Eine großartige Gemeinschaft

Nachwuchs in den Vereinen: Erfolg mit Jugendarbeit beim Heusenstammer TSV-Blasorchester

Seit ihrem achten Lebensjahr musizieren sie gemeinsam in der Abteilung Blasorchester der TSV (von links): Jana Krostewitz, Björn Uhl und Juliane Prokaksy, die inzwischen alle drei dem Vorstand angehören.
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Seit ihrem achten Lebensjahr musizieren sie gemeinsam in der Abteilung Blasorchester der TSV (von links): Jana Krostewitz, Björn Uhl und Juliane Prokaksy, die inzwischen alle drei dem Vorstand angehören.

Das Blasorchester der TSV beweist erfolgreiche Jugendarbeit. Mit einem Durchschnittsalter von nur 26 Jahren zeigt die Abteilung, dass junge Menschen für Vereine begeistert werden können.

Heusenstamm – So mancher Verein klagt über Nachwuchssorgen. Junge Menschen an einen Verein zu binden, wird immer schwieriger, sie zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu bewegen, gar fast unmöglich. Das gilt auch für die eine oder andere Abteilung in der TSV, mit rund 2700 Mitgliedern Heusenstamms größter Verein. Grundsätzlich aber steht Jugendarbeit in dem Verein stets ganz oben auf der Agenda.

Das Blasorchester der TSV zum Beispiel hat im Februar – kurz vor dem Lockdown – einen neuen Vorstand gewählt, der bei dreizehn Mitgliedern ein Durchschnittsalter von nur 28 Jahren vorweisen kann. Insgesamt hat die Abteilung bei ihren Aktiven sogar ein Durchschnittsalter von nur 26 Jahren. Was machen die Musiker anders, dass es ihnen gelingt, junge Menschen so für die Sache zu begeistern, dass sie nicht nur im Verein bleiben, sondern sogar bereit sind, zusätzlich ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen – also Freizeit zu investieren?

Juliane Prokasky, Jana Krostewitz und Björn Uhl gehören zu den jungen Leuten, die im Vorstand der Abteilung mitarbeiten. Während Jana Krostewitz im Februar zum ersten Mal in den Vorstand gewählt wurde, sind Juliane Prokasky und Björn Uhl schon seit vier Jahren dabei. Juliane Prokasky ist sogar stellvertretende Vorsitzende.

„Das ist einfach eine großartige Gemeinschaft“, schwärmt Juliane Prokasky, wenn man sie fragt, warum sie so aktiv dabei ist. Aus dem Musizieren sei außerdem ein großer Freundeskreis gewachsen, viele verbringen auch ihre Freizeit gemeinsam.

Im Alter von sieben Jahren mit der Blockflöte angefangen

Mit dem Erlernen des Blockflöten-Spiels haben alle drei im Alter von sieben Jahren gemeinsam beim Blasorchester angefangen. Im Jahr 2002 zählten sie dann zur ersten Bläserklasse, die die Gemeinschaft damals ins Leben gerufen hat. Unter der Ägide von Gundi Wilz, 18 Jahre lang Leiterin der Abteilung, hatte der damalige Dirigent Thomas Uhl die Idee umgesetzt, Kinder und Jugendliche schon früh an das Spiel in einem Orchester heranzuführen. Bis heute gelingt es den TSVlern auf diese Weise immer wieder Nachwuchs zu gewinnen.

Doch das allein genügt freilich nicht, um so erfolgreich in der Jugendarbeit zu sein. „Als ich in der Bläserklasse angefangen habe, wollte ich natürlich irgendwann im großen Orchester mitspielen“, erinnert sich Jana Krostewitz. Stufe für Stufe, von der ersten über die zweite Bläserklasse ins Jugendorchester habe sie dieses Ziel stets im Blick gehabt, erläutert die Klarinettistin. Vor allem aber habe sie immer das Gefühl gehabt, Ideen anbringen, etwas bewegen zu können: „Da ist man dann auch eher bereit, noch mal eine Schippe draufzulegen.“ Stets seien alle – auch die Jugendlichen – bei bevorstehenden Ereignissen, wie etwa den Konzerten, gefragt worden, wer etwas dazu beitragen könne. Und wer sich meldet, werde ernst genommen.

Früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen

Aber das habe immer auch bedeutet, dass jeder seinen eigenen Beitrag zum Beispiel zu Veranstaltungen leisten musste. Und wenn es nur um das Aufbauen der Stuhlreihen gegangen sei, immer sei die Beteiligung aller erwartet worden.

Früh haben die jungen Leute in der Abteilung aber auch gelernt, Verantwortung zu übernehmen. „Wenn das Jugendorchester ein Konzert geben wollte, hieß es, ja, könnt ihr machen, aber ihr müsst alles allein organisieren“, berichtet Björn Uhl. Das motiviere natürlich.

Der Wechsel vom Jugend- ins große Orchester sei dann aber der eigentliche Test, ob jemand wirklich Interesse hat am Mitwirken, meint Björn Uhl. Denn die Proben der Erwachsenen finden freitags von 20 bis 22 Uhr statt. Eine Zeit also, die junge Leute meist lieber zum Ausgehen nutzen. Wer dennoch regelmäßig zu den Proben erscheint, bleibt auch dabei. „Da kristallisiert es sich dann heraus“, bekräftigt Jana Krostewitz diese These.

Der Weg zur Mitarbeit im Vorstand sei dann nicht mehr weit. Wobei Björn Uhl der Überzeugung ist, dass Ehrenamtler irgendwie ähnliche Typen seien: „Da gibt es die Typen, die meckern, und jene, die sagen, ich will etwas machen, etwas verändern. Und so manchem wird das Engagement auch von den Eltern vorgelebt.“ Außerdem werde man beim Blasorchester auch angesprochen, ob man mitwirken wolle, ergänzt Juliane Prokasky.

Die Maxime heißt: „Vormachen, nachmachen, mitmachen.“

„Wir haben als großer Verein mit mehreren Abteilungen den großen Vorteil, dass wir uns auch daran orientieren können, was woanders Erfolg hat“, erläutert Eugen Kern, zweiter Vorsitzender des Gesamtvereins. Und Mitglieder können sich aussuchen, welche Angebote ihnen Spaß machen. „Wir können den Neigungen der Kinder und Jugendlichen entgegenkommen.“ Wenn Abteilungen Nachwuchssorgen hätten, dann meist jene, in denen es keine Jugendarbeit gibt oder geben kann. Aber wo es möglich sei, Kindern und jungen Menschen etwas anzubieten, tue man das auch. Gute Beispiele für viel Jugendarbeit seien auch die Dance Academy oder die Turnabteilung inklusive der Cheerleader. Gleiches gelte freilich auch für den Fußball. Dort könne man derzeit zum Beispiel in der ersten Mannschaft auf 19 Spieler zurückgreifen, die allesamt aus der eigenen Jugend kommen. „Das hat natürlich auch etwas mit Bindung zu tun“, sagt Eugen Kern, der stets nach der Maxime handelt: „Vormachen, nachmachen, mitmachen.“ (Claudia Bechthold)

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