Ein Haus für den Hirten

Schilder des Bürgerforums informieren über historische Gebäude Rembrückens

Das „Doktorhaus“ an der Hauptstraße diente zunächst dem Ortshirten als Wohnung.
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Das „Doktorhaus“ an der Hauptstraße diente zunächst dem Ortshirten als Wohnung.

Schilder machen seit einigen Tagen auf wichtige Gebäude in Rembrücken aufmerksam und erläutern deren Bedeutung. Das ist eine Initiative des Bürgerforums.

Heusenstamm – Vor 753 Jahren wurde der Ort Rembrücken erstmals urkundlich erwähnt. Mit einem großen Fest wurde vor drei Jahren dieses Ereignisses gedacht. Nicht erst seitdem ist das Bürgerforum, ein loser Zusammenschluss von Bürgern des Heusenstammer Stadtteils, engagiert, auf die Geschichte aufmerksam zu machen und die Erinnerung wachzuhalten. Dies geschah unter anderem mit einem Buch, das zur 750-Jahr-Feier erschienen ist. Geschichte und Geschichten des Stadtteils erzählen darin dem Leser allerlei Wissenswertes. Das Buch ist übrigens weiterhin für zehn Euro erhältlich.

Doch auch den zufälligen Besucher des Stadtteils wollen die Mitglieder des Bürgerforums auf Historisches hinweisen. Deshalb habe man sich entschieden, Info-Tafeln anfertigen zu lassen, die nach und nach an den entsprechenden Häusern angebracht werden.

Dazu zählt die Kirche Mariä Opferung an der Hauptstraße im alten Ortskern. Der Leser erfährt, dass das Gotteshaus 1925 anstelle der abgerissenen Kapelle errichtet wurde. Erwähnt wird zum Beispiel auch, dass das Gebäude aus Geldmangel zunächst unverputzt blieb. Erst im Jahr 2006 erhielt die Kirche ihren heutigen Anstrich.

Aber auch die kleine Kapelle findet Erwähnung, die 1756 auf Initiative eines Pfarrers aus Weiskirchen aus dem Material einer Wallfahrtskirche in Krotzenburg gebaut worden war. Beide Schilder sind bereits angebracht und wurden dieser Tage auch von Pfarrer Martin Weber gesegnet. Die Kapelle ist insofern wichtig, als sie den sogenannten Rembrücker Altar beherbergte, der lange Zeit als verschollen galt und 2008 von Professor Elmar Götz im Archiv des Mainzer Dommuseums wiederentdeckt wurde. Heute ist das Renaissance-Kunstwerk im Haus der Stadtgeschichte in Heusenstamm zu bewundern.

Auch auf die Alte Schule am Dorfplatz im Rembrücker Ortskern macht bereits ein solches Schild aufmerksam. Seit 1879 steht sie und wird heute vor allem als kleiner Saal für Versammlungen, für Kurse und Vereinsveranstaltungen genutzt.

Eines der ältesten Häuser des Stadtteils ist die heutige Gaststätte „Zur Rose“, ebenfalls an der Hauptstraße. Vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude errichtet, muss aber während der napoleonischen Kriege mehrfach „total demoliert“ worden sein, wie es alten Aufzeichnungen zu entnehmen ist.

Das sogenannte Doktorhaus an der Hauptstraße schließlich wird ebenfalls mit einer solchen Info-Tafel ausgestattet. Erbaut wurde es 1879 von der Gemeinde als „Hirtenhaus“. Der Hirte musste auch als Nachtwächter arbeiten und von 1919 an die Straßenbeleuchtung ein- und auch wieder ausschalten.

Von 1947 bis zum Beginn der 1970er Jahre diente das Gebäude, in dem sich weiterhin Wohnungen befanden, außerdem als Bürgermeisterei, in der auch der „Gemeinderechner“ seinen Schreibtisch hatte.

Seinen heutigen Namen erhielt das Haus aber erst, nachdem ein Arzt 1993 im in den 1960ern errichteten Anbau seine Praxis eröffnet hatte. Inzwischen hat dieser das Gebäude erworben und ausgebaut. Heute wird es nur noch als Wohnhaus genutzt. (Von Claudia Bechthold)

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