Förderverein überrascht mit Geschenken zum Gemeindefest

Eine Bank für 3 333 Christen

+
Neue Bank besetzt: Susanne Winkler, Heidemarie Eickmeier und Sven Sabary (hinten, von links) mit Gästen.

Manches, was an Heiligabend ausgepackt wird, verstaubt im Keller oder landet bei Ebay. 

Heusenstamm – Der Förderverein der Evangelischen Kirchengemeinde darf sich sicher sein, seine Geschenke für das Familienzentrum an der Leibnizstraße, die es zum Fest am Sonntag gab, werden auch in den nächsten Jahren nichts von ihrer Attraktivität verlieren. Die Senioren bekamen eine Sitzbank, die Jugend einen Tischkicker.

Vereinsvorsitzende Heidemarie Eickmeier betont, der Gebrauch stünde freilich allen Altersklassen offen. So könnte sich die Großelterngeneration am Kicker probieren und die Enkel auf der Bank niederlassen. Beim Tischfußball fallen bald nach dem Gottesdienst zur Eröffnung erste Tore. Jonas Kumpan organisiert ein Turnier für sechs Teams. Der 21 Jahre alte Neffe von Pfarrer Sven Sabary absolviert derzeit beim DFB in Frankfurt ein Praktikum.

„Die schätzen die Arbeit, die wir machen“

Sabary betont, der vor zwei Jahren gegründete Förderverein stünde nicht nur den exakt 3333 protestantischen Gemeindemitgliedern offen. Auch Katholiken und Muslime seien eingetreten, „die schätzen die Arbeit, die wir machen“. Das unterstreicht Heidemarie Eickmeier, die von sich sagt, gewiss nicht zu jenen zu gehören, die man jeden Sonntag im Gottesdienst treffe.

Heusenstamm hat ein Problem: Für Gruppen und Vereine gibt es zu wenig Gemeinschaftsräume. Im Familienzentrum können prinzipiell alle mieten. Auf dem Plan stehen etwa die türkische Frauen- oder die Malteser Hospizgruppe, ebenso trifft sich eine Bridgerunde von Damen. Pfarrerin Susanne Winkler erzählt, die Kartenspielerinnen freuten sich, dass parallel ein Tanzkurs von Kindern stattfinde.

Die meisten deutschen Gemeinden müssen mit Mitgliederschwund leben. „Zu Hochzeiten waren in Heusenstamm einmal über 6000 Protestanten gemeldet“, erzählt Winkler aus einer Zeit, die sie selbst nicht erlebte. Die 39-Jährige wuchs in der eigenen Familie mit dem Problem auf, dass die Kirche zu kämpfen hat, „meine Mutter war Pfarrerin in der DDR“. In dem Staat durfte auch bei besten Noten nicht jeder sein Abitur machen, geschweige denn studieren, was er wollte. Winkler erzählt, ihre Mutter hätte wählen dürfen, „entweder Maschinenbau oder Theologie“.

Mit großen Seifenblasen punktet Clown Lotti beim evangelischen Gemeindefest nicht nur bei den Kindern. 

Winkler erinnert sich, wie sie in der Leipziger ersten Klasse als einzige nicht zu den Jungpionieren ging. Zum einen, weil die Eltern das nicht wollten, zum anderen hatte ein älterer Bruder erzählt, wie dämlich es dort zuginge. Bis heute könne sie nicht verstehen, wie sich Menschen freiwillig uniformierten.

Wer Winklers Kollege Sven Sabary in der Suchmaschine eingibt, erhält automatisch die Ergänzung „Architekt“. Dahinter steckt tatsächlich der Heusenstammer Pfarrer, der einst in dem Beruf für ein Stuttgarter Büro arbeitete. Unzufrieden sei er nicht gewesen. Der Gedanke, Pfarrer zu werden, hätte ihn jedoch immer begleitet. In seinen Dreißigern fing der gebürtige Mönchengladbacher schließlich an, Theologie zu studieren. Sein Chef in der Firma hielt ihm seine Stelle für zwei Semester offen. Vor sechs Jahren übernahm der 48-Jährige die Gemeinde in der Schlossstadt, im gleichen Jahr wie Susanne Winkler.

Im Garten fabriziert Clown „Lotti“ zur Freunde der Kinder riesige Seifenblasen. Von der Seite schaut Elke John zu. Die Leiterin der Waldschule Obertshausen agiert in der Heusenstammer Gemeinde als stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende.

Hinter dem Haus spielt die Band „SandRock55“, ebenfalls eine der Gruppen, die im Familienzentrum regelmäßig Platz finden. Die Mitglieder von „SandRock55“ waren noch jung, als der Liedermacher Hannes Wader 1972 das Lied veröffentlichte, das die Band zum Finale ihres Auftritts intoniert. Textsicher singt ein Mädchen im Grundschulalter mit: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.“

VON STEFAN MANGOLD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare