Eine Feder am Glockenwerk von St. Cäcilia ist kaputt und muss ersetzt werden

Nur Bim - ohne Bam

Heusenstamm - Die Uhrzeit wird im Kern der Schlossstadt geschlagen. Allerdings etwas einseitig. Statt des gewohnten Bim-Bam zu jeder Viertelstunde hören die Heusenstammer seit einigen Tagen nur ein Bim. Schuld ist eine Feder.

Bim-Bam macht es jeden Tag in der Altstadt von St. Cäcilia herunter. Zu jeder Viertelstunde wird die Zeit geschlagen, einmal um Viertel nach, zweimal um halb, dreimal um Viertel vor und viermal zur vollen Stunde. Danach erklingt der Schlag einer Glocke, der die Uhrzeit der vollen Stunde angibt. Größeres Geläut erfolgt um 12 Uhr und um 18 Uhr. Seit Tagen aber fehlt einer dieser Schläge. Das Bam zwischen den vollen Stunden bleibt aus.

Die „Hammer“ für die Schläge des Uhrwerks sitzen auf den Glocken. Sie schlagen unabhängig von den Klöppeln in den Glocken, die das eigentliche Geläut auslösen. Elfriede Helm, Küsterin für St. Cäcilia, kennt das Werk genau. Dass das Bam ausbleibt, liege an einer Feder, die kaputt sei, weiß die Küsterin. Die zuständige Firma sei bereits da gewesen und habe sich den Schaden angesehen. Nun müsse eine neue Feder beschafft werden. Wann diese ausgetauscht werden kann, sei noch nicht bekannt.

Vier Glocken hängen im Turm der Balthasar-Neumann-Kirche. Es ist bereits das vierte Geläut. 1740 wurden die ersten drei Glocken dort aufgehängt, sie stammten aus Würzburg. 1894 wurden sie renoviert. Leider hielt das nur acht Jahre. 1902 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein. Der Dachstuhl brannte ab, Orgel, Glocken und Turmuhr wurden zerstört. Auch die Deckengemälde wurden stark beschädigt.

Die Firma Hamm in Frankenthal erhielt danach den Auftrag, drei neue Glocken zu gießen. Doch auch zwei dieser Glocken sollten nicht lange von Gottesdiensten und Uhrzeiten künden. Man schmolz sie während des Ersten Weltkriegs ein. So folgte 1921 das dritte Geläut. Die Firma Ulrich in Apolda erhielt diesmal den Auftrag, zwei neue Glocken zu gießen. Das Gewicht dieser Glocken mit den Tönen „e“, „fis“ und „gis“ lag übrigens zwischen 417 und 1026 Kilogramm.

Der Glockenspieler vom Bartholomäusturm

Aber auch der Zweite Weltkrieg forderte seinen Tribut. Wieder war den Kriegsführern das Metall der Glocken wichtiger als das klingende Gotteslob. Erneut sollten daraus Waffen werden. Aber schon 1950 hatte die Gemeinde offensichtlich genügend Geld beisammen, um wieder Glocken bestellen zu können. Diesmal wurde das Geläut erweitert. Vier Glocken lassen seitdem ihren Klang erschallen, gegossen von der Firma Schilling.

Von diesen Glocken sind auch die Namen bekannt. Da ist „Christkönig“, der 1290 Kilogramm schwer und auf „gis“ gestimmt ist. Ein „fis“ schlägt „Maria“, mit 715 Kilogramm die zweitgrößte Glocke. „Cäcilia“ heißt die dritte, sie wiegt 495 Kilogramm und lässt ein „dis“ erklingen. Die vierte Glocke heißt Josef, schlägt ein „ais“ und wiegt 345 Kilogramm. Nur Josef hängt übrigens an einem Stahljoch, alle anderen werden von Holz getragen. Zuerst bemerkt haben das fehlende Bam übrigens die Messdiener, auf die Elfriede Helm besonders stolz ist. Vermutlich ist es manchem Bürger bislang noch gar nicht aufgefallen. (clb)

Rubriklistenbild: © Archivbild: Roß

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