Erwünschte Untermieter

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Zwei Familien aus Heusenstamm freuen sich über Fledermäuse.

Heusenstamm - Zwei Heusenstammer Familien, Markus Wächtler und Oliver Eiermann, erhalten heute die Auszeichnung „Fledermausfreundliches Haus“ für vorbildliche Naturschutzleistungen am Wohnhaus. Von Claudia Bechthold

Vergeben wird diese Ehrung vom Naturschutzbund (NABU) Ortsverband Rodgau und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Beide Organisationen betreuen den Fledermausschutz in Heusenstamm.

Fledermäuse vertreiben tierische Vormieter

Markus Wächtler zeigt auf das winzige Loch zu der Fledermaus-Wohnung zwischen Hauswand und Dämmung. Vollansicht

„Wir haben die Tiere nur durch Zufall entdeckt“, berichtet Markus Wächtler. Zunächst sei ihnen der Mäusekot auf dem Balkon aufgefallen. „Wir dachten auch erst an Mäuse, waren aber unsicher, weil es so viel war.“ „Und dann ist uns aufgefallen, dass eine unserer Katzen neuerdings nicht mehr in den Garten schaute, sondern die Hauswand beobachtete“, ergänzt Claudia Wächtler. Schließlich hat das junge Paar einfach die Internet-Kamera auf den Balkon gestellt, und in der Wohnung gewartet. was passiert. Es habe nicht lange gedauert, dann sei die erste Fledermaus ausgeflogen.

Aus zwei Gründen haben sich die Wächtlers richtig gefreut über ihre neuen Untermieter. Einerseits weil sie beide viel für Tiere übrig haben. Und zum anderen, weil sie damit deren Vormieter endlich los sind. Denn bisher wohnte in dem Zwischenraum zwischen Dämmung und Hauswand ein Wespenvolk. „Die hoffen wir nun los zu sein“, meint Claudia Wächtler.

Dann haben sie Hans Schwarting angerufen. Der 70-Jährige war Vorsitzender des NABU im Kreis Offenbach und ist seit 1981 als Fledermaus-Freund aktiv. „Alle europäischen Fledermäuse fressen ausschließlich Insekten“, betont Schwarting sogleich zu Beginn eines jeden Gesprächs über die fliegenden Säugetiere. Es ist ihm wichtig, denn „viele Leute glauben, bei uns gäbe es auch blutsaugende Fledermäuse“. Die Tiere leben ausschließlich von Insekten, fügt er noch hinzu, fressen in einer Nacht etwa die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts, die Weibchen während der Brutzeit sogar 80 Prozent.

„Man hört sie ein wenig, wenn man darauf achtet“

Bei Wächtlers, so vermutet Hans Schwarting, haben die Fledermäuse ihren Nachwuchs großgezogen. Da sie ihr neues Quartier bei den Wächtlers nur eine Woche bewohnt haben, vermutet der Experte, sie könnten an anderer Stelle gestört worden sein. „Die Zwergfledermaus zum Beispiel kennt meist 20 bis 40 unterschiedliche Unterschlüpfe, um im Zweifel schnell umziehen zu können.“ Dieser Art gehören wohl auch die Tiere an, die bei Familie Wächtler eingezogen war.

Viel Platz benötigen die kleinen Tiere nicht. Auch das Loch, durch das sie am Haus der Familie Wächtler geschlüpft sind, ist nicht groß. „Man hört sie ein wenig, aber nur wenn man darauf achtet“, sagt Claudia Wächtler.

Auf den Einzug von Fledermäusen hoffen auch Oliver und Grit Eiermann. Sie wohnen direkt an den Bieberauen und dort können sie regelmäßig Fledermäuse beobachten. Um sich zu informieren, was man für diese zum Teil nur daumengroßen Tiere tun kann, haben sie sich ebenfalls mit Hans Schwarting in Verbindung gesetzt. Inzwischen bereitet Oliver Eiermann alles für eine passende Behausung mit Abflugrampe vor. Einziehen werden die fliegenden Mäuschen aber wohl erst nächstes Jahr.

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