„Etwas den Anschluss verloren“

Finanzminister Michael Boddenberg ist Gast des digitalen CDU-Neujahrsempfangs

Finanzminister Michael Boddenberg (links) im Jahr 2018 bei einem Besuch im Heusenstammer Horst-Schmidt-Haus mit Daniel Bauer von der Awo Hessen-Süd.
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Finanzminister Michael Boddenberg (links) im Jahr 2018 bei einem Besuch im Heusenstammer Horst-Schmidt-Haus mit Daniel Bauer von der Awo Hessen-Süd.

Ein Experiment hat die Heusenstammer CDU gewagt, die traditionell Ende Januar zu ihrem großen Neujahrsempfang einlädt. Um diesen nicht ganz ausfallen lassen zu müssen, hat sich der Vorstand entschieden, eine Videokonferenz zu veranstalten, zu der Hessens Finanzminister Michael Boddenberg eingeladen wurde, der über Corona-Folgen sprach.

Heusenstamm – „Wir müssen uns eben arrangieren“, sagte die Vorsitzende Heide Schwab zur Begrüßung. Rund 70 Teilnehmer, darunter Vertreter der Vereine und der Kirche in der Schlossstadt, hatten sich zu den digitalen Empfang am Freitagabend zugeschaltet.

Mit dem Finanzminister hatten die Christdemokraten einen Heusenstamm-Kenner gewonnen. Denn der Politiker hat, wie er zu Beginn berichtete, einige Zeit in der Schlossstadt gewohnt, die Familie seiner Frau stammt aus der Stadt.

„Jetzt retten wir erst einmal Menschenleben, danach reparieren wir die Haushalte“

Schon weil die wirtschaftlichen Folgen des erneuten Lockdowns seit November noch nicht endgültig feststünden, sei man bei den Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte derzeit noch bei Kaffeesatz-Leserei, betonte der Minister. Sagen könne man aber, dass die Folgen nicht so dramatisch ausgefallen seien, wie man zunächst befürchtet hatte. Zudem könne man sagen, dass Bund, Länder und Kommunen bereits auf einem guten Weg waren, die Folgen der Wirtschaftskrise 2008 zu konsolidieren.

Das habe Corona jetzt zwar alles zunichte gemacht, und es werde auch schmerzhaft aber nicht so, dass man verzweifeln müsse. Boddenberg: „Das ist eine Anstrengung, die man bewältigen kann. Aber die Priorität heißt, jetzt retten wir erst einmal Menschenleben, danach reparieren wir die Haushalte.“ Der Minister betonte sein Verständnis für alle Menschen, die durch die Pandemie-Situation in eine prekäre Situation geraten sind. Er hoffe, dass auch die Wirtschaft das einigermaßen überstehe.

„Corona ist eine historische Aufgabe, aber keine Entschuldigung“, schloss sich CDU-Bürgermeisterkandidat Steffen Ball als zweiter Redner des Abends an. Was Heusenstamm betrifft, wisse man, was man habe und sei dankbar für diese Ausgangslage: gute Nachbarschaften, ein gepflegtes Stadtbild, viel Grün rundum, ein Schwimmbad und ein insgesamt harmonisches Stadtleben in einer stabilen Region. Aber wenn man sich in der Region umsehe, so Ball weiter, erfahre man, dass der Grat zwischen Funktionieren und Scheitern, Erfolg und Misserfolg sehr schmal geworden sei, in ein „Entweder –  Oder“ zerfalle: Entweder man habe und halte Kita-Betreuer oder verliere diese und könne Plätze in den Einrichtungen nicht anbieten. Entweder halte man die guten Geschäfte in den Innenstädten oder das ganze Zentrum verkomme.

„Unsere Stadt braucht eine Strategie für die Zukunft“

Dies und mehr zähle zu den sogenannten Megatrends wie Digitalisierung, Mobilität, Demografie oder Gesundheit, die man verstehen und managen müsse, oder man verliere den Anschluss: „Wir haben in Heusenstamm etwas den Anschluss verloren.“ Steffen Ball betonte: „Unsere Stadt braucht eine Strategie für die Zukunft, sie braucht neue Ideen, kreatives Denken, einen Neustart.“

Als Beispiele für Ziele des gerade fertiggestellten Wahlprogramms der CDU nannte der Kandidat und stellvertretende Vorsitzende unter anderem das Schaffen weiterer Pflegeeinrichtungen in der Stadt, die Umwandlung des Rathauses zur „digitalen Ermöglichungsbehörde“, den Umbau der Kreuzung Alte Linde in einen Kreisel, die Schaffung von Fahrradstraßen, die Ansiedlung einer Drogerie im Brückenquartier, eine bessere Vernetzung der Vereine und ein Konzept für den derzeit ungenutzten Torbau. „Wir haben Lust, Verantwortung für Heusenstamm zu übernehmen“, schloss Ball seine Rede. Nach einigen Nachfragen der Zuhörer endete das digitale Treffen nach rund eineinhalb Stunden. (Claudia Bechthold)

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