Eva-Zeidler-Ensemble auf der Bannturm-Bühne

Komödie „Lysistrate“: Mit den Waffen der Frau

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Nichts zu lachen für die Männer: Lysistrate (Paula Roth-Silva, links) und ihre Frauen haben genug von der kriegsverherrlichenden Testosteron-Herrschaft.

Heusenstamm - Theater darf politisch sein. Muss es vielleicht sogar. Heusenstamms Kultur-Ikone Eva Zeidler hätte zugestimmt. Von Eva-Maria Lill 

Das nach ihr benannte Ensemble empört mit „Lysistrate“ die biedere Bannturm-Bühne und zeigt, warum es manchmal besser ist, nicht nur unterhalten zu wollen. Verhärtete Fronten an heimischen Mauern: schwarzgekleidete Testosteron-Tyrannen pöbeln gegen Blümchenkleid tragende Kreisch-Weiber. Dazwischen steht Protagonistin Lysistrate, den Kopf erhoben, das Gesicht starr. Die Last wiegt schwer. Sie trägt die Verantwortung für den verzweifelten Versuch, Trieb mit Trieb zu bekämpfen. Denn während die Männer nur noch Kriege führen, warten die Frauen in einsamen Trümmern. Die Lösung ist einfach wie pikant: Die Aufwieglerinnen wollen sich im Bett verweigern, bis endlich wieder Frieden herrscht.

Von Aristophanes geschrieben und im Frühjahr 411 v. Chr. in Athen uraufgeführt, gilt „Lysistrate“ als pazifistisches Meisterstück der griechischen Antike. Eine nicht unbedingt naheliegende Wahl für den Kultursommer der Schlossstadt. Aber: Die Thematik von Krieg und Widerstand kennt kein Verfallsdatum. Das Eva-Zeidler-Ensemble, vormals Heusenstammer Spielleut’, wagte mit „Lysistrate“ ein beinahe postmodernes Experiment auf der braven Bannturm-Bühne. Statt seichter Sommerabend-Unterhaltung zeigte die Gruppe hintergründige Polit-Satire aus dem alten Griechenland – den ein oder anderen aktuellen Seitenhieb inklusive.

Passend dazu schrieb die Band The Earhart Light elektronische Kunstmusik. Wenn Kinder im Rhythmus marschieren und dünne Sohlen auf Holz trampeln, wird die Kriegsmaschinerie in ihrem absurden Umfang spürbar. Was nach dem Applaus aber bleibt, ist nicht nur die gelungene Mischung aus Musik, Tanz und Theater. Sondern der Eindruck eines ambitionierten Versuchs, den künstlerischen Geist der Heusenstammer „Prinzipalin“ Eva Zeidler zum Leben zu erwecken.

Vollbesetzte Reihen

Die vollbesetzten Stuhlreihen dankten es mit Kopfnicken, Gelächter und dem ein oder anderen wohlwollenden Stirnrunzeln. Denn fernab deftiger Wortwitze und obszöner Gesten besticht die Inszenierung von Regisseur und Schauspieler Markus Rueckert durch Minimalismus, pointierten Witz und trotzige Wolllust. Da wird geflucht, gefrotzelt, beleidigt und geküsst. Gediegenen Heusenstammer Besuchern treibt es schonmal die Schamesröte ins Gesicht. Frauen und Männer erliegen ihrer Natur, kämpfen, wanken und besiegen am Ende nicht nur die eigene Tradition des sinnlosen Tötens.

Die brechtsche Inszenierung strömt politischen Esprit aus jeder Zeile. Markus Rueckert und Bernd Fischer bearbeiteten den Text und passten ihn den Bedürfnissen der großen Heusenstammer Schauspiel-Schar an. Mehr als 35 Akteure, die Tänzerinnen Marcia Rego und Leonie Löw sowie die Band The Earhart Light stemmten auf diese Weise ein beeindruckendes Mammut-Projekt. Bisweilen fragmentarisch, bisweilen sperrig, aber stringent inszeniert und von allen Beteiligten treffend gespielt.

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