Entschleunigung auf der Insel

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„Bereits am zweiten Tag auf Tuchfühlung mit der Natur...“: 21 Sechstklässler auf einer zwar nicht einsamen, aber von allem Stress weit entfernten Insel.

Obertshausen/ Mühlheim/Heusenstamm - Liest man, was 21 Sechstklässler aus Obertshausen, Mühlheim und Heusenstamm gerade auf der Nordseeinsel Langeoog erlebt haben, bekommt man im Umkehrschluss ein Verständnisproblem:

Was eigentlich treibt Menschen dazu, in ihrem Urlaub bei Städtereisen atemlos durch zubetonierte Ballungsräume zu jagen, statt echte Erholung zu suchen? Von Diethelm Sannwald wäre da kaum eine befriedigende Antwort zu erwarten. Das Beratungszentrum Mitte des hiesigen Diakonischen Werks, dessen Leiter er ist, hat seine - Vorsicht jetzt: Pädagogensprech und trotzdem schön - „kooperative Ferienfreizeit“ als bewusste Entschleunigung zelebriert.

Regie führte da die diakonische Schulsozialarbeit. Die ganz der Alten- und der Jugendhilfe verpflichtete Irene-und-Helmut-Leitner-Stiftung hatte je sieben Kindern aus den sechsten Klassen der Haupt- und Realschulen in den drei Nachbarstädten mit zusammen 3500 Euro Zuschuss die Reise ermöglicht. Vier Tage nur, aber gewissermaßen als Intensiv-Entzug von der Hektik des Alltags, die nicht erst Erwachsene überfällt.

Der Reisebericht formuliert’s nicht ohne Augenzwinkern: „Nachdem der ‘Kulturschock‘ am ersten Abend überstanden war, gingen die Kinder bereits am zweiten Tag auf Tuchfühlung mit der Natur.“ Genau so war’s gedacht. Langeoog, das sollte „Kontrast sein zu dem dicht besiedelten Wohnumfeld im Kreis Offenbach, das geprägt ist durch ein hohes Verkehrsaufkommen“. Von letzterem konnte auf der ostfriesischen Insel keine Rede sein - sie ist autofrei, erlaubt sind als Fortbewegungsmittel Füße, Pferde und Kutschen.

Also: pure Natur. Der Wattführer „Ossi“ erklärte den Besuchern seine Heimat, nahezu jeder hatte das erste Mal einen Wattwurm in der Hand, beobachte, wie Herzmuscheln sich ins Watt graben. „Die Begeisterung nahm zu und die Kinder hatten keine Scheu mehr, durch den kniehohen Schlick zu wandern“, haben die Begleiter notiert. Am dritten Tag lernte die Gruppe die Insel von ihrer schönsten Seite kennen. Mit dem Rad und einem Heimatkundler ging es in die Naturschutzgebiete von Langeoog - Vogelsiedlungen sind hier zu beobachten, aber auch Beispiele für die Gefahr, die der Mensch für das Ökosystem bedeuten kann.

Die Gruppe hat neben Sonne und Ruhe vor allem eine Erfahrung getankt, die die Schulsozialarbeiter besonders hervorheben: „Es war schön zu sehen, wie die Technik des Alltags immer weniger vermisst und die Freude am eigenen Tun wieder entdeckt wurde.“

(mcr)

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