Besonderer Gottesdienst

Erdbebenopfer erfrieren im Iran

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Farush Sedigi verteilte den iranischen Eintopf vor der Kirche Maria Himmelskron mit Liebe und Leidenschaft.

Heusenstamm - Gleich zwei außergewöhnliche Besucherinnen hatte die katholische Kirche Maria Himmelskron zum Sonntags-Gottesdienst. Die eine kam, um Dank zu überbringen, die andere, um zu bitten. Von Jana Holecek 

Schwester Angelica stammt aus Eritrea. Sie dient ihrem Orden, den „Kapuzinerschwestern von Mutter Rubatto“, in Rom. Ihre Heimat, in der ihre Mitschwestern viel Gutes tun, vergisst sie nie. Und auch die große Hilfe, die immer wieder aus Heusenstamm bei den Kapuzinerschwestern in Enghela und in Feledareb in dem armen Land eintrifft. Schwester Aneglica bedankte sich im Anschluss an den Gottesdienst auf Englisch für die Arbeit und das Gute aus Heusenstamm. Vor allem die medizinische Versorgung der Kinder liegt ihr am Herzen. Mit „Thank you and God bless you“ schließt sie ihren Dank.

Mit einer Bitte richtet sich dann Farush Sedigi an die Gottesdienstbesucher. Die aus dem Iran stammende Lehrerin lebt seit 16 Jahren in Heusenstamm und unterrichtet an der August-Bebel-Schule in Offenbach die Fächer Chemie, Ethik und Deutsch als Fremdsprache. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Erdbebenopfern im Iran zu helfen.

Am 12. November vergangenen Jahres ereignete sich im Iran ein schweres Erdbeben der Stärke 7,5. Etwa 400 Tote und tausende Verletzte gab es zu beklagen, große Zerstörungen zudem. Noch immer, fast vier Monate danach, leben 90 Prozent der Menschen, die durch das Beben obdachlos wurden, in provisorischen Zelten bei zur Zeit minus acht Grad Celsius. Sie wisse von mindestens vier Kindern, die zwar das Beben, nicht aber die Kälte überlebt haben, sagt Farush Sedigi.

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Staatliche Hilfe sei in der Region bislang nicht angekommen. Sie wirft dem iranischen Regime vor, diese Menschen absichtlich zu vergessen, weil sie auf kurdischem Gebiet leben. „Die Türken erschießen ihre Regimegegner, die Iraner lassen sie erfrieren“, betont die Lehrerin. Sie selbst fürchtet, bei einer Einreise in den Iran festgesetzt zu werden. Ihre Initiative sammelte zunächst im privaten Kreis und konnte bislang vier Familien im Erdbebengebiet in Wohncontainern unterbringen. „Es ist kein Haus, aber ein Dach über dem Kopf“, freut sich Sedigi . Ein Container kostet umgerechnet etwa 1000 Euro. Nach dem Gottesdienst bieten sie und ihre Helfer vor der Kirche iranische Spezialitäten und selbst gebackenen Kuchen an. Von den Spenden soll ein weiterer Container angeschafft werden.

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