Entscheidung fiel in Uppsala

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Pfarrerin Karin Härle und ihre neue Kollegin Anne Daur-Lyrhammer (von links) beim Empfang im Gemeindehaus.

Heusenstamm - Sie ist kommunikativ, das spürt man schon an der Art, wie sie auf ihr fremde Menschen zu geht. Offen, fröhlich begegnet sie anderen. Von Claudia Bechthold

Und das dürfte auch dazu beigetragen haben, dass man ihr die vakante Stelle in der Evangelischen Kirchengemeinde angetragen hat. Seit Anfang des Jahres ist Anne Daur-Lyrhammer neben Karin Härle Pfarrerin dieser Gemeinde. Und sie fühlt sich schon jetzt richtig wohl in der Schlossstadt.

Noch ist die 35-Jährige Pfarrvikarin, also zwar ordiniert, aber noch nicht zur Pfarrerin auf Lebenszeit ernannt. Dieses „Pfarrdienstverhältnis auf Probe“ dauert in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau drei Jahre, und die sind bei ihr noch nicht abgelaufen. Das liegt vor allem daran, dass sie seit Abschluss ihrer Ausbildung zweimal den Mutterschutz genossen hat. Ihre Söhne sind dreieinhalb Jahre und elf Monate alt.

„Ich bin ein bisschen spät dran“, sagt sie, und bezieht das vor allem auf ihre vielen „Ausflüge“, die sie seit dem mit besten Noten im württembergischen Pfullingen bestandenen Abitur gemacht hat. Ausflüge in andere Länder, vor allem nördliche Regionen. Und Ausflüge in andere Tätigkeiten.

Obwohl ihr der Seelsorger-Beruf eigentlich in die Wiege gelegt worden war. Beide Großväter waren Pfarrer. Von einem hat sie den Schreibtisch geerbt, an dem sei seitdem gern arbeitet. Doch die Idee, Pfarrerin zu werden, hatte sie nach dem Abitur nicht. Praktika hat sie zunächst gemacht. In einer Jugendherberge auf einer schottischen Insel zum Beispiel. Oder in einem Altenpflegeheim in ihrer Heimatstadt Pfullingen. Die Nähe zum Glauben und zur Kirche aber hat sie schon damals gespürt. Vielleicht, überlegt sie selbst, habe dies etwas damit zu tun, dass ihre Eltern ihr keine Vorgaben gemacht haben. „Mein Bruder und ich sind nicht getauft worden“, erzählt sie frei heraus. So konnte sie sich später selbst für Taufe und Konfirmation entscheiden. Und dies offensichtlich mit Überzeugung.

Auch als sie sich dann doch in Tübingen für das Theologie-Studium eingeschrieben hat, schwebte Anne Daur-Lyrhammer noch immer nicht der Pfarrerberuf als Ziel vor. Das entwickelte sich erst, als sie ein Auslandssemester im schwedischen Uppsala einlegte. Dort habe sie einen ganz starken Bezug zur Theologie bekommen. In Schweden gebe es noch lutherische Traditionen, viel Liturgie, und das liege ihr.

Zurück in Deutschland wechselte sie nach Frankfurt. Neben dem Studium hat sie dort unter anderem für die Aids-Hilfe gearbeitet. „Menschen in allen Situationen kennen zu lernen, das war mir wichtig, und das war gut für mich“, betont die Theologin und fügt hinzu, sie brauche stets etwas, um sich zu erden. So ist für sie auch ihr Praktikum bei der Dekanin für das kanadische Labrador eine sehr wertvolle Zeit.

Heusenstamm hat Anne Daur-Lyrhammer in den vergangenen Monaten schon ein wenig kennen gelernt. Immer wieder war sie zur Vertretung in der Schlossstadt. Die Nähe zum Wald genießt sie. „Ich habe dort schon Heidelbeersträucher entdeckt“, verkündet sie. Und auch auf ihren Garten freut sie sich.

Bei ihren Aufgaben will sich die Pfarrvikarin vor allem auf die Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Aber da werde sie sich erstmal in Ruhe ansehen, was es schon alles gibt.

Ein ganz wichtiger Aspekt in ihrem Leben ist übrigens auch die Musik. Flöte, Klavier, Violoncello und Gesang hat sie gelernt. Die Dreigroschenoper hat sie schon gesungen. Und Chansons der 20er Jahre. Aber auch Bach oder skandinavischen Rock und Pop liebt sie.

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