Einzigartige Kegelbahn selbst gebaut

Förderschüler aus Heusenstamm beteiligen sich mit Spielgerät für Rollstuhlfahrer an einem Wettbewerb

Präzision ist gefragt: Die Förderschüler Noah (vorne) und Khalil bohren Scheiben aus Holzplatten, die sie später zu Kegeln zusammenstecken.
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Präzision ist gefragt: Die Förderschüler Noah (vorne) und Khalil bohren Scheiben aus Holzplatten, die sie später zu Kegeln zusammenstecken.

Es ist vollbracht: Nach mehr als einem halben Jahr werkeln haben 16 Schüler aus zwei Klassen der Förderschule am Goldberg in Heusenstamm ihre rollstuhlgerechte Kegelbahn fertiggestellt. Mit dem Projekt nehmen die Jugendlichen am Wettbewerb „Mach Was!“ des Schraubenherstellers Würth teil (wir berichteten). „Wir wollen mit dem Projekt unseren Schülern zeigen, dass sie trotz ihrer Handicaps etwas schaffen können“, sagt Projektleiter Frank Ludwig.

Heusenstamm – Seit dem Frühjahr bohren, sägen oder fräsen die Jugendlichen an ihrer Kegelbahn, die sowohl drinnen, als auch draußen genutzt werden kann. „Mir gefällt vor allem das Schleifen und Bohren“, berichtet Teilnehmer Yassin. Zusammen mit Erzieher Frank Ludwig und mit der Hilfe von Schreiner Holger Gehr schneiden die Schüler an einer Bohrmaschine aus Holzplatten mehr als 350 Scheiben aus und setzen diese Stück für Stück zu neun Kegeln zusammen. „Das Stapeln macht mir am meisten Spaß“, meint Schüler Noah. Damit die Spielgeräte besonders gut zu sehen sind, streichen die Schüler sie rot an. Als Wurfgeschoss dient ein Softball, der mit einem Netz an einer Seilbahn befestigt wird. Mit Hilfe dieser Konstruktion sollen vor allem Menschen mit motorischen Einschränkungen die Bahn nutzen können. Ludwig betont: „Jeder, der auf der Bahn spielen will, muss in einen Rollstuhl sitzen, selbst, wenn derjenige keinen benötigt.“ Dadurch sollen alle Spieler die gleichen Bedingungen haben, erläutert er.

Eigentlich sollte das Projekt bereits im Juni abgeschlossen sein, doch wegen des Lockdowns mussten Schüler und Erzieher ihre Arbeit zunächst einstellen. Für die Heranwachsenden eine besonders schwere Situation, sagt Frank Ludwig: „Ihre erste Frage war, was nun aus der Kegelbahn werde.“ Ihre Befürchtung, dass sie nicht mehr weiterbauen dürfen, blieb aber unbegründet, zumal die Firma Würth wegen der Pandemie den Abgabetermin verschob. „Sie sind uns da wirklich sehr entgegengekommen“, sagt Ludwig.

Als der Schulbetrieb im Mai wieder aufgenommen werden konnte, setzten die Förderschüler ihre Arbeit am Projekt fort, wenn auch in veränderter Form. „Wir mussten die beiden Klassen in jeweils zwei Gruppen aufteilen“, erläutert Ludwig. Da es in beiden Klassen Risikopatienten gibt, die zunächst nicht mehr aktiv an dem Projekt mitwirken konnten, werkelten jeweils drei Schüler 90 Minuten pro Schultag an der Bahn. Am letzten Tag vor den Sommerferien folgte dann die Premiere. Auf einem Rasen neben dem Schulgebäude am Ginsterweg wird die Bahn erstmals aufgebaut. Frank Ludwig und seine Schützlinge sind mit dem Ergebnis zufrieden. „Die Kegelbahn ist etwas Einzigartiges“, versichert der Erzieher. Die verbleibende Zeit bis zum Abgabetermin nutzten die Schüler, um die Bahn zu optimieren. Vom fertigen Produkt wurde ein Video gedreht, das an den Ausrichter des Wettbewerbs eingeschickt wurde.

Zunächst musste das Projekt zu den 100 besten des Wettbewerbs gehören, dann folgt eine Abstimmung im Internet, die über die ersten zehn Plätze entscheidet. Die drei besten Werke ermittelt dann eine Fachjury. Gewinnen wollen die Förderschüler zwar schon, sagt Frank Ludwig, doch insgeheim schielen sie auf den dritten Platz. „Dann können wir nämlich in einen Freizeitpark fahren“, meint Noah.

Inzwischen hat sich das Unternehmen für 100 Projekte entschieden: Die Kegelbahn hat es in die Auswahl geschafft und somit weiterhin die Chance auf den Sieg. Wer für die Kegelbahn abstimmen möchte, kann dies von heute 12 Uhr an bis zum 8. November auf voting.rogeln.de tun.

(Von Joshua Bär)

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