Eine eingeschworene Gemeinschaft

Theatergruppe Spunk mit dem Kulturpreis der Stadt Heusenstamm ausgezeichnet

Jubel über den Kulturpreis, in Zeitlupe vorgetragen von der gerade ausgezeichneten Theatergruppe Spunk.
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Jubel über den Kulturpreis, in Zeitlupe vorgetragen von der gerade ausgezeichneten Theatergruppe Spunk.

Eine eingeschworene Gemeinschaft Kulturschaffender nennt Bürgermeister Halil Öztas die zwölf Mitglieder der Theatergruppe Spunk. Am Sonntagabend wurde der Freundeskreis, der seit Jahren vor allem den Heusenstammer Kultursommer bereichert, mit dem Kulturpreis der Stadt, der mit einem Preisgeld von 500 Euro verbunden ist, ausgezeichnet.

Heusenstamm – Nach einer Begrüßung durch Kulturamtsleiter Giovanni Longhitano gehörte die kleine Bühne am Bannturm an diesem Abend zunächst den Spunks. Martina Hartmann-Abass an der Gitarre und Meike Brückmann gaben „Budapest“, den Erfolgssong von George Ezra, zum Besten. Das Besondere: Meike Brückmann genügten ein Tisch, ein Zahnputzbecher und ihre Hände für die Percussion.

„Ihrem Mann wird nichts geschehen, wenn Sie zahlen“, begann Christoph Eckert anschließend einen Sketch, bei dem er als „Entführer“ Instruktionen für eine Geldübergabe loswerden möchte. Allerdings hat er nicht die Ehefrau, sondern – zum Vergnügen der Zuschauer - ein Kind am Apparat, das ihn raffiniert austrickst, sodass ihn am Ende die Polizei erwischen kann.

Persönliche Verbindung ist das Geheimnis

Kulturelles und künstlerisches Schaffen drücke der Heimat einen Stempel auf, sagte der Bürgermeister in seiner Laudatio. Und der Abdruck, den dieser Stempel hinterlasse, sei die Identität der Heimat, die maßgeblich zum Gesamtbild beitrage. Die Theatergruppe Spunk seien ein Dutzend Frauen und Männer, die seit inzwischen 27 Jahren gemeinsam Theater spielen. Sie kennen sich seit der Schulzeit und sind eng befreundet. „Diese enge persönliche Verbindung dürfte eines der Geheimnisse sein, warum das Miteinander auf und hinter der Bühne so gut funktioniert – auch ohne eine Person, die die Leitung oder Regie offiziell übernimmt“, vermutete Öztas.

Die Gruppe, die sich nach einem von Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ erfundenen Wort benannt hat, wähle gerne Theater-Klassiker, die durch Kopf und Hand von „Chef-Stückeschreiber Christoph Eckert gejagt“ würden, um sie mit viel Kreativität, Humor und Cleverness zu adaptieren, zu modernisieren und manchmal auch zu verfremden, fasste der Bürgermeister die Aktivitäten der Spunks zusammen: „Heraus kommt stets ein Bühnenwerk, das die eindeutige Spunk-Handschrift trägt und die Zuschauer stets von den Stühlen holt.“

Im Anschluss überreichte der Bürgermeister den Preis an Patrick Beckert, Meike Brückmann, Christoph Eckert, Nora Enns-Hebestreit, Martina Hartmann-Abass, Doris und Michael Hay, Frank Plomer, Dirk und Stefanie Reiser, Paula Roth-Silva und Melanie Tsaldaris.

Ein „klitzekleines Bisschen Kultur“

Nur kurz verwunderte die Zuschauer, dass Öztas auch einen Pokal an die Gruppe übergab. Den hatten die Spunks, wie sich später herausstellte, selbst mitgebracht. Er diente lediglich als Vehikel für eine weitere kurze Darbietung: In Zeitlupe stellten die Zwölf den Jubel dar, wie man ihn etwa von Fußballern kennt.

Dirk Reiser dankte im Namen der Gruppe nicht nur für den Preis und die Anerkennung, sondern auch für die „wunderschöne Feier“, die das Team vom Kulturamt organisiert hatte. Und auch dafür, dass in Corona-Zeiten mal wieder ein klitzekleines Bisschen Kultur stattfinde.

Angefangen habe man als eine Gruppe junger Leute, die zusammen auf einer Bühne stehen, und denen vor allem Verwandte und Freunde dabei zusehen. Und nun, zumindest an diesem Abend, sei das ja nicht anders, meinte Dirk Reiser mit Blick auf die wegen Corona eingeschränkten Zahl der Zuschauer. Nein, tatsächlich habe man dafür gesorgt, dass sich die Fangemeinde vergrößert, sagte er und zählte die Kinder auf, die aus den einstigen Schulabgängern inzwischen Familien gemacht haben.

Alle bringen Ideen und Talente ein

Das Markenzeichen der Spunkies sei, dass alle ihre Ideen und Talente einbringen, was vor allem im vergangenen Jahr zu sehen war, als man einen bunten Abend mit Kabarett, Sketchen und Musik präsentiert hatte. Man sei basisdemokratisch, was die Angelegenheit schwierig mache, aber „so bleibt Spunk lebendig“.

Und am Ende gab Dirk Reiser noch einen Ausblick auf den nächsten Kultursommer, für den man sich das Stück „Einer von uns“ vorgenommen habe. Dabei gehe es, bis dahin hochaktuell, um eine Bürgermeisterwahl. Ähnlichkeiten mit der dann in Heusenstamm anstehenden Wahl seien nicht beabsichtigt: „Aber vielleicht können nach den nächsten Wahlen die Fronten zwischen den demokratischen Parteien mal wieder überwunden werden, die automatisierten Vorwürfe aufhören und so etwas wie Gesprächskultur entstehen. Das wäre dann vielleicht den Kulturpreis 2021 wert.“

Der Abend endet mit dem Song „The Final Countdown“, von den Spunks vorgetragen auf zu Musikinstrumenten umfunktionierten Gießkannen. (Claudia Bechthold)

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