erweitert. „Wir waren so etwas wie ein altes Ehepaar“, betont Katja Richter. Und sie vermutet, dass auch die Kundinnen und Kunden gespürt haben, dass die Chemie in dem Vierer-Team stimmt. Freilich verlaufe der Alltag bei vier Frauen auch nicht immer ganz reibungslos: „Aber am Ende hat es immer gepasst und verlief harmonisch.“

Als die Germanistin Katja Richter 1993 die Leitung der Einrichtung übernommen hat, waren Andrea Demar-Krimm und Cornelia Laucht schon da. Anita Ruppert kam im Mai desselben Jahres dazu. „Andrea Demar-Krimm hat schon zu Zeiten von Gudrun Ladewig, die die Bücherei gegründet hat, als Aushilfe mitgearbeitet“, erinnert sich Katja Richter.

Etwa tausend Bücher und ein paar Kassetten konnte man damals dort ausleihen. Inzwischen sind es rund 28 000 Medien inklusive DVDs und Hörbücher. CDs indes verschwinden allmählich aus dem Sortiment. „Dafür bauen wir gerade unseren Bestand an Tonies aus.“ Tonies sind kleine Figuren mit einem Speicherchip, auf denen Hörbücher für Kinder gespeichert sind. Die Figuren werden in eine passende Box gesteckt und Kinder können sich Geschichten anhören.

Zwei oder drei Leitz-Ordner habe man ihr damals in die Hand gedrückt mit den Worten „das ist die Bücherei“, weiß Katja Richter noch genau. Gemeinsam mit den drei Damen habe man sich dann an die Arbeit gemacht: mit Karteikarten für jedes einzelne Medium und an der Schreibmaschine.

Seit dem Umzug der Stadtverwaltung Anfang der 1980er Jahre ins Schönbornsche Schloss hat die Bücherei im 1744 als Schulhaus errichteten Gebäude und dessen Anbau am Kirchplatz ihren Sitz. Zu den großen Ereignissen während der Berufszeit von Andrea Demar-Krimm und Anita Ruppert zählt der große Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes zur Musikschule im Jahr 2009, der auch die Bücherei betraf. „Weil wir keinen Platz zum Auslagern der Bücher hatten, mussten wir alle Regale in die Mitte der Räume schieben und in Folie einschweißen“, schildert Katja Richter die drei Monate, während der die Stadtbücherei mit der offiziellen Anschrift Schlossstraße 10 damals geschlossen bleiben musste. „Wir waren fast so etwas wie Bauarbeiter und haben regelmäßig auch für Handwerker-Frühstück mit LKW gesorgt.“ Hinter der Abkürzung verbirgt sich übrigens kein Lastwagen, sondern ein „Leberkäs’-Weck“.

Ihre Kolleginnen seien sich für nichts zu schade gewesen, betont die Leiterin weiter. Auch nicht für das Schleppen von Bänken bei Festen oder das Backen von Waffeln. Und wenn es darauf ankam, hätten stets die Familien mitgeholfen. Ebenso habe sie die Kinder ihrer Kolleginnen aufwachsen sehen.

Und natürlich habe es auch immer wieder lustige Begegnungen gegeben. So erinnert sich Katja Richter an eine ältere Dame, die ins Haus der Literatur kam und „ein Buch von Stefan König“ wünschte. „Wir haben einige Zeit gebraucht, bis wir raus hatten, dass sie ein Buch von Stephen King gesucht hat.“

Bürgermeister Halil Öztas und Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu haben Andrea Demar-Krimm und Anita Ruppert, begleitet von ihrem Mann Dietmar, jetzt im kleinen Kreis in den Ruhestand verabschiedet. Büchereileiterin Katja Richter, die mehrmals kräftig schlucken musste, dankte den beiden Kolleginnen: „Eine längere Zeit in einem Unternehmen oder einer Behörde tätig zu sein, ist ja nicht unbedingt ungewöhnlich. Aber knapp 30 Jahre lang unverändert als Team mit den gleichen Kolleginnen zusammenzuarbeiten, das ist etwas ganz Besonderes.“

Im September will die Stadtbücherei übrigens wieder zu ihren normalen Öffnungszeiten zurückkehren. „Und den Bücher-Flohmarkt, immer am zweiten Samstag eines Monats, zugunsten der Hilfe für Eritrea dürfen wir dann auch wieder anbieten“, betont Katja Richter. (Von Claudia Bechthold)

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