In der Politik bleibt sie

Elisabeth Ball nach 50 Jahren aus dem Beruf verabschiedet

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Nach 46 Jahren im Staatliches Schulamt wurde Elisabeth Ball (Mitte) durch den bisherigen Leiter Dr. Peter Bieniussa und die kommissarische Leiterin Susanne Meissner verabschiedet.

Heusenstamm - In ihrer Heimatstadt ist Elisabeth Ball seit Jahren für die CDU ehrenamtliches Mitglied des Magistrats. Bis jetzt vertrat sie zudem die Interessen der Schlossstadt im Kreistag. Und vor einigen Wochen hat man sie zur Kreisvorsitzenden der Senioren-Union gewählt. Von Claudia Bechthold 

Schließlich ist sie auch noch ehrenamtliche Schöffin. Jetzt wurde die Heusenstammerin nach 50 Jahren im öffentlichen Dienst in den Ruhestand verabschiedet. Das war ein großer Teil meines Lebens, sagt Elisabeth Ball. Und wenn sie das sagt, schwingt Wehmut mit. 50 Jahre lang war die Heusenstammerin im öffentlichen Dienst beschäftigt, 46 Jahre davon im Staatlichen Schulamt. Sieben Amtsleiter hat sie dort erlebt, fünf Umzüge des Amtes mit gestemmt. „Im Schulamt gab es viele alte Schränke und mich“, kommentiert sie diese lange Zugehörigkeit lachend, die sie mit Ausnahmegenehmigungen erreichen konnte. Denn Elisabeth Ball ist ein Mensch, der Arbeit und Beschäftigung braucht, dem der eigentliche Beruf und die Familie nicht genügen. Ehrenämter zu übernehmen war für sie daher keine Frage. Wobei sie auch betont, dass sie ohne ihre Familie die vielseitigen Aufgaben nicht hätte bewältigen können. „Dass Schlimme ist“, sagt ihr Mann Heinz Ball, „dass sie alles, was sie macht, auch noch gern macht“.

Als 15-Jährige beginnt Elisabeth Rebell eine Lehre als Verwaltungsangestellte bei der Kreishandwerkerschaft in Offenbach, die sie drei Jahre später erfolgreich abschließt. Ein weiteres Jahr blieb sie dort. Dann legt sie eine Pause ein. Sie heiratet 1966, 1968 kommt Sohn Steffen zur Welt. Aber nach zwei weiteren Jahren hat sie genug vom häuslichen Alltag. Ihre enorme Energie mus schließlich irgendwo hin. Schnell entdeckt sie ein Inserat. Für die Dienststelle des Schulrats mit Sitz in Heusenstamm wird eine Verwaltungsangestellte gesucht. Elisabeth Ball wird eingestellt.

Die Veränderungen, die sie in den folgenden 46 Jahren erlebt, beschreibt sie selbst als kollosal. So erhält sie 1971 die erste elektrische Schreibmaschine im Amt. Auch der erste Computer stand in ihrem Büro. Aber sie setzt sich nicht nur mit den technischen Veränderungen auseinander, auch inhaltlich lässt sie sich weiterbilden. Aus der Verwaltungsangestellten wird eine Sachbearbeiterin mit immer mehr Zuständigkeiten, darunter seit 1997 der Haushalt, und am Ende die Büroleiterin mit der Stellen-und Budgetverwaltung für das Schulamt. Ihrem Mädchennamen habe sie alle Ehre gemacht, attestiert ihr Susanne Meissner, derzeit kommissarische Leiterin des Staatlichen Schulamts, zum Abschied. Sie habe rebelliert gegen die Überzeugung, dass nur Männer Karriere machen sollten. Aber auch gegen Anweisungen von Vorgesetzten, die ihr unsinnig erschienen, habe sie rebellisch reagiert, bis dahin, das sie einmal eine Verbindungstür zu einem anderen Büro mit einem Regal verstellte.

„Man hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zu entwickeln, hat mich gefordert und gefördert, und hat an mich geglaubt, wenn ich mal selbst Zweifel hatte, dafür bin ich sehr dankbar“, schließt Elisabeth Ball dieses Kapitel ab. Und nun? Die Uni des dritten Lebensalters möchte sie gemeinsam mit ihrem Mann besuchen, Philosophie und Psychologie interessieren sie. Und sie will ihr Haus wieder kennen lernen, freut sich auf ruhige Stunden mit ihrem Mann und der Familie. Langweilig werde ihr sicher nicht, betont sie. „Denn ich finde das Leben nach wie vor spannend“, fügt sie mit ihrer stets positiven Einstellung hinzu.

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