Erneut Bäume auf Stifter-Hof gefällt

Zumindest der Stamm der Fichte sieht auch sehr gesund aus. Fotos (2): Bechthold

Heusenstamm - Wurzelwerk zweier Fichten soll nach Untersuchungen des Kampfmittelräumdienstes stark beschädigt gewesen sein

„Macht ihr die Birken auch weg?“ Während der Pause stehen Kinder traurig am Bauzaun auf dem Hof der Adalbert-Stifter-Schule. Und sie machen deutlich, dass sie Angst haben um die Bäume, die jetzt noch auf dem Schulhof stehen. Erst vor drei Wochen war eine Linde auf dem Schulgelände gefällt worden, weil sie im Notfall der Stellfläche für die Drehleiter der Feuerwehr im Weg gestanden hätte. Gestern und vorgestern sind nun zwei Fichten mit der Hilfe von Motorsägen gefallen. Das Wurzelwerk der Bäume sei durch Untersuchungen des Kampfmittelräumdienstes so stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr standsicher gewesen seien, sagte gestern auf Anfrage Alexander Zaruba, Geschäftsführer der Hochtief PPP Schulpartner GmbH, die für alle baulichen Veränderungen an 50 der knapp 100 Schulen im Kreis Offenbach zuständig ist.

Wenig Verständnis für die Fällarbeiten hat auch Franz Heberer, der direkt neben dem Schulhof wohnt und vor dessen Terrasse die beiden Fichten standen: „Die Bäume waren eine Art Schallschutz für uns. Jetzt bekommen wir den Lärm von Flugzeugen, S-Bahn und Autobahn ungehindert ab.“ Doch das ist es nicht allein. Denn der 73-Jährige, der auch im Heusenstammer Ortsverein der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aktiv ist, bedauert den Verlust der beiden Fichten auch, weil nun „wieder weniger Platz für Vögel und andere Tiere“ vorhanden sei.

So habe ein Eichhörnchen seinen Kogel in einer der Fichten gehabt und sei regelmäßig auf seiner Terrasse zu Gast gewesen. Und Vögel hätten nun weniger Schutz vor Falke und Sperber, die auch in Heusenstamm regelmäßig auf Beutesuche seien.

Der Kampfmittelräumdienst hat in dieser Woche den Schulhof untersucht, weil sich darunter die Reste eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg befinden sollen. Und niemand konnte sicher sagen, ob sich dort nicht noch Waffen oder Bombenreste befinden. Inzwischen sei das Gelände zu weiteren Bauarbeiten zur Sanierung des Schulhofs freigegeben, versicherte gestern Zaruba. Es sei nichts Verdächtiges gefunden worden.

Hochtief PPP Schulpartner lässt derzeit den Asphalt in dem Hof entfernen. Dieser soll durch eine wasserdurchlässige Pflasterung ersetzt werden. Zudem werde dort ein Spielgerät aufgestellt, das die Stadt Heusenstamm finanziert. Bürgermeister Peter Jakoby bestätigte dies auf Anfrage. Ersatz für die nun gefällten Fichten soll nicht auf dem Schulgelände geschaffen werden, die Schule wünsche keine Neupflanzung, um mehr Platz für die Kinder zu haben, sagte Zaruba. Allerdings werde man auch keine weiteren Bäume fällen.

Für Franz Heberer ist dies kein Trost. „Das ist ja fast wie im Kelsterbacher Wald“, sagt er ein wenig verbittert und fügt an, die Bedürfnisse von Menschen und Tieren zählten eben heutzutage leider nichts mehr.

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