Hilfe bei Schulterproblemen

Heusenstammer erfinden Therapie-Gerät

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Thomas (links) und Nicko Duttine werben mit dem „Schulter-Mobil“ für ihre Erfindung.

Heusenstamm - Was vor vielen Jahren mit Schulterproblemen begann, ist mittlerweile ein eigenes Vater-Sohn-Unternehmen. Die Heusenstammer Thomas und Nicko Duttine haben sich selbstständig gemacht und auf die Schulter spezialisiert. Von Patrick Eickhoff

Von der Keller-Produktion zum eigenen „Schulter-Mobil“. Von kleinen Zeitungsanzeigen in Fitness-Magazinen zum eigenen YouTube-Kanal. Aus dem Traum, der für Thomas Duttine vor rund 20 Jahren mit Schulterproblemen beginnt, ist mittlerweile Realität geworden. Der 59-Jährige gibt offen und ehrlich zu: „Ich wusste immer, dass meine Methode hilft, aber das wir mal hier stehen, das hätte ich nicht gedacht.“ 

Thomas Duttines Leidenschaft ist der Kraftsport. Doch dieser bringt nicht nur den positiven Effekt des Muskelwachstums mit sich, sondern kann in einzelnen Fällen auch Verletzungen und Schmerzen hervorrufen. Der gelernte Industrie-Elektroniker erlebt dies vor 18 Jahren. „Mein Therapeut hat mir dann eine Übung empfohlen, aber dafür musste ich immer die Tische auseinander schieben – das war alles nicht machbar.“

Dem Heusenstammer kommt die Idee, das Problem selbst in die Hand zu nehmen. „Ich wollte ein Gerät entwickeln, um diese Verletzungen zu verhindern.“ Er beginnt zunächst mit einer Stange Metall, merkt aber schnell, dass er dabei an seine Grenzen gerät. Dann kauft er im Baumarkt eine PVC-Röhre. „Ich habe diese dann erhitzt, an verschiedenen Stellen gebogen und in der Eistonne abgekühlt.“ So entstehen die ersten Prototypen der Schulterhilfe.

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Sein Sohn Nicko erinnert sich noch an die Zeit als sein Vater das Haus zum Versuchslabor umfunktionierte. „Er wollte sich seinen Traum erfüllen, und unten im Keller lagen die verschiedenen Versuchsstücke“, sagt er. Mittlerweile ist der 35-Jährige selbst Teil der Aktiflex-Schulterhilfe. „Ich habe damals eigentlich eine Ausbildung in der Industrie-Elektronik absolviert und wollte in die Firma von meinem Vater einsteigen“, erklärt er. Doch es kommt alles anders. Die Kreativität und den Erfindergeist schreibt sich Thomas Duttine als seine Haupteigenschaften zu. „Ich habe schon immer gerne experimentiert und gebastelt und auch als Schüler für die Probleme meiner Freunde öfter mal kreative Lösungsansätze gefunden.“ Diese Tüftelei und kreativen Ansätze sollten sich einige Jahre später bezahlt machen.

In den Anfangsjahren laufen beide Firmen noch parallel. „Die Idee mit der Schulterhilfe war goldwert, denn die Elektro-Aufträge wurden weniger“, sagt Vater Thomas. Zunächst nennt er das entwickelte Gerät „Schulter-Horn“, spricht damit besonders Kunden im Kraftsport an. „Ich war selbst in der Szene aktiv, da war es leichter anzufangen.“ Doch die Schulterhilfe wächst weiter. Beide erstellen eine eigene Homepage, produzieren weitere Trainingsgeräte, zunächst im Keller. „Ich bin morgens aufgestanden, habe die Hilfen hergestellt und bin abends völlig platt ins Bett“, erinnert sich Sohn Nicko.

Beide entschließen sich, voll und ganz auf die Karte des Schulter-Gerätes zu setzen. Und das entgegen vieler Fachmeinungen. „Wir isolieren die hintere Muskelgruppe und trainieren diese einzeln – das ist im Training eigentlich ein No-Go.“ Thomas Duttine erklärt, dass diese spezielle Muskelgruppe dafür sorgt, dass die Schulter nicht erschlafft. „Die regelmäßige Nutzung der Schulterhilfe sorgt auch für einen aufrechteren Gang.“ Das sowohl Vater als auch Sohn keine medizinische Grundausbildung haben, stört beide nicht. „Natürlich haben wir uns eingelesen, mit Ärzten und Pädagogen gesprochen – ich war ja schließlich auch selbst betroffen“, erläutert Thomas Duttine. „Wir sind uns bewusst, dass wir eine Konkurrenz zu Therapeuten und Ärzten darstellen und einige, das nicht ganz wahrhaben wollen.“

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2018 sind beide seit zehn Jahren in ihrem neuen Gebäude an der Industriestraße. Die Schulterhilfen werden von Mitarbeitern mit der Hand produziert. „Eine Maschine für die Produktion wäre extrem teuer.“ Seit rund einem Jahr fahren die Duttines mit ihrem „Schulter-Mobil“ auf verschiedene Messen, werben auch in Fitnessstudios. „Wir finden, dass es das optimale Gerät für Kurse ist.“ Ihre Rolle im Gesundheitswesen schätzt Thomas Duttine realistisch ein: „Wir wissen genau, dass wir am Ende erst aufgesucht werden.“ Viele Ärzte würden nach einer Cortison-Behandlung schnell eine Operation empfehlen. „Diese kostet nicht nur die Krankenkassen extrem viel Geld, sie ist auch nicht so erfolgversprechend.“ 

Viele Menschen seien gehemmt, wenn es um eine Operation geht. „Sie melden sich dann bei uns und die meisten sind auch wirklich sehr zufrieden.“ Für die Zukunft haben beide einiges vor. Nicht nur soll die Schulterhilfe bekannter werden, sie haben sich auch auf ein neues Körperteil spezialisiert: das Knie. „Wir entwickeln einen Prototypen, der auch da gewisse Muskeln besser stärkt und trainiert“, erklärt Thomas Duttine und ist sich sicher: „Die Kniehilfe wird mit Sicherheit auch vielen Leuten helfen.“

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